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25 Jahre „Friends“ : I’ll be there for you

Echte Freunde teilen – mit diesem Foto wurde die dritte Staffel „Friends“ beworben. Es ist auch auf dem T-Shirt unserer Autorin. Bild: Allstar/Warner Bros. Television

Vor 25 Jahren lief die erste Episode „Friends“. Unsere Autorin ist kaum älter als die Serie – und kennt trotzdem jede Folge. Warum ist die Sitcom zeitlos?

          3 Min.

          Mein Lieblings-T-Shirt zeigt drei Frauen und drei Männer. Sie stecken die Köpfe zusammen und trinken gemeinsam Milchshakes. Es sind die Hauptfiguren der amerikanischen Sitcom „Friends“. Wenn ich das T-Shirt trage, fragt mich fast immer jemand, der ein paar Jahre älter ist als ich: „Kennst du die Serie überhaupt?“

          Julia Anton

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Tatsächlich war ich am 22. September 1994, als die erste „Friends“-Episode lief, erst ein paar Wochen alt. Trotzdem habe ich jede der immerhin 236 Folgen mindestens drei Mal gesehen, Streamingdiensten wie Netflix sei Dank. Angeblich hat Netflix Ende vergangenen Jahres 100 Millionen Dollar an Warner Media gezahlt, um die Sendung auch in ihrem Jubiläumsjahr im Programm zu halten – in den Vorjahren sollen nur 30 Millionen Dollar pro Jahr fällig gewesen sein. Denn „Friends“ zählt auch nach 25 Jahren noch zu den beliebtesten Serien, auch unter Nutzern, die kaum älter sind als die Sitcom selbst.

          Zu fast jedem Problem, das man in den Zwanzigern so haben kann, scheint es eine passende „Friends“-Folge zu geben: unabhängig werden von Mama und Papa, Traumjob finden, Nachbarn, die sich über Ruhestörung beschweren, verliebt sein in die Freundin des besten Freundes, ungewollt schwanger werden. Die Freundesgruppe ist dabei die Ersatzfamilie.

          Der Satz „I’ll be there for you“ aus dem Intro ist ein Versprechen untereinander – und an die Zuschauer. Als ich jedes Wochenende alleine während des Auslandssemesters in meiner Wohngemeinschaft hockte, weil meine italienischen Mitbewohner immer zu mamma fuhren, saßen stattdessen die „Friends“ mit mir beim Frühstück am Küchentisch. Auch wenn nachfolgende Serien wie „How I met your mother“ das Motiv aufgriffen – sie reichen beim besten Willen nicht an das Original heran, auch wenn sie bei den sechs Freunden abgeguckt haben.

          Ross, Phoebe, Monica und Chandler treffen sich im Central Perk – mit Ausnahme von einer Folge ist das orangene Sofa immer für sie frei. Bilderstrecke

          Wie zeitgemäß ist die Serie noch?

          „Friends“ kommt ohne Intrigen und den übertriebenen Luxus von „Sex and the City“ oder „Gossip Girl“ aus. Die Serie rief keinen Hype um Handtaschen oder Schuhe hervor, sondern um den Haarschnitt von Rachel (Jennifer Aniston). Manche ihrer Frisuren finde ich heute noch ziemlich gut.

          Beeindruckend ist auch die Entwicklung der Figuren. In der ersten Folge taucht Rachel als verwöhntes Gör im Brautkleid bei den Freunden auf, die nicht mal weiß, wie sie ihre Wäsche waschen muss. Am Ende von Staffel zehn ist sie eine selbständige Frau, die ein Jobangebot von Louis Vuitton in Paris bekommt. Kaum vorstellbar zu Beginn ist eine Beziehung zwischen Monica und Chandler. Am Ende der Serie kann man sich kaum vorstellen, dass sie nicht zusammen gehören.

          Dass ich mich mit den „Friends“ so gut identifizieren kann, liegt nicht nur daran, dass wir uns das Geburtsjahr teilen. Ich bin weiß, heterosexuell und aus der Mittelschicht – wie Joey, Monica und Co. Die fehlende Diversität wurde in den vergangenen Jahren oft kritisiert, zu Recht. Die gleichgeschlechtliche Hochzeit von Ross’ ehemaliger Frau Carol und ihrer Freundin Susan ist da nur ein Trostpflaster. Überhaupt sei vieles an der Serie nicht mehr zeitgemäß, meinen heute viele. Tatsächlich gibt es einige Folgen, die auch mich aufregen: zum Beispiel, wenn Ross nicht will, dass sein Sohn mit einer Barbiepuppe spielt und seine Tochter von einer männlichen Nanny betreut wird, oder wenn Chandler mit seinem transsexuellen Vater hadert.

          „Es ging um Gleichberechtigung“

          Auch hinter den Kulissen lief nicht alles rund. 2013 gestand Chandler-Darsteller Matthew Perry öffentlich ein, zwischen Staffel drei und sechs ständig betrunken gewesen zu sein. Nach einem Unfall 1997 sei er in die Medikamenten- und Alkoholabhängigkeit gerutscht, habe zeitweise täglich zwei Flaschen Wodka getrunken. „Ich war zu meinen schlimmsten Zeiten in einer TV-Serie zu sehen, die 30 Millionen Menschen vor die Bildschirme lockte. Die Leute wussten es also. Es war öffentlich zu sehen, was mit mir los war“, sagte er damals. Lisa Kudrow, die Phoebe spielt, erklärte erst vor wenigen Monaten, während der Serie freiwillig gehungert zu haben. Neben ihren schlanken Kolleginnen Jennifer Aniston und Courteney Cox habe sie sich zu dick gefühlt.

          Doch während „Friends“ spätestens aus heutiger Sicht in einigen Punkten zurückhängt, war die Serie an anderen Stellen ihrer Zeit voraus. So setzte David Schwimmer durch, dass alle Hauptdarsteller für jede Folge dieselbe Gage erhielten. „Es ging darum, dass wir gleichberechtigt bezahlt wurden, so dass es später keine Missgunst geben würde“, erklärte Schwimmer nach dem Ende der Serie. Die weiblichen Hauptfiguren sind allesamt unabhängig von Männern und verdienen ihr eigenes Geld. Als Rachel in Staffel acht eine Tochter bekommt, steht außer Frage, dass sie nach der Geburt wieder arbeiten geht.

          Das Beste an „Friends“ ist aber: Es wird nie langweilig. Auch kommende Generationen werden immer wieder darüber streiten können, ob Rachel und Ross in Staffel drei Schluss gemacht oder eine Beziehungspause eingelegt haben. Die Liebesgeschichte von Chandler und Monica wird immer herzergreifend sein, und dass Joey mit seinem Kopf in einem Truthahn stecken bleibt immer albern, dämlich und urkomisch. Ich kann die Serie einfach immer von vorne schauen, sie ist wie eine wohlige warme Decke, die mich jederzeit umhüllt – oder wie sechs gute Freunde, die immer für mich da sind.

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