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Fitness für den Geist : 600 Quadratmeter für die Seele

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Im Fitnessstudio Anima Mentis will man nicht nur den Körper, sondern auch die Seele entspannen. Bild: Unternehmen/Anima Mentis

Ob CrossFit, Skitouren gehen oder Klettern – Bewegung steht hoch im Kurs. Fürs mentale Wohl hingegen finden wir kaum Platz. Das soll sich ändern: In Wien gibt es jetzt das erste Fitnesscenter für die Seele.

          Es ist Montag, 15.00 Uhr. Nicht gerade die passende Zeit für Entspannung, Entschleunigung und Ich-Zeit. Doch all das ist heute angesagt. „Kopf freimachen“, „Batterie aufladen“, „Konzentration steigern“ – Einladungen wie diese stehen auf den Fensterscheiben des Fitnesscenters „Anima Mentis“ in der Auerspergstraße nahe dem Wiener Rathaus. Sie klingen auf der hektischen Straße, an der Autolärm von der Fahrbahn jegliche Ruhe zunichte macht, gleich doppelt vielversprechend – wie von einer anderen Welt.

          Eine Solche erwartet Besuchende auch, wenn sie das Studio betreten. Lichtdurchflutete hohe Räume, die an Frühsommertage am Mittelmeer erinnern sollen, helle Naturtöne, feinste Holzböden, Türen aus kanadischer Baumrinde, moosbewachsene Wände sowie ein eigens entwickelter Duft – das Konzept des weltweit einzigartigen „Fitnesscenters für mentale Stärke“ wirkt auf den ersten Blick luxuriös und bis ins Detail durchdacht. Die Betreiber haben sich die „600 Quadratmeter Erlebniswelt für die Sinne“ auch einiges kosten lassen.

          Sieben Millionen Euro hat Rudolf Öhlinger, der dank seiner „SeneCura Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen“ in der Branche kein Unbekannter ist, eigenen Angaben zufolge investiert. Gemeinsam mit dem WHO-Mediziner Jürgen Osterbrink von der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg, mit dem er bereits bei SeneCura zusammengearbeitet hat, und Andreas Spechtler, seines Zeichens umtriebiger Präsident des Sound-Konzerns Dolby International, hat er seit 2013 an der Idee gearbeitet. „Das Wesentliche für unsere Gesundheit ist die mentale Stärke, haben die Drei herausgefunden“, sagt Gabriele Richter, die früher als operative Direktorin bei SeneCura und heute als Center-Managerin die Fäden zieht. Was im Spitzensport längst dementsprechend trainiert wird, fände in unserem Gesundheitssystem keine Beachtung. Und das, obwohl Depressionen und psychische Belastungen heute eines der häufigsten Gesundheitsprobleme darstellten und 2030 für die größte Krankheitslast weltweit verantwortlich sein würden. Der Überzeugung sind nicht nur die Betreiber von Anima Fitness, Studien bestätigen den Trend: Fast neun von zehn Deutschen fühlen sich von der Arbeit teilweise so stark gestresst, dass Warnzeichen für ein Burn-Out auftreten. Über die Hälfte der Arbeitnehmer leidet zumindest hin und wieder unter Symptomen wie Rückenschmerzen, innerer Anspannung oder Schlafstörungen, ergab eine Umfrage der Krankenversicherung „Pronova BKK“ im April 2018. In Österreich fühlen sich 30-40 Prozent gestresst und knapp vor dem Burn-Out. Gleichzeitig kennen nur 33 Prozent professionelle Angebote für mentale Unterstützung, wie eine Untersuchung im Auftrag von Anima Mentis ergab, jeder Zweite hält aktuelle Angebote nicht für ausreichend. Mit dem Wiener Flagship-Center ist das österreichische Unternehmen im Oktober 2018 angetreten, diese Lücke zu füllen.

          Aktivierung oder Entspannung?

          „Das Ziel: dass jede Kundin und jeder Kunde seine persönliche Seelenfitness nachhaltig verbessern kann“, so wird Center-Managerin Richter auf der Website zitiert. „Bei uns können unsere Kunden die eigenen Ressourcen entdecken und lernen, die Herausforderungen des Alltags gut zu bewältigen“, ergänzt die Betriebswirtin und beeidete Wirtschaftsprüferin im Gespräch. „Wichtig ist, dass individuell geschaut wird, was der Mensch braucht.“ Um eben das festzustellen, steht am Anfang jedes Abos – egal, ob Monats- oder Jahrespaket – ein mentaler Fitnesscheck durch die Psychologen des Centers. Das Gespräch erhebt den Ist- und Sollzustand, dann wird im Rahmen des Abos ein Seelentrainingsplan erstellt. „Die prinzipielle Frage lautet: Braucht der Kunde Aktivierung oder Entspannung“, erklärt Richter die beiden Richtungen des Programms. Alle vier Wochen wird der Fitnesscheck wiederholt und der Anwendungsplan angepasst. Langweilig soll es Kunden dabei nicht werden.

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