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Helen Barbour im Gespräch : „Kopien unserer Jacke stören mich nicht“

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Immer wenn es regnet: Prominente in Wachsjacken wie Lily Allen in Glastonbury (2007) gaben der Marke einen Schub Bild: interTOPICS

Barbour ist längst keine bloße Marke mehr, die Wachsjacken stehen für einen ganz bestimmten Stil. Helen Barbour über die Geschichte des Familienunternehmens und die Quellen des gegenwärtigen Erfolgs.

          2 Min.

          Frau Barbour, die Wachsjacken aus Ihrem Haus sind jetzt im Herbst wieder häufiger zu sehen. Ist das ein Comeback?

          Nein, das kam einfach so mit Glastonbury im Jahr 2006. Und wissen Sie warum? Weil es bei dem Festival geregnet
          hat. Und weil unsere Jacken von bestimmten Leuten getragen wurden, die als cool galten.

          Wenn jemand von den Arctic Monkeys eine Barbour-Jacke trägt, dann will ich auch eine?

          Oder man hat schon eine im Schrank hängen und sagt sich dann: Jetzt hole ich meine auch mal wieder heraus. Wir wissen zwar, wohin es gehen soll, mit mehr Kollektionen, Schuhen und T-Shirts. Aber wir haben uns nie überlegt, wie wir jetzt unbedingt cool werden.

          Trotzdem: Überfordert das, was Barbour heute ist und eines Tages sein könnte, nicht ein Familienunternehmen?

          Nein. Eigentlich gibt es nur meine Mutter, ein Gremium und mich, das genügt. Ich darf bei Entscheidungen meine Meinung sagen, meine Mutter hat aber das letzte Wort.

          War das schon immer so?

          Mit jeder Generation gab es Änderungen. Hauptsächlich deshalb, weil diese Leute jeweils an etwas interessiert waren, das nichts mit Barbour zu tun hatte. Mein Ur-Ur-Irgendwas-Großvater John hat das Geschäft seinerzeit gegründet, um Wachsjacken für Fischer zu fertigen. Dann kam sein Sohn Malcolm. Er wollte eigentlich Journalist werden, aber weil sein Vater ihm wohl sagte, dass er im Betrieb arbeiten soll, gab er die ersten Kataloge heraus. So wurde aus Barbour ein Kataloggeschäft, und die Jacken wurden auch an die Streitkräfte geliefert. Dann kam mein Opa Duncan nach dem Zweiten Weltkrieg aus japanischer Gefangenschaft. Er fuhr unheimlich gern Motorrad, also entwarf er Motorradjacken. Mein Vater, der am liebsten Bauer geworden wäre, musste auch im Betrieb arbeiten. Als er starb, kam meine Mutter dazu und mit ihr Designer, Marketing, PR und so weiter, denn Barbour wurde größer.

          Weil damals viele Modemarken groß wurden?

          Ja, aber wir waren nie wirklich modisch. Abgesehen von den Achtzigern, als Prinzessin Diana Barbour trug. Da freuten wir uns natürlich, aber unsere Richtung hätten wir nie geändert. Wir hatten damals gerade mal rund zehn verschiedene Jackenmodelle, ein paar Socken, einen Hut. Heute steht Barbour für einen ganz bestimmten Stil, die Jacken sind ein Markenzeichen.

          1985 sorgte Prinzessin Diana für gute Verkaufszahlen Bilderstrecke

          Wie schützen Sie das Image?

          Das „English Dictionary“ hat angefragt, ob sie Barbour im Lexikon aufführen dürfen, als Beschreibung für eine Wachsjacke. Wir sagten nein. Das ist so wie bei Hoover und dem Staubsauger. Irgendwann übernahm man den Begriff, und jetzt ist hoover das englische Wort für staubsaugen. Die Leute sagen: Ich trage meine Barbour-Jacke, selbst wenn es keine ist. Eigentlich ist uns das egal. Ich war gestern in Münster in unserem Shop. Dort gibt es in der Fußgängerzone einen Laden, der eine andere bekannte Marke führt, mit einer Kopie unserer Jacke. Mich stört das nicht, solange da nicht Barbour draufsteht und die Jacke von schlechter Qualität ist, sodass die Leute sagen können: Schau mal, was Barbour für eine schlechte Marke ist.

          Die Jacken eignen sich auch gut dazu, in Romanen Figuren zu beschreiben. Da hat man gleich ein Bild von der Figur vor Augen. Zählen Sie solche Erwähnungen überhaupt noch?

          Wenn ich lese: „Sie zog ihre Barbour-Jacke aus“, dann bin ich immer noch überrascht. In einem Buch von Patricia Cornwell geht es um eine Forensikerin. Die ist am Tatort, wäscht sich die Hände und zieht die Barbour-Jacke aus, die so streng nach Wachs riecht. Ich dachte mir an dieser Stelle: Nein, sie riecht nicht nach Wachs, es ist Wachs.

          Die Luxuswelt fürchtet eine neue Krise. Und Sie?

          Nein. Wir hören zwar immer, wie schlecht es bei manchen läuft. Aber dann schauen wir auf unsere Zahlen, und da läuft es überhaupt nicht schlecht. (Klopft auf den Holztisch)

          Was gab der Marke also nun den größten Schub? Alexa Chung, Lily Allen und die Arctic Monkeys, die Ihre Jacken damals in Glastonbury trugen? Helen Mirren als „The Queen“? Oder Daniel Craig im Film „Skyfall“?

          Auf jeden Fall Glastonbury. Denn dabei handelte es sich um lebendige Personen. Die Leute wollen aussehen wie echte Menschen.

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