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Bruce Springsteen im Interview : „Plötzlich war ich inspiriert“

  • -Aktualisiert am

Sänger Bruce Springsteen bei einem Konzert im November 2018 in New York Bild: AP

Sänger, Rock-Legende und nun auch Regisseur: Bruce Springsteen hat begleitend zu seinem jüngsten Album einen Film gemacht. Im Interview spricht er über die Idee für „Western Stars“ – und seine Begeisterung für Westamerika.

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          Einen Oscar hat er bereits gewonnen (für den Song „Streets of Philadelphia“), doch nun darf sich Rock-Legende Bruce Springsteen auch noch als Filmregisseur bezeichnen. Gemeinsam mit seinem langjährigen Mitstreiter Thom Zimny hat er begleitend zu seinem jüngsten Album einen Film mit dem Titel „Western Stars“ inszeniert, der am Montag (28.10.) als einmaliges Kino-Event auf diversen Leinwänden der ganzen Welt gezeigt wird. Zu sehen gibt es: ein intimes Livekonzert samt Orchester, durchzogen von kleinen Filmeindrücken aus dem kalifornischen Süden und mal mehr, mal weniger tiefsinnigen Gedanken Springsteens aus dem Off.

          Mr. Springsteen, vor ein paar Jahren haben Sie Ihre Memoiren veröffentlicht, danach gab es die Show „Springsteen on Broadway“. Steht nun Ihr Musikfilm „Western Stars“ mit diesen Werken in einer Reihe?

          Vielleicht könnte man sagen, dass dies nun der Abschluss einer kleinen Trilogie ist, in der ich mich auf jeweils unterschiedliche Weise mit mir und meiner Arbeit auseinandergesetzt habe. Aber natürlich ist er gleichzeitig eine Verlängerung des gleichnamigen Albums. Die Themen, von denen ich dort erzähle und die sich immer wieder durch meine Songs gezogen haben, wollte ich noch einmal aufgreifen und gerade in emotionaler Hinsicht um eine weitere Komponente ergänzen.

          Wie würden Sie denn diese Themen denn beschreiben? Worum geht es für Sie in diesem Film?

          Für mich handelt der Film von den zwei Seiten der amerikanischen Persönlichkeit oder Seele, wenn Sie so wollen. Einerseits das Einzelgängertum, das Zurückgezogene und die Isolation. Und andererseits das Verlangen nach Gemeinschaft und Zughörigkeit. Meiner Erfahrung nach ist es für die meisten von uns ein lebenslanges Ringen, diese beiden Aspekte unter einen Hut zu bekommen. Davon erzählen auch die Songs, und gerade der Film ist für mich ein Abbild dieses Ringens, dieser Reise durch ein Leben. Es geht darum, seinen Frieden damit zu machen, dass zum Leben auch der Schmerz und die Schwere, eben diese langen Kämpfe dazugehören, aber dass man es trotzdem genießen und tiefe Zufriedenheit finden kann. Deswegen ist der Film für mich absolut universell verständlich.

          Gleichzeitig ist er auch eine sehr private, persönliche Angelegenheit, oder nicht?

          In der Tat. Das komplette Konzert haben wir in der großen Scheune auf meinem Grundstück in Kalifornien gedreht, im Obergeschoss, das wir aber natürlich für den Dreh ein bisschen aufgemöbelt haben. Allerdings war das ursprünglich eigentlich ganz anders geplant.

          Wie denn?

          Anfangs schwebte mir und meinem Ko-Regisseur Thom Zimny etwas anderes vor. Ich wusste, dass ich mit dem neuen Album nicht auf Tour gehen würde, also dachten wir, dass wir ein großes Live-Konzert filmen und dann das Ganze mit allerlei Interview-Schnipseln durchsetzen. Wie das in solchen Musikfilmen meistens gemacht wird: Ein paar Leute erzählen, wie toll es ist, mit mir zusammenzuarbeiten – der übliche Mist eben. Aber irgendwie fühlte sich die Sache nicht richtig an. Eines Abends vor dem Fernseher war ich dann plötzlich inspiriert und verfasste ein komplettes Skript. Ein Live-Konzert, aber in ganz intimen Rahmen, passend zu den Songs, und zu jedem Lied individuelle Einführungen. Plötzlich fügte sich alles zusammen: Ich schrieb kurze Off-Texte, die auf die Themen der Songs hinleiteten, wir drehten dazu passende Bilder und luden Freunde zu unserem Scheunen-Konzert. Und unten hörten sich das die Pferde mit großen Ohren an.

          Für das Ende des Films plünderten Sie dann auch noch Ihren privaten Home Video-Fundus...

          Das sind Aufnahmen aus Pattis und meinen Flitterwochen. Wir waren damals in einer kleinen Holzhütte im Yosemite-Nationalpark. Meine Frau Patti war damals gerade schwanger mit unserem zweiten Kind und wollte auf keinen Fall irgendwohin, wo es heiß war. War es dort auch nicht, nur hatte ich nicht bedacht, dass wir natürlich auf der Autofahrt dahin die kalifornische Wüste durchqueren mussten. Das hatte ich also schon mal vermasselt (lacht). Für den Film fand ich diese Aufnahmen einfach sehr schön, weil sie den Bogen zurückschlagen zu den Anfängen meines kalifornischen Weges...

          Apropos: was fasziniert Sie, der Sie von der Ostküste und aus dem Arbeiterstaat New Jersey kommen, eigentlich am amerikanischen Westen?

          Ich bin aufgewachsen mit Western im Fernsehen; Männer wie Henry Fonda und Gary Cooper haben bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Und schon früh in meinem Werk, selbst auf einem Album wie „Darkness on the Edge of Town“, interessierte mich mehr als nur meine Heimat New Jersey. Damals spielten einige Songs zum Beispiel in Utah. Die Weite und Unterschiedlichkeit Amerikas ist für mich immer ein Knackpunkt im Verständnis unseres Landes gewesen. Später haben wir zehn Jahre in Kalifornien gelebt, was ich sehr genossen habe. Und als Musiker hat mich, nicht zuletzt für „Western Stars“, dieser südkalifornische Pop der Siebziger Jahre inspiriert, wie ihn etwa Glenn Campbell oder Jimmy Webb gemacht haben.

          Die Fragen stellten Patrick Heidmann sowie einige ausgewählte Journalisten anlässlich der Weltpremiere von „Western Stars“.

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