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Goodwill-Tour nach Mondlandung : Vor 50 Jahren landeten die Raumfahrer in Bonn

  • -Aktualisiert am

Auf Goodwill-Tour in Bonn: Buzz Aldrin, Michael Collins und Neil Armstrong (von rechts) Bild: Günter Paul

Nach der historischen Mondlandung warben Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Mike Collins auf der ganzen Welt für die amerikanische Raumfahrt - vor genau 50 Jahren auch in der „provisorischen“ Hauptstadt Bonn.

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          Auf dem Mond waren Neil Armstrong und Buzz Aldrin pünktlich gelandet, und auch den Rückflug zur Erde hatten sie zusammen mit Mike Collins genau nach Zeitplan angetreten. Aber vor der Beethovenhalle in Bonn mussten die Menschen, die dort auf sie warteten, Geduld aufbringen. Man schrieb den 12. Oktober 1969. Erst gut drei Monate waren vergangen, seit Armstrong und Aldrin als erste einen anderen Himmelskörper betraten. Der übrigens nicht, wie in Amerika gelegentlich behauptet wird, aus grünem Käse besteht – das hatten die Astronauten sofort erkannt.

          Statt der drei Helden aus Amerika waren es vorerst nur zwei unbekannte Raumfahrer, die vor der Beethovenhalle zu sehen waren. Gerade mal Buben, aber in Raumanzüge gekleidet. Wohl Relikte vom rheinischen Karneval. Dann aber brach Jubel aus, als die drei richtigen Raumfahrer in der Staatskarosse mit den „Weißen Mäusen“ davor, den Motorradfahrern der Eskorte, die Halle erreichten. Bei all der Begeisterung entging mir, wie ernst die drei Männer sich gaben. Da mochte eine gewisse Erschöpfung durch die Strapazen der letzten Tage im Spiel sein. Dem Volk war es egal, Hauptsache, sie waren endlich da.

          Die offizielle Goodwill-Tour, auf der sie mit dem spektakulären Mondflug für Amerika und seine Raumfahrt warben, führte sie in 37 Tagen in 24 Länder auf fünf Kontinenten. Bonn, die „provisorische“ Hauptstadt der Bundesrepublik, das „Bundesdorf“, war wohl die kleinste der Städte, die sie besuchten. Der Terminplan in Bonn lässt erahnen, was die Helden auf ihrer irdischen Tour zu erdulden hatten. Als sie vor genau 50 Jahren zusammen mit ihren Ehefrauen vormittags auf dem Flughafen Köln-Bonn ankamen, wurden sie gleich zum Kölner Rathaus gebracht, wo sie sich ins Goldene Buch der Stadt einschrieben. Danach weiter zur Beethovenhalle in Bonn, wo noch ein Goldenes Buch auf sie wartete. Nach einer Ruhepause mittags im Hotel folgte die Bundespressekonferenz mit einer Mondfilm-Vorführung, kommentiert von Armstrong und Aldrin. Danach Wiedervereinigung mit ihren Frauen und Gespräch mit Bundespräsident Gustav Heinemann, abends Staatsbankett mit Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger.

          Überall willkommen – nur nicht in Ungarn

          Am nächsten Tag ging es für Armstrong und Aldrin von Bonn aus für einen etwas ruhigeren Tag nach Berlin, wo sie Collins wiedertrafen. Der dritte im Bunde hatte schon an der Pressekonferenz nicht teilnehmen können, sondern sich hastig verabschiedet, um nach Genua zu fliegen. Dort sollte der in Rom als Sohn des damaligen amerikanischen Militärattachés geborene Astronaut Goldmedaillen einer wissenschaftlichen Gesellschaft für die drei in Empfang nehmen. Mit Deutschland verbindet Collins, dass er – wie Aldrin – eine Zeitlang auf dem amerikanischen Luftwaffenstützpunkt Bitburg stationiert war. Vielleicht waren ihre Gedanken dort, als sie sich in das Goldene Buch der Stadt Bonn eintrugen. Und Armstrong? Dachte er an seine Vorfahren aus Ladbergen im Tecklenburger Land, von denen einer seiner Urgroßväter im 19. Jahrhundert nach Amerika ausgewandert war?

          Überall in der Welt waren die drei Mondreisenden damals willkommen – nur nicht in Ungarn. Denn 1945 hatte die amerikanische Armee die von den Ungarn verehrte Stephanskrone übernommen, um sie vor dem Zugriff durch Hitlerdeutschland und die Sowjetunion zu schützen. Man hatte sie aber immer noch nicht zurückgegeben, weil Ungarn kommunistisch regiert wurde. Erst 1978 traf die heilige Stephanskrone wieder in Budapest ein.

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