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Kaiserfamilie in Brasilien : „Wir gehen mit dem Volk auf die Straße“

Auf der Flucht vor den Truppen Napoleons hatte sich der portugiesische Königshof im Jahr 1808 in Rio de Janeiro niedergelassen. 1816 ließ sich der Prinzregent João aus dem Hause Bragança zum König von Brasilien und Portugal krönen. João VI. kehrte 1821 nach Lissabon zurück und überließ seinem Sohn, Pedro I., den brasilianischen Thron. 1825 erkannte Portugal die Unabhängigkeit der einstigen Kolonie an. Pedros Sohn ließ sich 1841 zum Kaiser Pedro II. krönen. Seine Tochter Isabel war die letzte Kronprinzessin von Brasilien. Mit ihrem Mann Gastão, einem Prinzen aus dem Hause Orléans, begründete sie die heutige Linie Orléans e Bragança.

Ihre ältere Schwester hat vor zwei Jahren einen Bürgerlichen geheiratet und damit auf ihren Titel und alle Ansprüche auf den Thron verzichtet. Als Prinz von Brasilien und künftiger Chef des kaiserlichen Hauses müssen Sie eine echte Prinzessin heiraten.

Das ist Teil unserer Familientradition. Ich suche noch nach der richtigen Braut.

Die es in ganz Brasilien nicht gibt. Sie müssen in Europa auf Brautschau gehen.

Das stimmt.

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Ihre Mutter entstammt der großherzoglichen Familie in Luxemburg, Ihre Großmutter war eine Enkeltochter Ludwigs III., des letzten Königs von Bayern. Wie eng sind Ihre verwandtschaftlichen Beziehungen zum europäischen Hochadel?

Vor allem zu meinen Cousins und Kusinen in Luxemburg und Bayern sind sie eng. Wir sind befreundet, aber ich hege keine Heiratsabsichten.

In Europa haben viele Thronfolger inzwischen Bürgerliche geheiratet. Warum hält Ihre Familie an dem Anspruch einer standesgemäßen Heirat fest?

Weil es Teil unserer dynastischen Tradition ist.

Würden Sie diese überkommene Tradition als Chef des Hauses ändern?

Das kann ich nicht so einfach sagen. Ich brauchte das Einverständnis der ganzen Familie, um unser Hausgesetz zu ändern.

Fühlen Sie sich von Ihrer Familie zu etwas gezwungen, was Sie selbst nicht wollen?

Nein, ich werde nicht gezwungen. Mein Vater meint, wir sollen vor allem glücklich werden. Doch er sagt auch, dass es gut für mich und unser Land wäre, wenn ich eine Prinzessin fände.

Das meinten Sie vorhin mit Bürde?

So einfach ist es nicht.

Käme eine deutsche Prinzessin in Frage?

Wenn es sich ergibt, wieso nicht?

Sprechen Sie Deutsch?

(Auf Deutsch:) Ein bisschen. Ich versuche, Deutsch zu lernen.

Und welche Sprachen sprechen Sie sonst?

Englisch, Französisch, Portugiesisch und zudem genügend Spanisch, um mich verständlich zu machen.

Wie oft sind Sie in Europa?

Vor dem Studium habe ich sechs Monate bei der Schwester meiner Mutter in Paris gelebt. Jetzt verbringe ich jedes Jahr meinen Urlaub in Europa. Eine meiner Schwestern ist in Madrid, die andere in Brüssel, wo auch meine Großmutter lebt. Mitte Juni war ich bei der Hochzeit meiner Kusine Alix de Ligne in Belgien.

Dom Rafaels Mutter, Cristina de Orléans e Bragança, ist eine geborene Prinzessin von Ligne. Ihre Mutter, Alix von Luxemburg, ist die Schwester des ehemaligen Großherzogs Jean und damit die Tante des jetzigen Großherzogs Henri von Luxemburg.

Sie sind in Rio de Janeiro geboren worden. Was muss man gesehen haben, wenn man nur einen Tag die Stadt besucht?

Da gibt es so vieles. Aber man sollte mit der Bergbahn zur Christusstatue auf den Corcovado fahren, mit der Seilbahn auf den Zuckerhut und natürlich an die Copacabana gehen.

Was ist so besonders an Rio?

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