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Alfons Schuhbeck wird 70 : Unser aller Koch

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Schuhbeck, unser Festtagskoch: Für eine Fernsehsendung hat er Hummer angerichtet. Bild: dpa

Er füllt vom Sternekoch bis zum Gewürzhändler so viele Rollen aus, dass man denkt, es gäbe ihn mehrmals: Alfons Schuhbeck zum siebzigsten Geburtstag.

          Man muss Alfons Schuhbeck abseits der Fernsehkameras erlebt haben, um ihn kennen zu können, in einem intimen, unbeobachteten Augenblick wie jenem Abend in der Art-Déco-Bar des ikonischen Peace Hotels an Schanghais Prachtboulevard Bund. Schuhbeck war für seine Gewürzbücher auf einer der vielen Reisen durch Asien, hatte einen langen Tag in Garküchen, auf Straßenmärkten, bei Spitzenköchen hinter sich, saß nun mit einem Wein in einem Ledersessel, lauschte der Jazzmusik, summte die Melodie leise mit und erinnerte nun in nichts mehr an den Alfons Schuhbeck, den ganz Deutschland zu kennen glaubt: Er war jetzt nicht mehr der rast- und ruhelose Bildschirmberserker, nicht mehr der omnipräsent öffentliche Oberbayernhansdampf, sondern ein Mann, der sich mit größtem Vergnügen einen Moment der Ruhe gönnte und das Privileg der Privatheit genoss, ein verhinderter Musiker, der vielleicht etwas melancholisch über die Wege des Schicksals nachdachte, und immer auch ein leidenschaftlicher, vor Neugier brennender und nun hochzufriedener Koch, weil er seinem Ziel, alles über Gewürze zu wissen, an diesem Tag wieder ein Stück näher gekommen war.

          Alfons Schuhbeck ist nicht nur der bekannteste deutsche Fernsehkoch, sondern Inbegriff und Idealbild dieser ganz besonderen Profession. Seit Jahrzehnten sendet er auf allen Kanälen, macht Generationen von Zuschauern vor allem die Welt der Gewürze und die Küche seiner bayerischen Heimat schmackhaft, fehlt bei kaum einem Showkochen und ist mit seinem rustikalen Charme, seinem lakonisch bärbeißigen Witz und seinem enzyklopädischen Wissen oft der Mittelpunkt der Veranstaltung – ein geborener Entertainer, dem es aber im Gegensatz zu vielen seiner Bildschirmkollegen nie um bloße Unterhaltung geht, weil ihm die gute Küche eine Herzens- und Missionsangelegenheit ist.

          Mit einem Leben nach Konventionen hat sich Schuhbeck nie begnügt. Er wuchs im Chiemgau auf, ließ sich als junger Mann von einem Gastronomen adoptieren, übernahm dessen Lokal in Waging am See, erkochte sich dort 1983 seinen ersten Michelin-Stern, unterhielt die Gäste nach dem Service mit seiner Band, huldigte gemeinsam mit Eckart Witzigmann der Haute Cuisine, war sich aber auch für keine Bierzeltbratwurst zu schade und fand nebenbei noch die Zeit, sich ein kulinarisches Imperium aufzubauen, dessen äußeres Epizentrum das Münchner Platzl und dessen wahres Herzstück er selbst ist.

          So viele Rollen füllt Alfons Schuhbeck inzwischen aus, dass man fast glauben mag, es gäbe ihn mehrmals. Er ist Sternekoch, Fernsehstar und Gewürzhändler, er hat einen Eissalon, einen Müsliladen und ein Teegeschäft, er kocht in einem Theaterzelt, verköstigt die Spieler des FC Bayern München und ist Autor einer ganzen Bibliothek ausgezeichneter Kochbücher. Wer ihn aber in seinen stillen Momenten erlebt, weiß, wo er sich am glücklichsten und ganz bei sich fühlt. Am Donnerstag wird Alfons Schuhbeck, der so vieles und in seinem Herzen nichts lieber als Koch mit Haut und Haaren und Leib und Seele ist, siebzig Jahre alt.

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