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Birkenstock-Kosmetika : Ein Schritt Richtung Schönheit

In dieser Londoner Birkenstock-Filiale gibt es nicht nur Schuhe zu kaufen: Rechts vom Verkaufstresen werden auch Kosmetika angeboten. Bild: obs

Für Latschenträger ist Birkenstock der umweltbewusste Klassiker. Und von der Fußgesundheit zur Hautgesundheit ist es nicht so weit: Aber hat Birkenstock für die Haut auch Hand und Fuß?

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          Es ist ja so, dass man zunächst die Verpackung wahrnimmt. Wer ein Produkt von Birkenstock berührt, der spürt Kork und Leder, vielleicht die Metallschnallen der Arizona-Sandalen. Auch die Tiegel der naturkosmetischen Pflegeprodukte, die Birkenstock 2017 lanciert hat, sind mit schmalem Korkbesatz versehen. Der Rest ist Plastik.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Kann das funktionieren? Die Frage, ob sich Birkenstock über Schlappen hinaus langfristig als Lifestylemarke aufstellen kann, betrifft auch dieses Plastik, die Verpackungen der Haut- und Augencremes, der Hand- und Fußcremes. Auch das sind Gebrauchsprodukte, wie die Schuhe. Nur dass sie keine zehn Jahre oder länger halten werden, sondern höchstens ein paar Monate. Dann ist die Tube leer. Kann Birkenstock auch ein Wegwerfprodukt sein?

          Vielleicht muss man dafür erst mal Richtung Ausland schauen. In Deutschland ist Birkenstock zweifelsohne ein Synonym für Gesundheitsschuhe. Anderswo denkt man weiter. Das stellte sich heraus, als die Birkenstock-Brüder das Tagesgeschäft in die Hände von Oliver Reichert und Markus Bensberg gegeben hatten und als es bei der Umgruppierung von 38 Unternehmen in ein einziges zugleich um Verschlankung ging.

          Kork auf der Haut: Naturkosmetik von Birkenstock.

          Korkeiche für Schuh und Schönheit

          „Einmal haben wir dabei eine große Marktforschung gemacht“, sagt Oliver Reichert. „Wir wollten sehen, wie die Welt uns sieht. In Asien, den Vereinigten Staaten und den Niederlanden war man der festen Überzeugung, Birkenstock gebe es auch als Marke für Kosmetik.“ Dabei hatte es nie ernsthafte Initiativen in diese Richtung gegeben. Das Gefühl, dass das passen könnte, genügte. „Nachhaltigkeit, Qualität, Funktion, Punkt.“ Reichert stellte ein Team zusammen. „Keiner von uns hatte eine Ahnung, was da genau passieren würde.“

          Körper-Peeling von Birkenstock

          Das war ein recht großer Schritt ins Ungewisse – für ein Unternehmen, in dessen Geschichte es über Jahrhunderte beim Fußbett um Millimeterfragen ging, und das als typisch deutsch gilt, weil Wohlbefinden vor Ästhetik geht und weil man es hier auch sehr genau nimmt. Hat das also noch Hand und Fuß? Naturkosmetik hat Sinn in Zeiten, in denen sich die Menschen immer stärker mit Inhaltsstoffen beschäftigen. Und von der Fußgesundheit zur Hautgesundheit ist es nicht so weit. Praktisch zudem, dass es die Korkeiche gibt, deren Wurzelwerk Schuh und Schönheit verbindet.

          Seit Ende des 19. Jahrhunderts schon arbeitet Birkenstock mit Fußbetteinlagen aus Kork, seit den späten zehner Jahren des 21. Jahrhunderts nun sollen Spuren davon eben auch im Tiegel stecken.

          Wiederverwendbare Creme-Tiegel

          Trotzdem: Ernsthaft? Noch mehr Produkte? Hier die Öko-Schlappen, die zehn Jahre oder länger halten, dort die Produkte in der Verpackung aus vornehmlich Plastik, die ebenfalls einen tiefen Fußabdruck hinterlassen – den, der die CO2-Bilanz beeinträchtigt. Das alles im selben Unternehmen: Damit muss man sich jetzt auch bei Birkenstock auseinandersetzen.

          „Wir haben alle großen Öko-Schlaumeier gefragt, was bei der Vermeidung von Plastikmüll wichtig ist“, sagt Reichert. „Wie es mit dem CO2-Fußabdruck aussieht und mit der Kompostierbarkeit.“ Birkenstock wandte sich an Greenpeace, WWF und BUND mit der Frage nach dem richtigen Weg. „Was wir entwickelt haben, kann sich im Hinblick auf die Aspekte Wiederverwertung und Weiternutzung im europäischen Sinne durchaus sehen lassen“, sagt Reichert. „Aber zufrieden sind wir damit nicht, denn die Verpackungen sind nun mal aus Kunststoff.“ Geht es nach Reichert, soll sich das bald ändern.

          Die Tiegel der Augen- und Hautcremes kann man schon jetzt aufschrauben und für das gleiche Produkt noch einmal verwenden. Und man arbeitet bei Birkenstock an neuen Konzepten; aus Abfall oder schon verwerteten Rohstoffen sollen sich in Zukunft Papier oder Plastik herstellen lassen, für neue Tiegel und noch mehr Schönheitsprodukte.

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