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Neue Runde im Abmahnstreit : „Man erschafft das Bild eines digitalen Monsters“

Blogger und Moderator Riccardo Simonetti auf dem roten Teppich beim Place to Be Awards im Axel-Springer-Haus. (Archivbild) Bild: dpa

Influencer müssen künftig wohl auch mit Abmahnungen für mehrere Jahre alte Beiträge rechnen. Denn neben dem Verband Sozialer Wettbewerb geht nun auch ein Hamburger Verlag gegen Influencer vor – und gräbt tief.

          Auf ihren Accounts in den sozialen Netzwerken finden vermutlich die meisten ein paar Beiträge, die sie heute nicht mehr so posten würden. Doch während es sich bei den meisten Nutzern um eher harmlose, wenn auch peinliche Fotos handelt, müssen Influencer wohl künftig mit rechtlichen Konsequenzen für alte Beiträge rechnen – zumindest, wenn sie Verlinkungen auf andere Marken enthalten und nicht als „Werbung“ gekennzeichnet wurden.

          Julia Anton

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Mindestens einen solchen Fall hat es jetzt gegeben: Riccardo Simonetti, dem auf Instagram mehr als 170.000 Nutzer folgen, wurde in mehreren Fällen vom Magazin Verlag Hamburg, der unter anderem das kostenlose „Alstertal-Magazin“ herausgibt, wegen Schleichwerbung abgemahnt. Ein Großteil der Posts liegt dabei zwei, einige sogar drei Jahre zurück.

          Der Fall ist gleich mehrfach bemerkenswert. Neu ist der Umfang der Abmahnung. Der Verband Sozialer Wettbewerb (VSW), der bislang fleißig abmahnte, hat sich stets auf aktuelle Beiträge der Influencer konzentriert. Simonetti ist überrascht: „Ich habe nicht damit gerechnet, dass so weit in der Vergangenheit nach Fehlern gesucht wird.“ Er postet oft bis zu drei neue Fotos pro Tag, sein Profil zählt mehr als 7000 Beiträge. Wer in das Jahr 2016 zurück möchte, muss ganz schön lange scrollen. Ganz so einfach ist es freilich nicht.

          „Werbliche Posts sind natürlich auch nachträglich zu kennzeichnen“, sagt Cornelia Holsten, Direktorin der Bremischen Landesmedienanstalt. „Da gibt es keine Schonfristen oder eine Anzahl an Posts, ab denen das egal ist.“ Womit man bei der alten Frage wäre: Was ist eigentlich werblich?

          Ein Entgelt habe Simonetti für keinen der beanstandeten Posts bekommen, erklärt sein Manager. Stattdessen hat der Influencer auf den entsprechenden Bildern beispielsweise die Marken, die er trägt, verlinkt oder die Veranstaltung genannt, bei der das Foto entstand – ohne Gegenleistung. Zumindest nach Sicht der Medienanstalten wäre das keine Werbung. Doch im Streit um Abmahnungen des Verbands Sozialer Wettbewerb stuften Gerichte auch solche unbezahlten Links immer wieder als kennzeichnungspflichtig ein – zuletzt am Donnerstag das Karlsruher Landgericht im Fall der Influencerin Pamela Reif. Schließlich werde der Nutzer auch durch freiwillige Links zum Kauf angeregt.

          „Im Internet gibt es weder alt noch neu“

          Viele Influencer wehren sich dagegen, und insbesondere bei alten unbezahlten Posts findet Simonettis Anwalt Martin Gerecke diese Argumentation diskutabel: „Ob ein mehrere Jahre alter Post heute noch geeignet ist, die Kaufentscheidung eines Nutzers im Sinne des Wettbewerbsrecht zu beeinflussen, bezweifle ich.“

          Patricia Cronemeyer, die den Magazin Verlag Hamburg vertritt, entgegnet: „Im Internet gibt es weder alt noch neu.“ Influencer müssten wie Verlage zwischen redaktionellen Inhalten und Werbung trennen. Auf die Frage, ob freiwillige Verlinkungen nicht ähnlich wie Modetipps in Magazinen unter redaktionelle Inhalte fallen, geht sie nicht ein. Mit dieser Argumentation konnte Influencerin Vreni Frost im Januar in Berlin einen Teilerfolg erstreiten, auch Cathy Hummels könnte damit in ihrem Prozess im April Erfolg haben.

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