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Mode-Blog : Die Freestylerin

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In einem anderen Beitrag in Videoform spaziert Medine in einem extravaganten blauen Volant-Top durch den New Yorker Bryant Park und befragt männliche Passanten zu ihrem Outfit. „We’re going to find out what men really think about man-repelling fashion“, verkündet sie theatralisch. In Formaten wie „Round Table“ debattiert die Redaktion über die Zukunft des Modejournalismus, Transsexualität oder Beinrasur. Unter der Überschrift „Prada, Nickelback, or Pinterest-Wedding“ diskutiert Autorin Amelia Diamond über die treffendsten Assoziationen zur Prada-Werbekampagne, in der die Models, ähnlich wie in arrangierten Hochzeitsbildern oder Promotion-Fotos von Rockbands, wie bestellt und nicht abgeholt unter Bäumen und neben Springbrunnen herumstehen.

Mode kann auch humorvoll sein

„Die Ironie dieses Vergleichs lag vor allem darin, dass Miuccia Prada diese seltsamen Assoziationen garantiert selbst intendiert hat – ohne dass wir das später als Betrachter realisieren würden“, sagt Leandra Medine dazu. „Für mich ist dieser Artikel ein gutes Beispiel für die perfekte Man-Repeller-Geschichte: Es geht darin um Mode, wobei das Thema aus humorvoller Perspektive betrachtet wird und von der reinen Bericht­erstattung abweicht. Neben der Ironie versteckt sich im Text noch eine tiefere Botschaft, nämlich der Hinweis auf zwei aktuelle Phänomene der Popkultur. Das ist genau die Art von Beitrag, die ich mir von uns wünsche: lustig, intelligent und stilvoll zugleich.“

Der wahrscheinlich erfolgreichste Artikel, der auf „The Man Repeller“ jemals veröffentlicht wurde, trägt jedoch den Titel „Why I don’t wear Make-Up“. Der Text ist nicht nur ein weiterer Beweis für die unerschöpfliche Themenvielfalt der Ideologie des männervergraulenden Kleidungs- und Lebensstils, sondern offenbart auch Leandra Medines Art, mit Neidern und Kritikern umzugehen. In einer Mail-Korrespondenz, die sie einmal aus Versehen als Kopie geschickt bekommt, wird sie vom Absender als „smart, but ugly as fuck, truly a man repeller“ bezeichnet. Aus dem peinlichen Versehen schlägt sie Kapital. Nicht nur der ungeschickte Verfasser jener Mail, sondern auch einige Leserinnen haben schließlich schon häufiger Leandra Medines Aussehen kritisiert und Make-Up gegen ihre auf vielen Bildern unübersehbaren Augenringe empfohlen.

Sie hat nicht so viele Follower wie Chiarra Ferragni. Dafür kleidet sich Leandra Medine auf höchst erfreuliche Weise unkonventionell.

„I noticed that the details of my makeup regimen (or lack thereof) have become something of a hot topic on the Man Repeller Instagram feed“, schreibt Medine in dem Artikel und erklärt, sie verzichte nicht deshalb auf Abdeckstift und Wimperntusche, um einen feministischen Grundsatz durchzusetzen, sondern, Trommelwirbel, aus reiner Faulheit. Zudem sei sie „comfortable with how I look. I don’t hate what I see when I look into the mirror.“

Frauen sollen unabhängig entscheiden, was sie schön finden

Und genau darum geht es auf „The Man Repeller“: Frauen das Gefühl zu geben, unabhängig von populären Trends und dahingesagten Meinungen selbst entscheiden zu können, was sie schön oder nicht schön finden. „My eyes will never be blue, my bone structure will never allow for you to mistake me for a Scandinavian model“, schreibt sie in dem Text, der innerhalb weniger Tage knapp 1500 fast ausschließlich begeisterte Kommentare hervorrief. „I am who I am and even if that infers ‚ugly as fuck‘, I think it’s, I don’t know, beautiful.“

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