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Körpernormen auf Social Media : Was genau ist falsch an uns?

  • -Aktualisiert am

„Nicht dein Körper ist das Problem, sondern das System, das kleinen Mädchen einredet, sie seien fett“

Doch Social Media oder gar Influencer deshalb zu verteufeln wäre zu einfach. Schließlich gibt es auch eine Gegenbewegung, wie Melodie Michelberger sagt: „Frauen und ein paar wenige Männer, die sich gegen ein vermeintliches Körperideal wehren, gegen die Prämisse, es gäbe den perfekten Körper, und nur der verdiene es, auf Instagram gezeigt zu werden.“ Auch Schauspielerin Melanie Field, der schon als Jugendliche in der Shopping-Mall bewusst wurde, wie ein Idealkörper angeblich auszusehen habe, stellte irgendwann fest: „Du bist nicht das Problem, das Problem ist die Botschaft, die man dir sendet.“ Sich selbst anzunehmen, seinen Körper, ganz gleich, wie viel Raum dieser einnimmt, das eigene Gesicht, den fehlenden Fuß, ist die eine Sache. Eine andere ist es zu erkennen, das „Opfer eines mächtigen Systems zu sein. Eines, das kleinen Mädchen er­zählt, dass sie fett sind“. So singt es Field in ihrem Lied.

Für Melodie Michelberger hat Instagram sogar maßgeblich zu dem beigetragen, was sie heute ihre Befreiung von Fettfeindlichkeit nennt: „Als ich das erste Mal eine dicke Frau gesehen habe, die in Unterwäsche umhertanzt, hat mich das regelrecht erschüttert.“ Ohne Social Media, sagt Michelberger, hätten Menschen wie sie heute noch nicht die Öf­fentlichkeit, von der wiederum alle profitierten: „In den Nischen zwischen überfilterten Beautyidolen und unbarmherzigen Fitnessmodels wuchs eben auch eine Community aus früheren Außenseiterinnen und Außenseitern heran, die sich hier gegenseitig feiern und supporten können“ – gemeinsam gegen die Propaganda unrealistischer Körperideale.

Auch Charlotte Weise sieht die positiven Seiten: „Es gibt zwei Richtungen auf Social Media: Die einen zeigen mehr Realität, Speckröllchen, Cellulite. Die andere Welt zeigt sich nur perfekt, durchtrainiert und ihre kleinen Portionen Chia-Pudding.“

„Nimm ab!“ versus „Liebe gefälligst deinen Körper!“

Ilka Brühl, die mit der Lippenspalte zur Welt kam, fing an, sich für Porträtfotografie zu interessieren, für Bilder, die anschließend nicht mit Photoshop be­arbeitet werden und somit Menschen zei­gen, wie sie sind, mit ihren Makeln und Emotionen. Shootings vor der Ka­mera brachten sie selbst dazu, sich mit ihrem Aussehen auseinanderzusetzen. „Die Bilder eröffneten eine wohlwollendere Perspektive auf mich selbst. Im Laufe der Zeit empfand ich mein Aussehen nicht mehr als komisch und kann heute gut zu mir selbst stehen.“ Ilka Brühl will zeigen: „Hey, wenn ich mich akzeptieren kann, schaffst du das bestimmt auch.“ Auch das ist Social Media.

Ninia Binias, besser bekannt als Ninia LaGrande, verfolgt keine aufklärerischen Gedanken, wenn sie Fotos postet. Jedenfalls nicht explizit. Die Moderatorin ist mit einer Größe von 1,40 Metern kleiner als der Durchschnitt. „Wenn sich Leute durch meine Bilder dazu ermutigt fühlen, sich in ihrem Körper wohler zu fühlen oder ihren Körper mehr zu akzeptieren, finde ich das natürlich wunderbar“, sagt sie. „Das ist aber nicht mein oberstes Ziel – tatsächlich geht es mir ganz egoistisch darum, zu zeigen, wie gut ich manchmal aussehe oder wie sauwohl ich mich in meinem Outfit fühle.“ Aber auch ihr helfe es, anderen coolen Personen zu folgen. „Also bin ich diese coole Person gern auch für andere.“

Ist Baucheinziehen unfeministisch?

Ob diese gelebte Akzeptanz Druck erzeugen kann? Liebe deinen Körper! So wie er ist! In das eine Ohr flüstert das Schönheitsideal: Nimm ab! Ins andere trällern die Gute-Laune-Spreader: Liebe gefälligst deinen Körper! Ist also Bauch einziehen politisch? Ist man keine Feministin mehr, wenn man sein Fett verstecken möchte? Louisa Dellert hört diese Art von Kritik öfter: „Weil ich ja eben immer noch schlank bin und auch ir­gendwo in dieses Schönheitsideal rein­gehöre, das in unseren Medien verbreitet ist. Wenn ich mich aber trotzdem un­wohl fühle und darüber spreche, wird das immer mal wieder kritisiert.“

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