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Ko-Gründer der App Headspace : „Meditation ist nicht Nichtstun“

Andy Puddicombe, Ko-Gründer von Headspace Bild: Headspace

Meditation soll uns aus unserem Alltag locken und zur Ruhe bringen – dass ausgerechnet eine App dabei helfen soll, klingt verwunderlich. Und doch hat ein Engländer, der als Mönch in Tibet lebte, großen Erfolg damit.

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          Innerhalb von zehn Jahren hat Headspace mehr als 40 Millionen Menschen zum Meditieren gebracht, vor allem über eine App. Eine Million User zählt das Unternehmen in Deutschland. Die Stimme von Headspace ist die von Andy Puddicombe, und sie ist weltbekannt. Puddicombe, strahlendes Lächeln, dunkelblaue Chino, Jeanshemd und graues Jersey-Jackett, ist an diesem Tag nach Berlin gekommen, zum Start einer deutschsprachigen Version der App. Wer seine Stimme im Ohr gewohnt ist und dann mit ihm live spricht, fühlt sich schnell so, als wäre der Kopf gerade im Spa. Selbst wenn es im Interview um Wachstumszahlen geht. Das gehe vielen so, sagt er.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sie haben 2009 mit Headspace angefangen. Wie viel wussten die Menschen damals über Meditation?

          So gut wie gar nichts. Wir waren fast zu früh dran, zu Beginn war das eine große Herausforderung. Einzelpersonen haben es schnell begriffen, aber sich an große Firmen zu wenden und sie davon zu überzeugen, dass Headspace den Mitarbeitern bei der Arbeit hilft, war schwierig.

          Damals wurde Meditation gleichgesetzt mit Nichtstun?

          Ja, es wird oft mit Entspannung verglichen, dabei gibt es da große Unterschiede. Es ist nicht Nichtstun. Das Thema ist heute sozial besser akzeptiert. Wichtig war, dass wir nicht sofort mit einer App angefangen haben. Richard Pierson, unser Mit-Gründer, wollte das, aber ich hielt eine App für eine blöde Idee. So haben wir erst mal zwei Jahre lang in einer Praxis in London gearbeitet, was wichtig war. An meinen Klienten konnte ich ausprobieren, was funktioniert und was nicht, und das steckt heute in der App. Zu viel Meditation hat nicht funktioniert, manche sind eingeschlafen. Es ging darum, ihnen zunächst zehn Minuten zu geben und darauf dann langsam aufzubauen.

          Headspace auf dem Tablet: „Es wird oft mit Entspannung verglichen, dabei gibt es da große Unterschiede.“

          Im Alter von elf Jahren saßen Sie zum ersten Mal in einer Meditations-Stunde. Ihre Mutter hatte Sie mitgenommen.

          Meine Eltern hatten sich kurz zuvor scheiden lassen, meine Mutter war gestresst, mit zwei Jobs und zwei Kindern. Meditation hat ihr geholfen, und ich war zufällig dabei.

          Was ist Ihnen bei dieser ersten Meditation durch den Kopfgegangen?

          Ich weiß noch, dass mein Bewusstsein in dem Moment total frei von Gedanken war. Das wurde mir da zum ersten Mal klar, das war ein Schock. Ich beobachte das noch heute, wenn ich mit Kindern zusammenarbeite, sie tragen noch nicht das Gepäck eines langen Lebens mit sich herum. Sie haben ganz wenig Erwartungen, und bei Meditation hilft das. Als Kind setzt man sich einfach hin. Dieses allererste Mal war eine sehr angenehme Erfahrung.

          Als junger Mann zogen Sie dann nach Tibet, um Mönch zu werden. Gab es dafür einen bestimmten Grund?

          Ich habe damals in Großbritannien Sportwissenschaften studiert. Alles, womit ich zu tun hatte, war körperlich. Dann gab es diesen Moment, in dem ich erkannte, dass ich mich so sehr um meine physische Gesundheit kümmerte und zugleich gar nicht glücklich war. Es kam dann noch mehr hinzu: Ich war in einen Autounfall involviert, bei dem einige meiner Freunde gestorben sind, zur selben Zeit ist auch meine Stiefschwester gestorben. Ich hatte dafür keine Bewältigungsstrategien, das hat vermutlich niemand. Ich brauchte ein Umfeld, in dem ich mit meinem Bewusstsein Frieden schließen konnte. So kam ich nach Tibet und wurde Mönch. Das war 1994, damals war ich 22. Zehn Jahre war ich weg. Nach einer Weile im tibetischen Kloster schickte man mich nach Moskau, um dort in einem Meditationszentrum zu unterrichten.

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