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Mode-Blog : Die Freestylerin

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Die Idee, einen Blog namens „The Man Repeller“ ins Leben zu rufen, kam ihr bei einem Ausflug mit einer Freundin zu Topshop. Sie schleppte einen Haufen merkwürdiger Kleidungsstücke in die Umkleidekabine – einen Turban, Haremshosen, Blazer mit breiten Schulterpolstern. Ihrer Begleitung Rachel Strugatz, die damals schon für „Womens Wear Daily“ arbeitete, fiel dazu nur eines ein: „Kein Wunder, dass du keinen Freund hast. Dein Kleidungsstil stößt Männer einfach ab.“

Marktlücke in der Modewelt

Warum bis dato noch kein Mensch auf die Idee gekommen war, die Inkompatibilität von avantgardistisch gekleideten Frauen und heterosexuellen Männern zum Thema eines Blogs zu machen, kann sich Leandra Medine bis heute nicht erklären: „Die Idee erschien mir so offensichtlich. Ich konnte nicht glauben, dass noch niemand was daraus gemacht hatte.“

In ihrem Kinderzimmer schrieb sie den ersten Beitrag. Schon wenige Monate später wurde der Blog in allen namhaften Medien der Stadt erwähnt. Die „New York Times“ besuchte Medine in ihren eigenen vier Wänden, um sich einen Eindruck vom männerabstoßenden Potential ihres Kleiderschranks zu verschaffen. Und im „New Yorker“ wurde „The Man Repeller“ als Beweis für den Umstand genannt, als Frau modisch gekleidet zu sein heiße nicht, verführerisch aussehen zu müssen.

Medine liebt Mode seit ihrer Kindheit. Für sie ist die Modewelt ein wunderschöner Ort, wo jeder Anerkennung finden kann.

Eine kurzfristige Krise erlitt ihre Glaubwürdigkeit nur 2012, als sie mit 23 Jahren ihren Freund Abraham Cohen heiratete. Eine „Man Repeller“ als Ehefrau, das konnte doch nicht wahr sein! Aber die Proteste der enttäuschten Leserinnen, von denen einige sie gar als Lügnerin beschimpften, verebbten schnell. Sie selbst meint dazu trocken: „Wenn Kinder herausfinden, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt, hören sie doch auch nicht auf, Weihnachten zu feiern.“

Mit ihrer Idee, Mode mit emanzipatorischen Werten zu verbinden, kam sie gerade recht in einer Zeit, da Feminismus längst nicht mehr als Domäne burschikoser Aktivistinnen angesehen wird. „Ich finde es unmöglich, sich im 21. Jahrhundert als selbstbewusste Frau zu bezeichnen und sich nicht gleichzeitig auch in irgendeiner Weise mit Feminismus auseinanderzusetzen“, sagt sie.

Vier Artikel am Tag

In ihrem Büro neun Stockwerke oberhalb des Broadways sitzen nur Frauen. Amelia Diamond, vormals Redakteurin beim „New York Magazine“ und nun gemeinsam mit Medine für den ­redaktionellen Inhalt der Seite verantwortlich, ist eine ihre besten Freundinnen. Eine Fotoredakteurin kümmert sich um die Bebilderung aller Beiträge. Eine weitere Mitarbeiterin ist für die Vermarktung zuständig, verhandelt Werbepreise und Honorare für Kooperationen mit Marken und „brand partnerships“, wie Leandra Medine es nennt: „Wir wollen mit ‚The Man Repeller‘ eine media property aufbauen.“ Sie sagt „Wir“ und schaut dabei über den langen Redaktionstisch und die Köpfe hinter den großen Bildschirmen. Neben dem Tisch nimmt eine große weiße Tafel die ganze Wand ein, dicht beschrieben mit Vor­schlägen und Stichpunkten für neue Artikel und einem Plan für die fünf Tage der Woche, an denen jeweils vier Beiträge online gestellt werden.

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