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Zwetschgenmänner : Trockenobst? Bloß nicht! Oder?

  • -Aktualisiert am

Man achte auf die Gliedmaßen: Könnte, was hier so dröge nach Trockenpflaumen aussieht, in Wirklichkeit eine lang vergessene Spezialität für Ernährungsbewusste sein? Bild: Tobias Schmitt

Lange Zeit ein Weihnachtssymbol – und dann zur Folklore verkommen. Inzwischen hat Trockenobst sein Image als Nascherei für Arme abgelegt. Dann müsste aber auch der Dörrobstmann wieder im Trend liegen. Oder? Unsere Autorin hat nachgeschaut.

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          Elf Pflaumen, drei Stäbchen und eine Nuss. Zu finden auf Weihnachtsmärkten in ganz Deutschland. Und in meinen Erinnerungen an Tante Lieschen.

          Wenn Tante Lieschen in der Adventszeit zu Besuch kam, stöhnten wir Kinder genervt: „O nein. Nicht schon wieder ,Fang den Hut!‘. Und ihre Dattel- und Pflaumenmännchen!“ „Fang den Hut!“ war Tante Lieschens Lieblingsbrettspiel, und Trockenobstfiguren waren ihr Lieblingsgeschenk. Erstanden ausschließlich auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt, zu dem sie auch mit über 70 noch eineinhalb Stunden mit dem Zug fuhr, um dort ihre Weihnachtseinkäufe zu tätigen. Einmal probierte ich eine Pflaume. Sie schmeckte alt und rauchig. Und führte dazu, dass ich den alljährlichen Zwetschgenmann fortan in den Mülleimer beförderte, sobald Tante Lieschen das Haus wieder verlassen hatte. Man kann sagen: Mein Verhältnis zu Trockenobst ist seitdem gewissermaßen gestört.

          Seit Kurzem fühle ich mich von den trockenen Früchten zudem regelrecht verfolgt. Im Bio-Supermarkt meiner Wahl gibt es jetzt eine Trockenobst-Bar. Dafür musste die gutsortierte Kosmetikauswahl weichen! Selbst beim Discounter findet man Apfelringe, getrocknete Mangoscheiben und gedörrte Pflaumen mittlerweile palettenweise. Neuster Trend: Cranberrys. Fitnesspäpste und Sportler haben das Obst für sich entdeckt. Auch die Gourmetküche schwärmt: Tim Mälzer liebt Dörrobst als Füllung in seinen Kohlrouladen, Johann Lafer bringt sie zur Kalbsbrust. Selbst sonntagabends im „Tatort“ isst man in der Rechtsmedizin Trockenfrüchte.

          Besser als Schokolade?

          Und jetzt kommt auch noch die Weihnachtszeit! Und sicherlich Post von Tante Lieschen!

          „Probier doch mal“, sagt meine Arbeitskollegin neben mir und legt auf die Arbeitsfläche meines Schreibtisches eine Handvoll Trockenpflaumen. Ich bin umzingelt.

          „Is voll lecker! Und ein Kraftpaket!“ Meine Arbeitskollegin, die in ihrer Freizeit Triathlon trainiert und sich extrem bewusst ernährt, sieht mich aufmunternd an. Sie ist das, was andere einen „dürren Haken“ nennen. Trockenpflaumen-Kalorien können ihr egal sein.

          „Jetzt stell dich nicht so an“, drängt sie, „die bestehen fast zu 60 Prozent aus Kohlehydraten - Energie pur. Und sind in jedem Fall besser als deine Schokolade da drin.“ Sie deutet auf die Schreibtischschublade mit meinen geheimen Vorräten.

          Zuverdienst: Kinder armer Familien versuchten durch den Verkauf von Obstmännchen ihre Familien zu unterstützen.
          Zuverdienst: Kinder armer Familien versuchten durch den Verkauf von Obstmännchen ihre Familien zu unterstützen. : Bild: Tobias Schmitt

          Ich gebe zu, davon zurzeit des Öfteren Gebrauch zu machen. Jetzt, wo es draußen kalt ist und nachmittags um vier schon dunkel. Meine Arbeitskollegin doziert: „Getrocknete Früchte haben nur etwa halb so viele Kalorien wie Schokolade. Dazu liefern sie dir Mineralstoffe und Vitamine und natürlich Ballaststoffe für eine gesunde Darmfunktion!“

          Energieschub durch Trockenobst

          Tatsächlich gilt Dörrobst mittlerweile als abwechslungsreiche Zwischenmahlzeit. Vor allem, weil darin jede Menge Mineralien wie Eisen, Kalzium, Kalium, Magnesium sowie die Vitamine A, B1, B2, B3, B5 und B6 stecken. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, fünfmal am Tag frisches Obst und Gemüse zu essen. Eine Portion davon könne durchaus auch aus Trockenfrüchten bestehen. „Die Größe einer Portion ist etwa eine halbe Hand voll. Trockenfrüchte liefern schnell und konzentriert Energie“, erklärt Angela Berthold vom Fachreferat „Diet-Body-Brain“ bei der DGE.

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