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Mode-Blog : Die Freestylerin

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Aber: Dass sie ein erfolgreiches Plädoyer fürs Ungeschminktsein geschrieben hat, ist für Leandra Medine kein Grund, auf die Zusammenarbeit mit einem Kos­metik-Unternehmen zu verzichten. Mit der französischen Marke Nars produzierte sie Ende vergangenen Jahres eine Serie von Videos, in denen sich Medine mit interessanten New Yorker Persönlichkeiten über weibliche Macht, Ikonen-Dasein oder Jeanshosen unterhält. Nebenbei wurden die Produkte des Labels subtil in den Plot integriert. In einem der unterhaltsamen Kurzfilmchen startet Medine mit Jenna Lyons, Kreativchefin der Modemarke J.Crew, einen Wettbewerb: Wer von beiden kann wohl besser Lippenstift auftragen, ohne dabei in den Spiegel zu schauen? Leandra Medine verliert kläglich, vielleicht absichtlich, vielleicht auch nicht.

Gegensätze sind die Promotion für Kosmetikunternehmen und das zuvor formulierte Anti-Schmink-Statut damit jedenfalls nicht. Solche Kooperationen sind wichtiger Bestandteil ihres Business-Modells. Für die Beiträge, in denen sie für bestimmte Marken wirbt, wird sie fürstlich bezahlt – wie viel für einen gesponserten Artikel rausspringt, will sie nicht verraten. Dem Vorwurf der Bestechlichkeit begegnet Medine mit einem simplen Argument: Sie suche sich ihre Geschäftspartner in der Regel selbst aus und könne dadurch authentische Beiträge über Produkte schreiben, die ihr tatsächlich gefallen. „Außerdem haben wir uns selbst die Regel auferlegt, dass nicht mehr als zehn Prozent der rund 80 Beiträge pro Monat gesponsert sein dürfen.“

Einkaufen muss Leandra Medine kaum noch – viele Modemacher schicken ihr neue Kleider, in der Hoffnung, dass sie sie auf ihrem Blog präsentiert.

Wenn man bedenkt, dass auch Modemagazine für redaktionelle Inhalte bezahlt werden, in denen Produkte ausgewählter Labels empfohlen werden, klingt das tatsächlich legitim. „Den Vorwurf der Käuflichkeit lasse ich mir nicht gefallen“, sagt Medine bestimmt. „Die Ausrichtung von ‚The Man Repeller‘ war von Anfang an aufrichtig und authentisch und ist es auch geblieben. In Bezug auf unsere Ideale und Ansichten gehen wir keine Kompromisse ein. Wir wollen unterhaltsam sein und dabei starke Meinungen vertreten. Das ist unser Erfolgsrezept.“

„Ich hätte nie gedacht, dass ich mein eigenes Büro haben würde“

Erfolg erreicht man nicht mit Selbstgefälligkeit, das ist ihr klar. Trotz ihrer internationalen Bekanntheit übt sie sich weiter in Selbstkritik. Worauf sie stolz ist? Auf die Frage weiß sie keine Antwort – vielleicht tut sie nur so, um den Schein professioneller Bescheidenheit zu wahren. „Vielleicht dieses Büro hier“, sagt sie schließlich zögerlich. „Ich hätte nie gedacht, dass ich irgendwann mein eigenes Büro haben würde. Ich freue mich über jeden Tag, an dem ich hier sitzen und mit meinem tollen Team arbeiten darf.“

Gegründet hat sie „The Man Repeller“ vor fünf Jahren. Leandra Medine, Tochter einer persischen Mutter und eines türkischen Vaters, war damals 21 Jahre alt, wohnte noch zu Hause bei ihren Eltern an der Upper East Side und studierte im dritten Jahr Journalismus an der New School im Greenwich Village. „Meine Karriereplanung sah vor, mich nach dem Abschluss, so wie meine Kommilitonen, bei einer Zeitungsredaktion zu bewerben“, erzählt sie. „Ich war eine gute Studentin mit recht bescheidenen Schreibkünsten und gehörte ganz bestimmt nicht zu den Besten. Also dachte ich mir: Wenn meine Leistungen an der Universität nicht für mich sprechen, sollte ich vielleicht mehr neben dem Studium schreiben, um später etwas vorweisen zu können.“

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