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Ayurveda : Eine alte Heilkunst für den modernen Softie

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Hinter einigen großen Anbietern von Kuren in Deutschland stehen Anhänger des im Jahr 2008 verstorbenen indischen Gurus Maharishi Mahesh Yogi, zu dessen Fans Stars wie die Beatles oder David Lynch gehörten. Die Maharishi-Organisation, der in der Vergangenheit immer wieder sektenähnliche Tendenzen vorgeworfen wurden, propagiert die sogenannte transzendentale Meditation, die man mit kostspieligen Kursen erlernen kann. Für ihre Recherchen hat Bärbel Schwertfeger vor einigen Jahren auch Kuren diverser Anbieter gemacht. „Ayurveda diente in einer Maharishi-Klinik vor allem dazu, die Teilnehmer zur transzendentalen Meditation und damit zur Zahlung eines hohen Betrags für ein angeblich persönliches Mantra zu bewegen“, sagt sie.

Zwar kann man Ayurveda durch eine typgerechte Tagesroutine und Ernährung, Selbstmassagen mit Öl, regelmäßige Bewegung und Yoga auch selbst im Alltag umsetzen. Die wichtigste und größte Reinigungskur im Ayurveda namens Panchakarma wird aber fast immer stationär durchgeführt. Mit steigender Zahl bieten deutsche Kliniken und Hotels diese Reinigungskur an. Die Behandlungen sind zwar teurer als in Asien. Europäische Anbieter werben aber damit, dass bei einer Kur hierzulande der lange Flug und der mögliche Jetlag entfällt sowie gewohnte hygienische und klimatische Bedingungen herrschen.

In Indien dauern Panchakarma-Kuren mindestens drei Wochen. Eine Behandlung sollte aber auch in Deutschland über zwei Wochen gehen. Ob hier oder dort - eine Ayurveda-Kur ist kein softer Wellnessurlaub. Panchakarma bedeutet frei übersetzt „5 Handlungen“: Abführen, Einläufe, Nasenreinigung, Erbrechen und Aderlass, wobei Letztere hierzulande selten angewandt werden. Ziel der Therapie ist es, „Stoffwechselschlacken“ und Giftstoffe im Körper durch innere und äußere Ölbehandlungen zunächst zu mobilisieren, dann auszuleiten. Hauptpfeiler der Therapie ist eine individuelle Ernährung. Im Ayurveda gibt es keine Verbote, auch Alkohol oder Fleisch sind nicht tabu. Eckhard Fischer ist Chefkoch des „Parkschlösschens“ und beschäftigt sich seit den achtziger Jahren mit ayurvedischer Ernährung.

Er sagt: Es gibt viele Vorurteile und Fehlinformationen. „Das, was in der Öffentlichkeit ankommt, ist das Prinzip: Ayurvedische Küche ist vegetarisch oder sogar vegan. Dabei stimmt das gar nicht.“ Zwar kocht auch er für seine Gäste ausschließlich vegetarisch. Das liege aber nur daran, dass dies während einer zeitlich begrenzten Panchakarma-Kur wichtig sei, welche die meisten Hotelgäste gebucht haben: „Sonst kann man guten Gewissens auch Rinderbraten essen.“ Übertreiben sollte man es damit aber nicht - zumindest nicht direkt nach einer Kur. In den meisten Hotels bekommt jeder Gast von seinem Ayurveda-Arzt Empfehlungen für Lebensstil und Ernährung mit nach Hause. „Die muss man dann natürlich auch umsetzen“, sagt Mediziner Bigus. Das Ziel des Ayurveda ist es, den Patienten das Wissen in die Hand zu geben, mit dem sie ihre Gesundheit stabilisieren können:

„Wie ein Gips, den man am Ende der Behandlung abmacht. Da kann man auch nicht gleich von null auf hundert.“ Bigus erinnert sich an einen Gast, um die 70 Jahre, der sich nach dem Aufenthalt im Ayurveda-Hotel so gut fühlte, dass er gleich den Hunsrück hochgewandert sei und zur Belohnung im Gasthof eine Schweinshaxe gegessen habe. Kurz darauf musste er mit dem Notarzt ins Krankenhaus eingeliefert werden. Diagnose: Herzinfarkt. Ohne Eigeninitiative geht auch im Ayurveda nichts. Wer sich dafür entscheidet, muss beachten: Es ist keine Akutbehandlung, keine Wunderheilung, sondern eine Lebenseinstellung.

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