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Die Social Media Sprechstunde : North West: „Mama, ich bin live“

Kim Kardashian mit Tochter North West Bild: Picture Alliance

Kim Kardashian und Kanye West streiten, ob ihre neunjährige Tochter North einen TikTok-Kanal haben darf. Wir finden: Ja natürlich! Denn für Kardashians gelten andere Gesetze. Und North könnte für exklusive Infos über diesen „großen lustigen blassen Mann“ sorgen.

          3 Min.

          Die neun Jahre alte North und Mama Kim Kardashian machen einen Wellness-Tag, mit vielen Tuben und Tiegeln. 10 von 10 Punkten vergeben sie für das Erlebnis. Das ist das erste TikTok-Video auf dem gemeinsamen Mutter-Kind-Kanal von Kim Kardashian und North West – und sorgt in vielerlei Hinsicht für Furore. Der Account sammelte damals, im November 2021, 74.000 Follower und 225.000 Likes in weniger als 24 Stunden. Mittlerweile sind es 6,8 Millionen Follower und 75,1 Millionen Likes.

          Manon Priebe
          Redakteurin.

          Doch einer ist gar nicht happy darüber, dass seine Tochter auf TikTok ist: Kanye West, Noch-Ehemann von Kim Kardashian. Ihm geht es nicht darum, dass man in allen Himmelsrichtungen der Welt die Gesichter seiner Kinder kennt. Sondern dass seine älteste Tochter North einen gemeinsamen Kanal mit Mama Kim hat und selbst Inhalte für TikTok produziert, wenn er nicht mit dabei ist, um es zu erlauben. „Da dies meine erste Scheidung ist, muss ich wissen, was ich tun sollte, wenn meine Tochter gegen meinen Willen auf TikTok ist?“ schrieb er auf Instagram. Und teilte mit seinen 10,6 Millionen Followern einen Screenshot aus einem Video seiner Tochter, das seiner Meinung nach niemand sehen soll… Kims Antwort, ebenfalls auf Instagram: „Kanyes ständige Angriffe auf mich in Interviews und in den sozialen Medien sind tatsächlich verletzender als jedes TikTok, das North machen könnte.“

          In anderen Clips tanzen Kim und North, es geht um Outfits, Zungen werden rausgestreckt, Peace-Zeichen mit den Fingern geformt. North interessiere sich für Make-Up und trage daher gerne mal Lippenstift, auch auf TikTok, so Kim. Ganz normaler Content also.

          Der Fall selbst ist aber recht einzigartig. Zwar bespielt die Cousine von North, Penelope, ebenfalls mit ihrer Mutter, Kourtney, einen gemeinsamen TikTok-Kanal, aber @pandkourt ist mit 3,8 Millionen Follower und 55 Millionen Likes bei weitem nicht so erfolgreich wie @kimandnorth (Kim überstrahlt mal wieder ihre Schwester, das kennt auch Kloé nur zu gut.)

          In Deutschland geht es bei den Promis nicht um eigene Accounts des Nachwuchses, sondern um die Frage, inwieweit Kinder auf Social Media zu sehen sein sollen. Hier scheint es keinen einheitlichen Code of Conduct zu geben. Also ist der Promi-Nachwuchs auf Instagram mal vollständig zu sehen, nur im Profil, halb verdeckt von Mamas Haaren oder überklebt von Emojis.

          Cathy Hummels versteckt das Gesicht ihres Sohns Ludwig nicht mal mehr halbherzig, so dass man aus den verschiedenen Fotos das gesamte Gesicht zusammenpuzzlen könnte, wäre man nicht beschäftigt, das Liebesvieleck seines Vaters zu durchschauen. Und der Sohn von Sarah Engels und Pietro Lombardi, Alessio, ist ganz selbstverständlich Teil von Mamas Instagram-Story. Sarahs Tochter Solea hingegen kennt der Follower vorwiegend als kopfloses Wesen, bis auf den Face-Reveal-Post auf dem Account von Papa Julian. Alles egal, wie wir wissen – Hauptsache Alessio geht’s gut.

          Zurück zu Kim und Kanye und North West. Natürlich sollten Kinder und Jugendliche nicht einfach unvorbereitet und unbegleitet in den sozialen Medien unterwegs sein, schon gar nicht auf TikTok. Die Accounts von Kindern unter dreizehn Jahren müssen in den USA gemäß der Richtlinien von TikTok zusätzliche Privatsphären- und Sicherheitseinstellungen haben. Es ist nicht klar, ob dazu auch der Account von North zählt. In der Bio steht, der Account werde „von einem Erwachsenen geführt“ – unklar, ob diese erwachsene Person Kim ist.

          Video : „North West gives house tour live on TikTok without mum Kim's knowledge“

          Wir wollen uns hier weder in einen etwaigen Sorgerechtsstreit einmischen noch zu tief in Kanyes Psyche hinabsteigen. Aber: North West ist die Tochter der Göttin der Eigenvermarktung. Und Tochter eines kreativen Genies (Das sieht nicht nur Kanye selbst so!). Aus dieser Mischung kann nur Premium-Content entstehen. Kim ist clever genug, um zu wissen, dass das Publikum auf TikTok besonders jung ist und North viel näher an der Zielgruppe dran ist als eine 41-Jährige.

          Papa Kanye West gibt den Beschützer.
          Papa Kanye West gibt den Beschützer. : Bild: Picture Alliance

          North wird keine Reality-Show wie „Keeping Up with the Kardashians“ beziehungsweise „The Kardashians“ brauchen, sie geht live. Denn das geht mit TikTok leicht. North hat ihren Followern bereits eine Tour durch das Haus der Familie geboten. Am Ende der Tour geht sie in das Schlafzimmer der Mutter und verkündet ihr im schelmischen Ton „Mama, ich bin live“. Das gab Ärger. Solche Momente braucht die Welt! Dass North einen Sinn für Humor hat beweist sie regelmäßig. Ihre Mutter veräppelt sie gerne mit: „Dein Haus ist so hässlich, es ist ganz weiß! Wer lebt so?“. Oder sie weist ihre Mutter zurecht, wenn die mit verstellter Stimme ein Video für ihre Follower aufnimmt.

          Mittlerweile kann man die Videos nicht mehr kommentieren. Davor sammelten sich dort schon mal Nachfragen, ob North ein Spiel spielen wolle, das sich darum drehte, Geld von Mamas Konto an „Freunde aus dem Internet“ zu überweisen. Oder Mamas Kreditkarteninfos zu teilen. Als Gerüchte aufkamen, Kim sei mit Pete Davidson zusammen, versuchten viele North auszufragen, ob denn häufiger ein „großer lustiger blasser Mann“ bei Mama sei. Das sind Gag-Glanzstunden des Internets, die kurzzeitig vom Horror in der Welt ablenken.

          Kolumnen auf FAZ.NET

          Im wöchentlichen Wechsel erscheinen im Stil-Ressort mittwochs die Kaffee-Kolumne „Der Kaffee meines Lebens“, die Beziehungskolumne „Ich. Du. Er. Sie. Es.“, die Meinungskolumne „Überschätzt/Unterschätzt“ und die Medienkolumne „Die Social Media Sprechstunde“ – in die werden Personen der Öffentlichkeit zitiert, um herauszufinden, was sie uns mit ihren Profilen in den sozialen Netzwerken eigentlich sagen wollen. 

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