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Tasche soll umbenannt werden : Bye, bye, Birkin

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Wohlhabende Fans geben für eine solche Birkin-Bag aus Krokodilsleder nicht selten sechsstellige Beträge aus. Bild: AFP

Die „Birkin Bag“ ist das Aushängeschild von Hermès. Doch Jane Birkin will nicht länger Namenspatin sein für Taschen, die aus Krokodilsleder gefertigt werden – und bittet das Unternehmen, sie umzubenennen.

          Für wohlhabende Frauen ist sie ein „Must-Have“, in Frankreich hat sie bereits Kultstatus erreicht - nicht zuletzt wegen ihrer Exklusivität: Die Birkin Bag von Hermès wird nicht etwa am Fließband produziert, sondern nur auf vorherige Bestellung - bis zu sechs Jahre muss die betuchte Klientel im Durchschnitt warten, bis sie das edle Stück in Empfang nehmen kann. Dafür müssen Interessenten in der Grundausstattung bis zu 8.000 Euro, für die Ausführung in Krokodilsleder mehr als 33.000 Euro zahlen. Bei einer Auktion in Hongkong Anfang Juni kam eine pinkfarbene "Birkin Croco" mit Gold und Diamanten am Verschluss sogar zum Rekordpreis von umgerechnet 202.000 Euro unter den Hammer.

          Doch die Tage des teuersten Statussymbols für reiche Frauen könnten nun bald gezählt sein, zumindest wird sich das französische Modehaus bald nach einem anderen prominenten Namensgeber umschauen müssen. Die britische Schauspielerin und Sängerin Jane Birkin zieht ihren Namen für das Luxus-Produkt zurück.

          Schockierendes Video von einer texanischen Zuchtfarm

          Stein des Anstoßes ist ein Video, das die Tierschutzorganisation Peta ins Netz gestellt hat. Gezeigt werden dort erschütternde Aufnahmen von Krokodilen, die auf einer Zuchtfarm in Texas zu Tode gehackt oder bei lebendigem Leibe gehäutet werden - auch für die Herstellung der begehrten Birkin-Bags. Laut Peta müssen für eine solche Tasche aus Krokodilsleder etwa zwei bis drei Reptilien gehäutet werden. Birkin zeigte sich schockiert von den Enthüllungen: „Ich bin alarmiert über die Grausamkeiten, die Krokodile erleiden müssen für die Produktion von Taschen, die meinen Namen tragen“, erklärte die 68-Jährige. „Ich habe Hermès gebeten, die Birkin umzubenennen, bis bessere Methoden nach internationalen Normen umgesetzt werden für die Produktion dieser Tasche.“

          Modehaus zeigt sich schockiert und kündigt Aufklärung an

          Das Modehaus sei ebenfalls „erschüttert von den Bildern“ und teilte mit, es verlange von seinen "Partnern die höchsten Standards für eine ethische Behandlung der Krokodile". Eine Untersuchung sei bereits im Gange, um die Praktiken und  Standards im Unternehmen zu überprüfen. Jeder Verstoß gegen vereinbarte Regeln werde "korrigiert und sanktioniert", hieß es. Bisher hatte Hermès immer beteuert, dass seine Zulieferer korrekt mit den Tieren umgingen. Auf Birkins Entscheidung reagierte das Unternehmen verständnisvoll. „Hermès respektiert und teilt ihre Emotionen und war ebenso schockiert von den jüngsten Bildern“, erklärte der Pariser Konzern. „Ihre Äußerungen haben keinen Einfluss auf unsere Freundschaft und das gegenseitige Vertrauen, das wir seit so vielen Jahren teilen.“

          Wirtschaftlich könnte die Kritik Hermès empfindlich treffen. Das Marken- Image ist bei den Luxusherstellern enorm wichtig, die Birkin-Handtasche wie eine nach der ehemaligen Schauspielerin und Fürstin von Monaco, Grace Kelly, benannte Tasche ein Parademodell des Herstellers. Angesichts der großen Nachfrage nach seinen Leder-Accessoires hatte das Modehaus erst vergangene Woche angekündigt, es werde die Kapazitäten an zwei seiner Produktionsstätten in Frankreich ausbauen und so längerfristig mehr als 200 Arbeitsplätze schaffen. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 12.000 Mitarbeiter, davon rund 7.200 in Frankreich.

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          Die „Birkin Bag“ war 1984 eigens für die britische Schauspielerin entworfen worden. Birkin hatte sich zuvor bei einer zufälligen Begegnung mit dem damaligen Hermès-Chef Jean-Louis Dumas beschwert, dass sie als junge Mutter keine Handtasche finde, die zugleich praktisch und chic sei. Drei Jahre später nahm Dumas die bislang teuerste Tasche der Welt - nach Birkins Wünschen gestaltet - in das Sortiment auf. Seither trägt das Stück ihren Namen. Das dürfte sich nun bald ändern.

          Schockiert von der Art, wie Krokodile für die luxuriöse Ledertasche sterben müssen, will Jane Birkin nicht länger ihren Namen für die bekannte Birkin-Bag hergeben.

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