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Mode-Blog : Die Freestylerin

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Mode, die Frauen lieben und Männer hassen – das ist das Credo von Leandra Medines Blog. Bild: Krista Anna Lewis/Leandra Medine

Mit viel Selbstironie hat Leandra Medine ihren Blog „The Man Repeller“ zu einer Instanz in der Modewelt gemacht. Ihre Leserinnen sind jung, emanzipiert und intelligent – wie die Autorin selbst.

          Paris, Modewoche. Vor dem Grand Palais blockieren Schaulustige, Fotografen und Besucher mit falschen Tickets die Straße. Keine Chance für die vier Polizisten, die all den Aufruhr auf den schmalen Bürgersteig abzudrängen ver­suchen. Auf der Straße schwarze Limousinen im Schritt­tempo. Nach der Schau von Chloé verlassen die ersten Gäste den Glaspalast. Anna Wintour, Olivia Palermo und Giovanna Battaglia sind die Street-Style-Fotografen gewöhnt. Sie laufen mit strenger Miene weiter oder posieren freundlich, schließlich haben sie sich die Haare in Form föhnen lassen.

          Dann ein anderer Auftritt: „Leandra! Leandra!“ Um Leandra Medine gibt es unter den Fotografen ein Hauen und Stechen. Die amerikanische Bloggerin ist eines der bekanntesten Gesichter der Modebranche, Fotos von ihr kann es nicht genug geben. Aber Leandra Medine wäre nicht die Betreiberin einer Website namens „The Man Repeller“, würde sie jetzt charmant in die Kameras strahlen. Statt hübsch zu lächeln, schneidet sie eine Fratze. Reißt den Mund auf, rollt mit den Augen, lacht, winkt drollig – und ist schon wieder verschwunden. „Leandra!“

          Ein paar Wochen später in ihrem kleinen Büro am Broadway in Manhattan. Leandra Medine sitzt am Kopf eines langen Schreibtischs, den sie sich mit ihren acht Mitarbeiterinnen teilt. Hinter dem silbernen Computer-Bildschirm wirkt die Sechsundzwanzigjährige zierlich, fast schmächtig. Sie trägt ein geringeltes Hemd und ein rotes Halstuch. Kein Make-Up.

          Die Idee zu ihrem Blog „The Man Repeller“ kam der Amerikanerin bei einem Ausflug mit einer Freundin zu Topshop.

          Zum Thema Fotografen-Spektakel in Paris lacht sie verlegen. „Ich nehme auf Reisen nie viel mit zum Anziehen, und hinterher sehe ich dann immer diese Bilder von der Modewoche und denke: Was für ein schreckliches Outfit! Aber gerade im Ausland möchte ich lieber für meine Meinung als für meine Kleidung wahrgenommen werden. Hier in New York geht es ja schon oberflächlich genug zu.“

          Kleider, die Frauen lieben und Männer hassen

          Oberflächlichkeit: das größte Vorurteil gegenüber der Mode. Ihr kann man es bestimmt nicht vorwerfen. Der „Man Repeller“ zählt heute zu den einflussreichsten Blogs der Branche – und das, obwohl es auf dieser Seite tatsächlich noch Texte zum Lesen und nicht bloß Bilder zum Schauen gibt. „Ein Blog über Kleider, die Frauen lieben und Männer hassen“, so lautet das Credo.

          Für alle, die sich nichts unter einer „Man Repeller“ vorstellen können, liefert der erste Beitrag vom 25. April 2010 eine Definition: „man-re-pell-er, noun. She who outfits herself in a sartorially offensive mode that may result in repelling members of the opposite sex.“ Allein solch ein Satz muss schon für Erstaunen sorgen: Denn wie kann es sein, dass in Zeiten visueller Übersättigung ein vor allem auf sprachlichem Raffinement und subtiler Selbstironie basierendes Medium wie „The Man Repeller“ so schnell so viele Anhänger in so vielen Weltregionen gewinnt?

          „The Man Repeller“ ist kein gewöhnlicher Modeblog. Eigentlich ist er das Gegenteil von all den ebenfalls erfolgreichen Websites, auf denen sich die Protagonistinnen mit Hochglanzbildern und makellos inszenierten Einblicken in ihr Jet-Set-Leben oft schamlos und meist humorlos selbst beweihräuchern. Zu den Stars der Blogger gehören die Italienerin Chiara Ferragni, die für „The Blonde Salad“ mittlerweile ein Dutzend Leute beschäftigt und allein auf ihrem Instagram-Account 4,2 Millionen Fans hat; Bryan Grey Yambao, überkandidelter Autor des Blogs „Bryan Boy“; und Aimee Song, die auf ihrer Seite „Song of Style“ in kurzen Texten zu perfekt retuschierten Bildern von Blumenarrangements oder Wintermänteln schwärmt.

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