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„German Gemütlichkeit“ : Bier und Bundesliga in New York

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Frisch gezapft: Mehr als 60 Biergärten gibt es in New York schon. Bild: dpa

Blasmusik, Weißwürste, literweise Bier und sogar deutsche Bundesliga: New York erlebt einen regelrechten Biergarten-Boom. Die neuen Läden räumen mit dem angestaubten Schützenteller-Image ihrer Vorgänger auf.

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          Im „Zum Schneider“ dudelt Blasmusik, und von der Decke hängen künstliche Kletterrosen. Die Tische sind aus rustikalem Holz und die Wände aus Klinker, geschmückt mit Lebkuchenherzen, bayerischen Fahnen und einem gerahmten Porträt von König Ludwig II.. Ein ganz normales bayerisches Wirtshaus - nur mitten in Manhattan. In dem sogenannten „Indoor-Beer-Garden“ mitten im Trendviertel East Village versorgt Sylvester Schneider seine Gäste mit Weizenbier, Weißwürsten und Brezn. An den Wochenenden gibt es an der Avenue C sogar Haxn.

          Lange habe er nach einem geeigneten Ort für seine Pläne gesucht, erzählt Schneider, 49 Jahre alt und einst in die Vereinigten Staaten ausgewandert, um Musik zu studieren. „Eigentlich wollte ich einen richtigen Biergarten, der nur im Sommer auf hat, aber es ist sehr schwer, in New York freie Grünflächen zu finden. Vor allem, wenn man dort auch noch ausschenken möchte.“ So wurde das „Zum Schneider“ eben ein Wirtshaus mit Innen-Biergarten.

          Sylvester Schneider, ein deutscher Wirt in New York
          Sylvester Schneider, ein deutscher Wirt in New York : Bild: dpa

          Als Schneider seinen Laden vor 14 Jahren aufmachte, war er einer der Ersten. Deutsche Restaurants, die meisten von Einwanderern gegründet, haben in der Millionenmetropole zwar eine lange Tradition, aber sie wirken meist traditionell und verstaubt. „Unter Liedertafelkränzen, Schützenscheiben, Turnerfahnen gab es an altdeutschen Kaiser-Wilhelm-Tischen Sauerbraten und Thüringer Klöße zu essen“, beobachtete der Schriftsteller Wolfgang Koeppen schon in seinem 1959 erschienen Reisebericht „New York“. Die 86. Straße auf der Ostseite Manhattans, traditionell das Zentrum der deutschen Einwanderer, beschrieb er als „deutschen Alptraum“.

          Mehr als 60 Biergärten gibt es schon

          Ein halbes Jahrhundert später ist das Dekor zwar vielerorts ähnlich, aber die neuen deutschen Restaurants sind offener, freundlicher und an ein jüngeres Publikum gerichtet. Sie heißen „Hallo Berlin“, „Radegast Hall“, „Loreley“ oder „Killmeyer’s“ - und sie haben riesigen Erfolg. In der Millionenmetropole, wo Restaurants mit Gartenausschank bislang Mangelware waren, ist ein Biergarten-Boom ausgebrochen. 63 zählt die eigens von Fans eingerichtete App „Beer Gardens NYC“ inzwischen, das sind rund zehn mehr als noch im vergangenen Jahr. „Überall Biergärten“, schrieb jüngst sogar die „New York Times“.

          Die Gäste schätzen Bier, Würste, „German Gemütlichkeit“ - und immer stärker sogar die deutsche Bundesliga. „Mir hat man schon so oft die Frage gestellt, warum die Amerikaner mit Fußball nichts anfangen könnten. Für mich ist das Blödsinn. Fußball ist auf jeden Fall beliebter als man denkt“, sagt ein Stammgast in der Kneipe „Football Factory“, den alle nur „Chopper Harris“ nennen, nach einem früheren Verteidiger seiner Lieblingsmannschaft Chelsea London. Das sieht auchsagt Jack Keane so, Mitarbeiter des Lokals an der Fifth Avenue: „In den vergangen 20 Jahren hat sich das Blatt komplett gewendet. Fußball ist wirklich beliebt geworden.“ Bei Bundesliga-Spielen sei die Kneipe immer rappelvoll.

          Biergärten sind auch Zufluchtsort bei Heimweh

          Natürlich genießen nicht nur New Yorker, sondern auch in der Millionenmetropole lebende Deutschsprachige und Touristen die Biergärten und Wirtshäuser. „Mir gefällt es hier“, sagt Hedwig Sommer, die vor kurzem aus Österreich nach New York gezogen ist und im eher traditionellen Restaurant „Heidelberg“ ein Bier trinkt. Das Lokal sei für sie ein Zufluchtsort bei Heimweh. „Die Atmosphäre ist wirklich toll.“

          Auch deutsche Feiertage und Feste wie Karneval, Sankt Martin oder Advent werden in vielen der Wirtshäuser und Biergärten zelebriert - und natürlich das Highlight des Jahres: Oktoberfest. Dann ist auch bei Wirt Sylvester Schneider im „Zum Schneider“ im East Village garantiert volles Haus - so sehr, dass er die Party sogar schon einschränken muss. „Wir feiern nur an den drei Wochenenden.“

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