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Verboten schön: Zusammen sicherten Audrey Hepburn und Hubert de Givenchy Ende der fünfziger Jahre den Erfolg von L’Interdit. Bild: Hersteller

Historische Parfums : Duft von damals

Manche Düfte verfliegen mit der Zeit einfach und werden nach einigen Jahren Produktion eingestellt. In den letzten Jahren werden jedoch immer öfter alte Parfums wieder neu aufgelegt.

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          Der Reiz des Verbotenen ist ein gutes Thema. Mit einem Verbot – oder besser: mit dem, was das auf Französisch bedeutet – konnte Givenchy schon Mitte des 20. Jahrhunderts Parfums verkaufen, mit L'Interdit nämlich. Chanel hatte No.5, Lanvin Arpège, für Givenchy war L'Interdit das erste und lange das wichtigste Parfum des Hauses. So wie das im Geschäft mit Schönheit üblich ist, verflog der Duft irgendwann: L'Interdit wurde eingestellt. Nun hat man es wieder herausgebracht.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Und das passiert immer häufiger. So wie auch in der Mode alte Häuser entstaubt werden und unter neuer kreativer und wirtschaftlicher Führung im Hier und Heute Bedeutung haben sollen, so wie im Design Klassiker neu aufgelegt werden – so bedient sich auch die Beautybranche an ihrem Erbe. Und manchmal sogar an dem Vermächtnis, das eigentlich jemand anderem gehört: Joy zum Beispiel ist ein legendärer Duft von Jean Patou, den es sogar noch zu kaufen gibt – Dior hat seit diesem Herbst trotzdem ein Parfum mit demselben Namen. Sicherheitshalber hat man es „JOY by Dior“ genannt.

          Das Remake: Der alte Duft L’Interdit von Givenchy wurde jetzt neu aufgelegt.

          „Beides, Joy und L'Interdit, sind sehr gute Namen“, sagt der Parfümeur Dominique Ropion, der nicht für die Joy-Neueinführung verantwortlich ist. Die Namensgebung werde immer schwerer. „Vieles ist blockiert.“

          Wenn der Branche allmählich die Namen ausgehen, liegt das auch an den zahlreichen Neueinführungen in jedem Jahr. Dominique Ropion ist an vielen beteiligt. Sein Name ist nur Kennern bekannt, nach seiner Arbeit aber riechen Millionen Menschen, wenn sie zum Beispiel Euphoria von Calvin Klein auftragen, Armani Mania von Giorgio Armani, Very Irresistible von Givenchy, Trésor von Lancôme oder L'Homme von Yves Saint Laurent. Seit den achtziger Jahren entwirft er Düfte.

          Man trifft ihn an diesem Herbsttag bei seinem Arbeitgeber IFF, einem der größten Hersteller von Düften auf der Welt, in Neuilly, einem westlichen Vorort von Paris. An der Rezeption stehen Flaschen mit den Düften der Zukunft, auf seinem Schreibtisch zerlegen sie sich in ihre Substanzen. Wer nicht Parfümeur ist, könnte die Berge an Proben in kleinen Plastiktüten, die mit Hinweisen versehen sind, für Chaos halten. Dominique Ropion aber kann die vielen Proben einordnen.

          Süß und herb zugleich

          Die meisten Menschen brauchen eine Verpackung, einen Prominenten, das ganze Marketing-Tam-Tam, um das, was in der Flasche steckt, irgendwie zu fassen. Bei L'Interdit können sie sich nun an die Schauspielerin Rooney Mara halten, die so sehr an Audrey Hepburn erinnert, dass man sich in der Vergangenheit wähnt, bei der Freundschaft zwischen dem Hollywood-Star und dem Couturier Hubert de Givenchy, der den Duft zuerst nur für sie kreierte. Erst ein Jahr später, 1957, lancierte er ihn für ein größeres Publikum.

          Heute ist dieses Erbe ein schöner Anhaltspunkt, gemessen an den vielen neuen Düften, den Sommer- und Wintereditionen, den süßlichen oder herben Varianten, die es offenbar alle geben muss.

          Der Originalduft: L’Interdit von Givenchy.

          Dominique Ropion hatte in den achtziger Jahren seine Ausbildung in Grasse, der Stadt der Düfte, beendet und begann als Parfümeur in Paris. „Damals hatte man viele Marken, jetzt sind es nur noch wenige.“ Ropion spricht von L'Oréal, Estée Lauder, Coty, LVMH und Puig: „Das sind fünf. Früher waren es Hunderte.“ Diese fünf sind trotzdem für mehr neue Düfte pro Jahr verantwortlich als Hunderte einzelne Marken zuvor, die nun unter dem Schirm der Konzerne laufen. „Als ich 1984 mit der Arbeit an einem ersten Parfum für Givenchy begann, brauchte ich dafür zwei Jahre“, sagt Dominique Ropion. „Und in der Zeit habe ich nichts anderes gemacht.“

          Auch für L'Interdit brauchte Ropion zwei Jahre. Aber die vielen Proben auf seinem Schreibtisch erzählen trotzdem davon, dass in der Zeit noch ein bisschen mehr los war. Für L'Interdit hat er sich jetzt ein Bouquet aus Duftnoten vorgenommen, die nicht nur blumig sind. „Es muss auch ein bisschen wehtun. Orangenblüte hat diese zwei Seiten, süß und herb zugleich.“ Dazu Tuberose. „Düfte mit Tuberose sind gerade sehr erfolgreich. Und sie ist ebenfalls schön düster, deshalb habe ich sie verwendet.“

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          Mit der alten L'Interdit-Formel von damals hat die neue nichts zu tun. „Selbst wenn ich unter Parfümeuren herumfrage, werden sich nur die wenigsten daran erinnern, wie das alte L'Interdit gerochen hat“, sagt Ropion. Der Duft von damals ist also wirklich verflogen. Das Erbe will neuen Wohlgeruch verbreiten.

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