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Body Positivity auf Instagram : „Es ist Cellulite!“

Selbstliebe: Immer mehr Frauen stärken sich gegenseitig den Rücken – auch online. Bild: dpa

Demi Lovato will ihre Bikinifotos nicht mehr bearbeiten lassen – sondern sich so zeigen, wie sie wirklich aussieht. Unter dem Hashtag #CelluLIT ist auf Instagram eine Bewegung entstanden. Der Plattform scheint das nicht zu gefallen.

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          „Das ist meine größte Angst“, schreibt die Sängerin Demi Lovato unter ihrem aktuellsten Foto auf Instagram. Was es zeigt? Ein unbearbeitetes Foto des „Camp Rock“-Stars im Bikini – die Cellulite offen sichtbar auf Lovatos goldbraunen Oberschenkeln. „Es ist Cellulite!“, schreibt sie dazu, das englische Wort „Cellulit“ dabei in Großbuchstaben. Unter dem Post gesteht sie außerdem, dass ihre vorher veröffentlichten Bikinifotos bearbeitet wurden – doch dies habe sie satt: „Ich möchte, dass sich dieses neue Kapitel in meinem Leben darum dreht, ehrlich zu mir selbst zu sein, anstatt den Schönheitsidealen anderer gerecht zu werden.“  Fast sieben Millionen mal wurde das Herz unter dem Foto in nur 14 Stunden angeklickt, auf dem Lovato selbstbewusst in die Kamera blickt. Zahlreiche Fans tun es ihrem Idol gleich und posten ebenfalls Fotos von sich selbst im Bikini. Lovato teilt die Beiträge in ihrer Instagram-Story: „Ich könnte nicht stolzer sein“, schreibt sie zu einem der Fanfotos, „wunderschön“ zum anderen. Alles nur PR oder doch ehrlich gemeinte Worte?

          Demi Lovato, ehemaliger Kinderstar, litt jahrelang unter Essstörungen, aß aus Frust und Traurigkeit, nahm zu und wieder ab. Immer wieder hieß es, die Sängerin sei zu dick für den Schönheitsrummel Hollywood, hasserfüllte Kommentare im Netz taten ihr übriges. Auch an der jahrelang im Rampenlicht stehenden Frau scheinen Hasskommentare immer noch nicht spurlos vorbeizugehen. „Hey Demi, schreib mir eine persönliche Nachricht, damit wir dir einen Diätplan erstellen“, schrieb ihr ein Instagram-Nutzer im Juli. Die Sängerin, die sich im vergangenen Jahr nach einer Überdosis einer Entziehungskur unterzog, bedankte sich für das Angebot, antwortete jedoch, sie wolle sich zunächst um ihre körperliche und mentale Gesundheit kümmern. Wenige Tage danach verkündete Lovato, sich eine kleine Auszeit von den sozialen Medien zu nehmen. Das Plädoyer zur Selbstliebe ist für Lovato daher ein ganz persönliches Anliegen, das von ihr immer wieder thematisiert wird.

          Lovato ist nicht die einzige, die den weiblichen Körper mit jeder einzelnen Delle im Netz zelebriert. Während der Begriff „Body Positivity“ ein fest im heutigen Feminismus verankerter Begriff ist, sammelte sich unter dem neuen Hashtag #CelluLIT – der auch unter Lovatos Post zu finden ist – im Sommer eine ganze Reihe an Posts dieser Art. Angefangen hatte damit Plus-Size-Model Iskra Lawrence am 31. Juli: „Oh hey, #celluLIT“, schrieb sie unter ein Foto von sich im neonpinken Badeanzug – ihre Cellulite zeigte sie dabei offen. „Das Leben ist so viel einfacher, wenn du es für dich selbst lebst“, schrieb sie weiter. „Nicht für das Schönheitsideal von anderen, nicht für ihre Bestätigung oder für eine gesellschaftlich konstruierte Perfektion.“ Binnen weniger Tage wurden mehr als 18.000 Fotos unter dem Hashtag veröffentlicht, mal zeigten sich Frauen im Bikini, mal in kurzen Jeansshorts. Es war eine Gegenbewegung zu Frauenzeitschriften, die in jeder Ausgabe neue Tipps gegen Cellulite präsentieren.

          Dass das Schönheitsideal einiger Menschen allerdings anders aussieht, beweisen die Kommentare unter dem Foto von Lawrence, die nicht nur ein Meer von Herzchen-Emojis und unterstützende Worte zeigen: „Mir ist schlecht“, schrieb ein Mann, „Geh ins Fitnessstudio, um Gottes willen“, ein anderer. Doch Kritik kam auch aus den Reihen der Frauen: Es seien vor allem Frauen, deren Körper ohnehin schon akzeptiert würden, Frauen mit Modelmaßen, die eben auch Cellulite haben, die solche Aktionen unterstützten.

          Modelmaße hat Bloggerin Liz Black, die Ende Juni ein Foto mit den Hashtags #cellulite und #cellulit veröffentlichte, keine. „Ich habe so viele Jahre damit verbracht, meine Oberschenkel zu verstecken, weil ich mich für meine Cellulite geschämt habe“, schrieb Black, bei der das Thema „Body Positivity“ auf ihrem Blog an oberster Stelle steht. Unter dem Foto, das sie in kurzen Jeansshorts zeigt, schrieb sie von Sommertagen, an denen sie aus Scham in langen Hosen geschwitzt habe und von Cremes und Schönheitsbehandlungen, mit denen sie versucht habe, ihre Dellen zu bekämpfen. Diese Zeiten seien jedoch vorbei: „Keinen Fleck, keine Narbe, keine Beule oder Delle werde ich je wieder verstecken“, versprach Black unter ihrem Foto.

          Die Plattform Instagram scheint mit der öffentlichen Selbstliebe von Frauen dagegen nicht so gut umgehen zu können. Immer wieder sind die Beiträge, die unter dem Hashtag #celluLIT gepostet werden, entweder teilweise oder gänzlich verborgen. Grund dafür: Die Community habe einige Inhalte unter dem Hashtag gemeldet, die eventuell die Instagram-Richtlinien verletzten. Auch das Hashtag #Nationalcelluliteday unter Demi Lovatos Post scheint Instagram übel aufzustoßen: Klickt man es an, erscheint eine Fehlermeldung.

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