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Zinfandel-Rebsorte : „Im Mittelpunkt steht die Frucht“

Rebsorte mit Tradition: Im Jahr 1885 haben Edoardo und Angela Seghesio, Teds Urgroßeltern, hier in Sonoma Country die ersten Zinfandel-Stöcke gepflanzt. Bild: CrimsonWine

Zinfandel ist eine kalifornische Besonderheit. Unser Autor hat mit Ted Seghesio, Spezialist für diese Rebsorte, gesprochen und einige Weine probiert.

          5 Min.

          Ted, stellen Sie sich vor, Sie treffen jemanden, der noch nie einen Zinfandel-Wein getrunken hat.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das kann ich beim besten Willen nicht.

          Nur einmal angenommen: Wie würden Sie so jemandem beschreiben, was ihn erwartet?

          Nun, allein die Geschichte der Zinfandel-Rebe in Amerika ist schon ein Knaller. Diese Sorte kam als Tafeltraube von der Ostküste in den Westen, wurde während des Goldrauschs zwischen 1848 und 1854 in Kalifornien populär und war kaum 20 Jahre später schon die wichtigste Rebsorte an der Westküste. 40 Prozent aller kalifornischen Rebflächen waren damals mit Zinfandel bestockt. Das ist heute anders, Cabernet Sauvignon hat den Spitzenplatz eingenommen, aber Zinfandel ist eine amerikanische Spezialität von großer Bedeutung. Unser Familienunternehmen wurde von Edoardo und Angela Seghesio, meinen Urgroßeltern, gegründet. Sie pflanzten 1885 die ersten Zinfandel-Reben auf der „Home Ranch“, unserem Stammsitz im Alexander Valley in Sonoma County.

          Und wie schmecken die Weine?

          Im Mittelpunkt steht die Frucht. Die Weine zeigen intensive Aromen von dunklen Waldfrüchten, also Brombeeren, Himbeeren und schwarzen Kirschen. Und dazu kommt eine charakteristische Würze, die an Zimt, Nelken und schwarzen Pfeffer erinnert. Diese Partnerschaft von Frucht und Würze ist typisch für Zinfandel. Aber was sollen wir lange reden? Ich gebe Ihnen erst mal ein Gläschen von unserem Zinfandel Sonoma County 2016 zum Probieren. Dann können Sie selbst schmecken.

          Ja, sehr gerne. Hm, schon in der Nase ist er sehr fruchtig. Ich rieche Himbeeren, Kirschen und Aromen von Gewürzen ...

          Genau so soll es sein.

          Und im Mund ist er sehr opulent und schmeckt nach dunklen Beeren und Pflaume, und dann sind da auch noch Noten von weißem Pfeffer und Zimt, würde ich sagen.

          Nicht übel. Das beschreibt unseren Wein ziemlich gut. Wichtig ist uns, dass die Frucht klar im Vordergrund steht und die Gewürzaromen einbindet. Unser Zinfandel soll saftig und vollmundig sein, aber nicht plump, sondern auch frisch und animierend, wie ein guter Essensbegleiter eben sein sollte.

          Warum ist Zinfandel vor allem bei Ihnen im Sonoma-Tal so verbreitet und nicht so sehr im benachbarten Napa Valley?

          In Napa gilt immer noch: „Cab is king.“

          Soll heißen: Cabernet Sauvignon stellt alle anderen roten Rebsorten in den Schatten?

          Ganz genau. Dort sind die Bedingungen für Cabernet Sauvignon ideal, für andere Sorten wie Pinot Noir ist es dagegen zu heiß. Sonoma ist insgesamt kühler und vor allem diverser, so dass mehr unterschiedliche Sorten angebaut werden. Und Zinfandel ist hier schon immer von großer Bedeutung gewesen.

          Kalifornischer Grandseigneur: Ted Seghesio hat viele Jahre das Weingut seiner Familie geführt, jetzt ist er als Berater tätig.
          Kalifornischer Grandseigneur: Ted Seghesio hat viele Jahre das Weingut seiner Familie geführt, jetzt ist er als Berater tätig. : Bild: Peter Badenhop

          Was ist das Wichtigste, um einen guten Zinfandel zu keltern?

          Abgesehen von guten Böden und möglichst alten Rebstöcken würde ich sagen: Man sollte gleichmäßig gereifte Trauben ernten. Denn je nach Reifegrad zeigt Zinfandel unterschiedliche Noten, und um ein stimmiges Gesamtbild zu bekommen, muss man während der Lese sehr aufmerksam sein.

          Ist Zinfandel eine schwierige Sorte?

          Sie ist nicht ganz so robust wie andere, hat eher kleine Beeren mit dünner Schale und ist deshalb anfällig für verschiedene Krankheiten. Ja, wenn ich es recht überlege, ist es wohl eine der anstrengendsten Rebsorten für uns – und das, obwohl wir auch Pinot Noir haben, den ultimativen heartbreaker.

          Im Grunde ist Zinfandel aber doch identisch mit der Primitivo-Rebe, die vor allem in Italien angebaut wird.

          Ganz so einfach ist es nicht. Es ist eher so, dass die beiden Sorten einen gemeinsamen Ursprung haben, nämlich in der alten kroatischen Sorte Tribidrag, die noch viele andere Namen hat, unter anderem aber auch „Crljenak Kaštelanski“ genannt wird. Eine genetische Untersuchung ergab, dass Zinfandel und Primitivo Klone der gleichen Sorte sind. Sie haben also die gleiche DNA, aber sie haben im Laufe der Zeit wahrscheinlich ein paar Mutationen durchgemacht, so dass sie heute zum Teil ganz unterschiedliche Weine hervorbringen.

          Eines der wichtigsten Anbaugebiete für Primitivo ist Manduria in Apulien. Von der Cantine San Marzano heißt es, ihre Primitivos könnten es mit den besten kalifornischen Zinfandeln aufnehmen. Wollen Sie mal probieren? Ich habe eine Flasche Sessantanni Primitivo di Manduria 2016 mitgebracht.

          Gute Idee. Lassen Sie mal sehen: Das Etikett ist schon mal sehr cool.

          Und wenn Sie jetzt riechen und schmecken, können Sie mir sagen, ob Sie den Wein auch so würzig finden.

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