https://www.faz.net/-hrx-7l08x

BarCamps : Lernen, plaudern, gutes Chili essen

  • -Aktualisiert am
... bekommt das Getränk kostenlos

Eine Bahn-Session? „Genau das macht es spannend“, sagt Tom, der Werber. Er und Norbert, 36, organisieren das BarCamp schon im fünften Jahr. Norberts Schal ist weniger stylish, aber er hat auch eine Web- und keine Werbeagentur. „Themen wie Bahn oder Hula sind super zwischen den ganzen Techies und Nerds.“

Regel 7: Sessions dauern so lang, wie sie müssen oder bis der Raum neu belegt ist.

Während die Leute auf normalen Konferenzen schon zehn Minuten vor Schluss auf die Uhr schielen, müssen BarCamper oft von den nachfolgenden Rednern aus dem Raum geschmissen werden. Trocken sind diese Diskussionen wirklich nicht. Auch hier in der Runde „From Dev to CTO“ ist noch nicht alles gesagt. Tobias hält die Session. Er hat früher selbst Codezeilen getippt, jetzt lässt er programmieren. Er ist Chef, mit 31. In der Runde ging es darum, wie man Mitarbeiter führt. Tobias springt vor der Tafel herum, ihm gegenüber eine Armada aus immer noch verschränkten Armen, die auf den voluminösen Bäuchen von Männern Mitte 40 ruhen.

Hier ist es. Das Publikum, das man sich auf BarCamps vorstellt. Das Konzept kommt schließlich aus der Branche der Nerds und Netzmenschen. Zuerst gab es die FooCamps. „Foo“ stand für „Friends of (Tim) O’Reilly“, der schon 2005 eine große Nummer im Silicon Valley war. Er lud einen exklusiven Kreis ein, der ohne Zeit- und Themenzwang Ideen entwickeln sollte. Als ein Teilnehmer keine Einladung mehr erhielt, gründete er seine eigene Konferenz. „Foo“ bezeichnet in Programmiersprachen einen Platzhalter, „Bar“ tut das auch. Ein Entwickler-Witz.

Mit dem Bartwuchs der Männer kann Tobias nicht mithalten, trotzdem redet er auf Augenhöhe. Und das beschreibt vielleicht am besten den Spirit, den es auf BarCamps geben soll. Es gibt keine Hierarchien, die eingehalten werden müssen. Alle wollen gleich viel Wissen weitergeben wie mitnehmen.

Regel 8: Wenn das dein erstes BarCamp ist, musst du eine Session halten.

Es ist gut, dass viele die Regeln noch nicht kennen, wenn sie erstmals auf ein BarCamp gehen – die letzte schreckt ein bisschen ab. Richtig ernst nimmt sie aber doch keiner. Für Manuela, 53, ist es zum Beispiel nicht das erste BarCamp, aber ihre erste Session. Sie hat sich die Schuhe aus- und einen rot-gelben Rock angezogen, sich eine Plastikblume ins Haar gesteckt. „Aloha zusammen!“ Endlich. Die Hawaii-Session. Auf den Klappstühlen des Hörsaals sitzen versprengt ein paar Männer, dafür anscheinend alle Frauen, die in Dieburg sind. In der Mitte: Ute. Jeans, Blazer, Hornbrille, selbständig in der Social-Media-Beratung. Ihr siebtes BarCamp sei das. „Super als berufliche Fortbildung!“

Hawaii-Frank, 52, erzählt, dass die Hawaiianer einen originalen und einen modernen Hula haben. Seit sechs Jahren geht er zu BarCamps. Er weiß: „Eigentlich funktioniert jedes Thema, solange man davon erzählt, worin man selbst gut ist.“ Er und Manuela waren schon oft auf Hawaii, jetzt wird sie „Die Seele der Blume“ tanzen.

Frank drückt auf Play, aus dem Kassettenrekorder dudelt Musik im Stil von „Over the Rainbow“. Ein, zwei, drei Takte, dann wiegen Manuelas Hüften, ihre Arme. Sie verschränkt sie zu immer neuen Gebilden. Beide Hände über dem Kopf: ein Haus. Ein Arm waagerecht abgewinkelt, wogende Hand: das Meer. Ellenbogen auf die flache Hand, hoch in die Luft gereckt: eine Palme.

Während Manuela zu den letzten Tönen die Hände faltet, drückt @ddirkinho bei Twitter auf „senden“: „Wenn jemand ein Beispiel für Authentizität sucht, besuche er bitte die #Hula Session im Raum Rhein-Main. #BCRM13.“

Weitere Themen

Ein Einblick in die Berliner Clubszene Video-Seite öffnen

„Wie eine Droge“ : Ein Einblick in die Berliner Clubszene

Freiraum und Kreativität sind Berlins Markenzeichen. Das zieht Künstler, Musiker und Clubpublikum aus der ganzen Welt an. Doch die Szene ist im Wandel. Der angesagte Club Griessmuehle und Techno-DJ DVS1 versuchen, die Clubkultur zu retten.

Die großen Drei des Triathlons

Ironman Hawaii : Die großen Drei des Triathlons

Lange, Frodeno, Kienle? Der Ironman auf Hawaii verspricht jede Menge Klasse und Drama. Es dürfte ein ein Poker in brütender Hitze werden – zwischen völlig verschiedenen Athleten und Charakteren.

Topmeldungen

Zögern in Wolfsburg: VW dürfte doch kein neues Werk in der Türkei bauen.

F.A.Z. exklusiv : Bulgarien lockt VW mit mehr Geld

Wegen der türkischen Offensive in Syrien legt VW Pläne für ein Werk nahe der Metropole Izmir auf Eis. Nun hofft Sofia, doch noch das Rennen um die begehrte Milliardeninvestition zu machen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.