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Korea liegt im Trend : Eine Welle namens Hallyu

  • -Aktualisiert am

Schnell und gut: Die Köpfe des Knok Stores mit Design „made in Korea“. Bild: Hanna Sturm

Korea könnte bald so cool sein, wie es Skandinavien hierzulande schon ist. Die Ersten essen und kleiden sich koreanisch, die Lebenseinstellung passt bestens zu uns. Über ein Land und seine Kreativen, die gerade schwer im Kommen sind.

          Die Begeisterung für südkoreanische Kultur hat jetzt sogar einen eigenen Namen: Hallyu. Die „Koreanische Welle“ der Popularität wurde erstmals 2012 offiziell vom damaligen amerikanischen Präsidenten Barack Obama und von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon benannt. Es ging los mit K-Dramen und K-Pop in Asien, aber mittlerweile ist die Welle auch in den Vereinigten Staaten und in Europa angekommen.

          Man hört sie nicht nur, zum Beispiel in Form des Songs „Gangnam Style“ des Rappers Psy; das Video ist mit über zwei Milliarden Aufrufen das bisher beliebteste in der Geschichte von Youtube. Man kann Hallyu auch schmecken und sich damit schminken, denn koreanisches Essen und koreanische Kosmetik sind populär. Und nicht zuletzt wäre da der Mukbang-Trend, bei dem es darum geht, als Youtuber Unmengen von Essen in sich hineinzustopfen und sich dabei zu filmen.

          Der Trend begann mit Karl Lagerfeld

          So gesehen, ist es fast schon verwunderlich, dass die Mode im Westen erst neuerdings den Korea-Trend für sich entdeckt hat. Der Erste war – wie so oft – Karl Lagerfeld, der 2014 seine Chanel-Cruise-Show in Seoul zeigte. Seitdem zirkulieren immer mehr Streetstyle-Bilder aus Seoul in internationalen Modezeitschriften. Gerade hat die amerikanische Luxus-Kaufhauskette Nordstrom mit einem „KFashion Pop-In“ darauf reagiert. Gezeigt und zum Verkauf angeboten wurden die Entwürfe von acht koreanischen Designern.

          Für den Trend hat die koreanische Handelsorganisation Kotra mittlerweile einen eigenen „Hallyu-Index“ eingeführt, der die Kraft der Koreanischen Welle international misst. In Asien und Südamerika liegen die meisten Länder demnach in der sogenannten „Mainstream Stage“ mit einer großen Marktreichweite und mittlerem bis starkem Wachstum. Die meisten westlichen Länder liegen hingegen in der mittleren „Diffusion Stage“ mit starkem Wachstum in den Vereinigten Staaten, Kanada und den meisten EU-Ländern.

          Koreanisch Essen und Kaufen in Berlin

          In Deutschland ist das Wachstum noch recht moderat, doch das könnte sich bald ändern. Denn Berlin ist zu einem der beliebtesten Auswanderungsziele koreanischer Kreativer geworden. Und das macht sich langsam bemerkbar: In den Szene-Gegenden um Mitte und Kreuzberg gibt es immer mehr koreanische Restaurants und Cafés wie „Gogogi“, „Kimchi Princess“ oder „Rabbit Café“, und auch die ersten Geschäfte von koreanischen Auswanderern wie der Concept-Store K-Studio oder der Brillenladen Yun haben gerade eröffnet.

          „Deutschland und insbesondere Berlin sind in Korea wahnsinnig beliebt. Es gibt Koreaner, die Berlin-Fieber bekommen, echtes Fieber, und dann deutsche Produkte haben wollen“, erzählt Sangbeom Woo. Als er vor sechs Jahren zum ersten Mal nach Berlin kam, wollte der Kommunikationsdesigner aus Busan eigentlich nur Urlaub machen, aber dann entschloss er sich, zu bleiben und Design an der Universität der Künste zu studieren.

          Weil er so viele koreanische Künstler dort kennenlernte, gründete er die Agentur Idea Berlin, um koreanische Künstler und Kulturschaffende zu vernetzen. 2014 hat er mit Ausstellungen und Streetfood-Festivals begonnen, als es noch kaum koreanische Restaurants in der Stadt gab. In letzter Zeit wird er immer öfter von koreanischen Labels gefragt, die in den deutschen Markt wollen – „der Lifestyle passt einfach gut zusammen, weil es experimentell ist und stark von den Subkulturen geprägt“, sagt er.

          Korea in Europa bekannt machen

          Auch Haelin Kim war nur in Berlin, um Freunde zu besuchen, Musiker von The Whitest Boy Alive und Kings of Convenience, die hier lebten und die sie aus der Fixed-Gear-Fahrradszene kannte. Zu jener Zeitpunkt arbeitete sie in Korea im Auto-Design und überlegte ohnehin, ins Ausland zu ziehen. „Und dann habe ich diese Weite hier gesehen. Ich war wirklich beeindruckt, so viel Platz wie auf dem Tempelhofer Feld, und das mitten in der Stadt. Außerdem ist die Geschichte der Teilung Berlins und der anschließenden Entwicklung sehr bereichernd – schließlich ist auch Korea geteilt worden“, erzählt Kim.

          In Berlin fing sie zunächst beim Design-Start-up Monoqi als Einkäuferin an und führte koreanische Produktdesigner ein, deren Entwürfe sich gut verkauften. „Nach vier Jahren dachte ich, es sei Zeit für etwas Neues, und habe mit meinen Partnern Inti und Ruben unsere Verkaufsagentur Bobwhite gegründet, um koreanisches Mode- und Produktdesign in Europa bekannter zu machen“, sagt sie. Ihre Agentur vertreibt mittlerweile an Geschäfte in ganz Europa, darunter trendige Sportswear-Pioniere wie den Voo Store oder Superconscious. Aus der guten Resonanz ist schließlich im vergangenen Jahr der eigene Online-Shop Knok Store entstanden, der im November mit einem Pop-up im Halleschen Haus eingeweiht wurde.

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