https://www.faz.net/-hrx-8mewh

Beauty-Produkte in Hotels : Die nimmt jeder gerne mit

  • -Aktualisiert am

Das Hotel „Stue“ in Berlin bietet seinen Gästen ausschließlich Pflegeprodukte der Marke Etro an. Bild: Jens Gyarmaty

Um Jetsetter anzuziehen, setzen immer mehr Hotels auf ein stimmiges Gesamtkonzept. Besonders bei den Beauty-Produkten im Bad darf es gern etwas Besonderes sein.

          5 Min.

          Nach einem langen Flug oder einem anstrengenden Tag im Job entspannt Lena Hardt am liebsten in der Wanne. Ein warmes, duftendes, schaumiges Vollbad – viel mehr Luxus muss es für eines der gerade erfolgreichsten deutschen Models gar nicht sein. „Dafür aber so oft es geht“, sagt die gebürtige Kölnerin, die zwischen Paris und New York lebt.

          Immerhin jettet Hardt, die für Luxusmarken wie Chanel, Dior oder Céline arbeitet und jüngst auch im F.A.Z.-Magazin zu sehen war, pausenlos durch die Welt. Durchschnittlich vier Monate im Jahr schläft Hardt nicht daheim. Wer so viel reist, möchte sich überall auf der Welt ein bisschen wie zu Hause fühlen und seine Alltagsrituale wie in den eigenen vier Wänden ausleben. Und sei es ein Vollbad am Abend.

          Gesamtkonzept statt Sterne

          Für eine wachsende Zahl mobiler Großstädter werden Hotels deshalb zunehmend zum home away from home – zur Heimat in der Ferne. Darum erfreuen sich sogenannte Boutique-Hotels immer größerer Beliebtheit: meist kleinere, privat geführte Etablissements fernab standardisierter Hotelkettenklötze, die besonderes Augenmerk auf internationale Küche und originelles Design legen.

          Gerade der Vielreisende bemisst die Qualität eines Hotels kaum mehr an der Anzahl der Sterne, sondern am Gesamtkonzept des Hotels. Neben einem individuelleren Upgrade in Sachen Schlaf-, Wohn- und Küchenkomfort wird auch der Badbereich immer wichtiger. Beauty-Produkte aus dem Hotelgroßhandelsbedarf – Flakons unbekannter Marken mit oft fragwürdigem Inhalt – sind da schon mal eine schlechte Kritik wert.

          Schnelles Punkten mit Beautyprodukten

          Das sieht auch Lena Hardt so. Besonders, sagt sie, freue sie sich, wenn sie in einem Hotel landet, das Aesop führt. Die australische Marke, deren Fläschchen an Apothekerflakons erinnern und deren Schönmacher so intensiv duften, als zöge man sich ätherische Öle direkt durch die Nase, nutzt Hardt gelegentlich auch privat. Findet sie solche Produkte im Hotelzimmerbad, fühlt sie sich gleich wie zu Hause. Das Gefühl von Heimat steckt in der Geborgenheit vertrauter Dinge.

          Beautyprodukte sind vergleichsweise klein und günstig in der Anschaffung. Mit ihnen können findige Hoteliers schnell punkten. In den Vereinigten Staaten weiß man das schon länger. Dort begannen unabhängige Hotels wie das „W“ in New York vor Jahren damit, sich auch über die Wahl der Beautyprodukte von Bliss bis Molton Brown abzusetzen.

          Zusammenarbeit zwischen Aesop und „Speicher 7“

          Im „Speicher 7“, einem kleinen 20-Zimmer-Hotel in Mannheim, würde sich Lena Hardt auch wohl fühlen. Für die Betreiber Jürgen Tekath und Thorsten Kraft stand fest, dass ihnen keine andere Marke als Aesop ins Haus kommt. Im „Speicher 7“ erzählen Barhocker aus Ungarn, Steinwaschbecken aus den Ardennen oder Betten aus Indien klangvolle Reiseberichte vor dem Hintergrund moderner grauer Betonwände.

          Vollgepackt wie in einer Wunderkammer ist hier dennoch nichts, eher reduziert wie in einem Loft. „Aesop ist ein schlichtes Produkt, das in unseren schlichten Bädern eine Strahlkraft hat“, findet Tekath. Aesop und „Speicher 7“, das sei in seinen Augen das, was man neuerdings ein match nennt: Es passe einfach.

          Klingt nach einer modernen Beziehung? Ist auch eine. Beide Parteien entscheiden erst nach genauer Prüfung aller Faktoren, ob es zu einer stabilen Liaison kommen kann. Auf ein gewisses Maß an Exklusivität wird geachtet. Aesop verhält sich beinahe monogam. Neben „Speicher7“ gibt es deren Produkte zumindest in Deutschland nur noch im „Vilhelm 7“- Hotel in Berlin. Die Gesandten der australischen Marke scheinen bei der Zahl 7 schwach zu werden. Hat sie eine besonders wohlgestaltete Form? Jedenfalls war die Pariser Aesop-Delegation, die tatsächlich in Mannheim eintrudelte, um sich Krafts und Tekaths Laden vor der Zusage mal anzuschauen, schnell überzeugt.

          Sechs Euro pro Zimmerbelegung

          Mitnichten hätten Tekath und Kraft die wohlgestalteten Flaschen zum Hotelierspreis einfach in ihre Zimmer stellen können. Zum Vergleich: Wer Aesop-Shampoo, -Spülung, -Duschgel und -Bodylotion als praktische 50-Milliliter-Reisegröße erwerben will (also jene Größe, die auch in Hotels geführt wird), zahlt für das sogenannte „Jet Set Kit“ im Handel stolze 33 Euro.

          Den genauen Aesop-Einkaufspreis möchte Tekath nicht verraten. Circa sechs Euro kämen pro Zimmerbelegung zustande, allerdings für alle Schönheits-Annehmlichkeiten inklusive Kosmetiktüchern und Wattepads. Eine durchschnittliche Vier-Sterne-Kette macht dafür selten mehr als einen Euro locker. Im „Speicher 7“ greift man gerne sechsmal so tief in die Tasche.

          Chance für Beauty-Marken

          Finanziell bringt der Luxus beiden Seiten wenig. Die Präsenz der Marke in Hotels sei in erster Linie kein Business, sagt auch Thomas Buisson, Aesops Europa-Manager. Es gehe vielmehr um die Positionierung: „Aesop kann in Luxushotels genauso wie in simplen Bed & Breakfasts funktionieren.“ Für die Marke sei es eine phantastische Chance, Kunden in Kontakt mit Produkten zu bringen: „Shampoos oder Seifen auch im Badezimmer anzuwenden ist eine intensivere Erfahrung als im Shop.“ So bindet man nicht nur Kunden, sondern gewinnt neue dazu.

          Andreas Dümmig als Gründer des Vertriebshauses Puro Hotelkosmetik ist ein professioneller Kuppler, wenn es um Hotels und Marken geht. Er weiß: „Oft steht zwar eine bestimmte Marke auf einem Produkt drauf – ist aber nicht unbedingt drin.“ Für seine Kunden sucht er nach Marken, die man nicht schon in hundert anderen Läden gesehen hat. Die Produktion der Hotel-Beauty wird hingegen meist Herstellern anvertraut, die sich auf diese Branche spezialisiert haben. Das verspricht nicht zwangsläufig schlechte Produkte. Oft wird aber mit günstigen Inhaltsstoffen gearbeitet, um die Preise niedrig zu halten.

          Etro exklusiv im „Stue“

          Dümming schwärmt deshalb von Konzepten wie dem „Stue“ in Berlin. Das 2012 eröffnete Domizil direkt am Tiergarten ist wie „Speicher 7“ ein Hotel für Individualreisende mit gehobenen Ansprüchen. „Stue“ ist dänisch und heißt Wohnzimmer. Bei gedämpftem Licht, gemütlichen Sitzecken und einem liebevoll ausgesuchten Mobiliar im Prachtbau der ehemaligen dänischen Botschaft fällt es nicht schwer, sich wohl zu fühlen.

          Dümmig hatte seine Finger mit im Spiel. Sein neuester Coup: die Vermählung des „Stue“ mit dem italienischen Traditionsmodehaus Etro. „Für das Hotel wurde der Etro-Duft ,Jacquard‘ umgearbeitet, den es bislang noch nicht in Form von Pflegeprodukten gab. Diese Linie gibt es ab sofort exklusiv im ,Stue‘. Auf allen Tuben ist auch das Hotel-Logo zu sehen“, sagt Dümming. „Feine Produkte, die es in nur einem Hotel gibt, exklusiver geht es ja kaum. Da nimmt man sich ein angebrochenes Tübchen hinterher immer gerne mit nach Hause, als Erinnerung an die Reise.“

          Pflegeprodukte der Marke Etro

          Nicht nur an dieses Beauty-Erlebnis wird sich der „Stue“-Gast gern erinnern: Im Souterrain lockt der Spa-Bereich der österreichischen Naturkosmetikmarke Susanne Kaufmann. „Ein Spa an ein Hotel anzuschließen macht Sinn“, sagt Spa-Managerin Anne-Kathrin Schmidt. „Viele Kunden im Wellness-Bereich buchen Hotels, weil sie eine Auszeit suchen. Menschen haben in Hotels Zeit, die sie bewusster verbringen wollen. Zeit bedeutet auch, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und sich um sich zu kümmern.“

          Ansprechende Wellness-Angebote zu schaffen ist für Hotels in einem zunehmend stressigen Alltag mit Menschen, die immer on sind, mitentscheidend. Laut einer Studie des amerikanischen Forschungsinstituts SRI International wächst der globale Wellnessmarkt jährlich um 11,2 Prozent. In Europa sind bereits zwei von fünf Reisen Wellnessreisen. Die Deutschen scheinen besonders gestresst zu sein: Im Europavergleich sind sie in Sachen Wellnessreisen die Spitzenreiter, gefolgt von Frankreich und Österreich.

          Mit dem Hotel „Post“ in Bezau (Vorarlberg) führt Susanne Kaufmann, mit deren Produkten das Spa vom „Stue“ arbeitet, ein eigenes Wellness-Hotel. Von dort, aus der alpinen Pflanzenwelt des Bregenzerwaldes, kommen auch die natürlichen Inhaltsstoffe für ihre Kosmetik. In einem eigenen Hotel könne man Produkte und Leistungen deutlich besser kontrollieren, aber auch das Hotel-Image besser steuern, erzählt Kaufmann.

          Hotels mit eigener Pflegelinie und Mode

          Zu den ersten Hotels und Hotelketten mit eigener Beauty-Linie gehörte das „Soho House“, das Memberclub-Konzepthotel mit Standorten von New York bis Berlin, das seine hauseigene Kosmetiklinie Cowshed vor mehr als einem Jahrzehnt lancierte. Cowshed hat sich mittlerweile als eigenständige Marke etabliert, die es vielerorts zu kaufen gibt. Und jüngst hat auch die Luxushotelgruppe Rocco Forte, zu der die „Villa Kennedy“ in Frankfurt oder das „Hotel de Rome“ in Berlin gehören, eine Pflegelinie lanciert: Forte Organics, produziert von Effegilab.

          „So kreiert man etwas, das zur Marke Rocco Forte passt“, erklärt Irene Forte, Managerin der Gruppe. „Im Umgang mit ihrem Körper werden Menschen zunehmend bewusster, innerlich wie äußerlich.“ Also verwenden sie auch hier nur regionale Produkte aus dem eigenen Garten des sizilianischen Resorts Verdura.

          In ihren Hotels treibt man es mit der Ganzheitlichkeit auf die Spitze: Ihre Spa- und Gesundheitsangebote umfassen nicht nur Hautpflege, körperliche Ertüchtigung und Ernährung, sondern auch Kleidung. Mit Back Label für Rocco Forte Fitness wurde eine Bekleidungslinie geschaffen. Hotels, die jetzt auch Mode machen? Vielleicht ein vollkommen neuer Trend.

          Weitere Themen

          Die besten Köche und Winzer

          Unsere Lieblinge 2019 : Die besten Köche und Winzer

          Was von der Tafel übrig bleibt: Unser Restaurantkritiker und unser Weinkolumnist ziehen Bilanz. Welche Köche und welche Winzer verdienen dieses Jahr besonderes Lob?

          Pirelli-Kalender von „Romeo und Julia“ inspiriert Video-Seite öffnen

          Vorstellung in Verona : Pirelli-Kalender von „Romeo und Julia“ inspiriert

          Der italienische Modefotograf Paolo Roversi hat unter dem Motto "Looking for Juliet" Stars für den berühmten Kalender des Reifenherstellers abgelichtet. Nun präsentierte nun stolz das Ergebnis, bei dem unter anderem seine Tochter Stella mitwirkte.

          Wie in Cocos Wohnung

          Chanel-Show in Paris : Wie in Cocos Wohnung

          Für die Metiers d’Art Show von Chanel trafen sich Lily-Rose Depp und Penelope Cruz in der Wohnung von Coco. Modeschöpferin Virginie Viard verbeugte sich mit ihrer Schau im Pariser Grand Palais vor der Tradition des Hauses.

          Topmeldungen

          Nancy Pelosi am Donnerstag im Capitol in Washington.

          Impeachment-Verfahren : Nancy Pelosi: Donald Trump muss angeklagt werden

          Nancy Pelosi hat als „Sprecherin“ des Repräsentantenhauses angekündigt, dass in der Ukraine-Affäre nun Anklagepunkte gegen Amerikas Präsidenten entworfen werden sollen. Diese sind Voraussetzung für den nächsten Schritt im Impeachment-Verfahren gegen Trump.
          „Man schielt mit begierigem Auge danach, Bürger überwachen zu können", meint Diana Nocker.

          Ist 5G gefährlich? : Bürger, die sich fürchten

          Der neue Funkstandard 5G soll Deutschland in die Zukunft führen. Viele fühlen sich jedoch bedroht und haben Angst. Entsteht eine neue Protestbewegung? Zu Besuch bei besorgten Menschen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.