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BarCamps : Lernen, plaudern, gutes Chili essen

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Jeder, der hier ist, ist auch bei Twitter. BarCamper kommunizieren über Twitter. Sie schreiben sich vorher, wer wann wohin kommt. Sie schreiben währenddessen, wie die Veranstaltung ist. Sie schreiben danach eine Rückschau in ihre Blogs. @tmmd erzählt etwas von Google Plus, der sozialen Plattform, die doch nicht tot sein soll, und Fehlern bei Online-Shops. Zweieinhalb Sätze, „wen interessierts?“

Regel 3: Wenn du eine Session halten willst, musst du das Thema und deinen Namen auf den Sessionplan schreiben.

Die entscheidende Sekunde. Gehen jetzt keine Hände hoch, ist das Thema abgelehnt. Es wird keinen Platz auf dem Stundenplan bekommen. Niederschmetternd. Kann passieren. Aber im Publikum sitzen Menschen, die einen Online-Shop betreiben oder zumindest wissen, wie sie einen Warenkorb programmieren müssten. Die „Session“ ist angenommen.

Regel 4: Es gibt nur Drei-Wort-Vorstellungen.

BarCamper sollen sich kennenlernen, Kontakte knüpfen. Dafür ist das ganze BarCamp über Zeit, vor allem aber morgens und abends. Normalerweise erzählt jeder in der ersten Runde am Tag drei Worte über sich, in Dieburg stehen sie stattdessen auf die Brust gedruckt. Die Schilder gab’s bei der Anmeldung, natürlich funktionierte die digital: Das Smartphone der Orga-Crew scannte den QR-Code auf dem Smartphone des Teilnehmers, drahtlos setzte sich ein Drucker in Bewegung und spuckte die Namensschilder aus.

Nächstbester Kontaktzeitpunkt: die obligatorische Party. In Dieburg werden die BarCamper am Abend für ihr Bier mit einem Tweet bezahlen und sich angeregt unterhalten, um ja nicht tanzen zu müssen. Die Kombination aus Stehen, Trinken und Reden scheint kreativitätsfördernd – zumindest heißt es, die besten Sessions entstünden immer auf der Party.

Regel 5: Es gibt so viele Sessions wie Orte dafür.

Die hörsaallange Reihe an Rednern hat jetzt ein Programm gebastelt. Sieben Räume, sechs Plätze auf dem Stundenplan, macht 42 Sessions, alle sind voll. Der Schwarm verteilt sich über die Hochschule.

In einem Workshop beim BarCamp wird der Hula-Tanz vorgeführt

Zu Ingo strömen rund zwanzig. Zwei Quadrocopter stehen auf dem Pult, seine Ankündigung, sie fliegen zu lassen, klang nach Action. Erst mal will Ingo aber etwas erzählen über diese Hubschrauber, die manche Drohnen nennen und er „Biester“. Ingo, 46, rotes Hemd, keine Karos, aber Vollbart, hat eine Powerpoint-Präsentation vorbereitet. Mit Karten zu Flugverbotszonen und Zahlen. In seinem Job beschäftigt er sich mit Change Management, Quadrocopter sind nur Hobby. „Mich hat bei Twitter jemand gefragt, ob ich nicht etwas darüber erzählen kann“, sagt Ingo. Wissen zu teilen sei schließlich die Intention von BarCamps. Als seine Hand die Fernsteuerung berührt, sausen Handys und Tablets hoch. Wie sich der Quadrocopter in der Luft hält, kann Sekunden später die ganze Welt bei Twitter sehen.

Es kann aber auch Fluch sein, dass nicht im Raum bleibt, was im Raum passiert. „Bei Twitter bekommt man auch sein Fett weg, wenn die Session nicht läuft“, erzählt Ingo. Was ihn an BarCamps fasziniert? „Auf klassischen Konferenzen zahle ich Geld für aalglattes Marketing. Neues hört man selten.“ Zu BarCamps trage jeder sein Wissen bei und diskutiere es – heraus kommen Innovationen.

Regel 6: Keine vorher festgelegten Sessions, keine Touristen.

Auch so ein BarCamp-Motto: Berieseln lassen ist nicht. Jeder hilft mit, sei es beim Aufbau oder in der Diskussion. Deshalb sind Marko, Malte und Quadrocopter-Ingo auch nicht die Einzigen, die jetzt Tipps zum Bahnfahren geben, obwohl sie die Session halten. Im Raum „Darmstadt“ gibt es trotz Mehrfachsteckern auf jedem Gruppentisch keine freien Steckplätze mehr. Es ist Nachmittag, die iPhone-Akkus wollen Saft und ihre Besitzer Insider-Tipps. „Im Wagen zwischen Bistro und erster Klasse gibt’s freie Plätze, da reserviert der Algorithmus oft nicht.“ Die drei klingen, als würden sie in Zügen wohnen. Unter ihren Zuhörern sitzen auch Menschen in roten Jacken mit „DB“-Logo darauf. Sie verraten in der Diskussion, dass für die Reservierungen immer noch jemand am Bahnhof mit einer Diskette zum Zugführer läuft.

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