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Kolumne Geschmackssache : Wie Sie den richtigen Korkenzieher finden

Kenner streiten sich darüber: Welcher ist der perfekte Korkenzieher? Bild: AFP

Hunderte verschiedener Korkenzieher sind schon erfunden worden, doch ist auch das perfekte Modell dabei? Das ist unter Weinliebhabern eine Glaubensfrage, die wir jetzt beantworten.

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          Karl Wienke war ein Genie, so wie Carl Benz oder Johannes Gutenberg. Das weiß nur niemand, obwohl bis heute Millionen Menschen Tag für Tag vom Geniestreich dieses Mannes profitieren, von dem wir nichts weiter wissen als seine Herkunft aus Rostock: Im Jahr 1882 erfand er das Kellnermesser, einen Korkenzieher im Taschenmesserformat mit versenkbarem Messerchen am einen Ende, mit dem die Kappe von der Weinflasche gelöst wird, einer aufklappbaren Spindel in der Mitte und einer Stütze mit zwei Einkerbungen am anderen Ende, die es erlauben, den Korken in einem Doppelschritt unter Ausnutzung der Hebelwirkung sachte und mit minimalem Kraftaufwand aus der Flasche zu ziehen – eine ungemein elegante, lustvolle, geschmeidig ineinandergreifende Bewegung.

          Jakob Strobel y Serra

          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Das Kellnermesser gibt es als Basisversion aus Edelstahl für eine Handvoll Euro oder als Laguiole-Luxusvariante aus Damaszener-Stahl für ein paar hundert Euro, es gehört zur Grundausstattung jedes ehrenwerten Sommeliers und gilt Weinliebhabern wie uns ohne jeden Zweifel als bester Korkenzieher aller Zeiten – was zweifellos Widerspruch hervorrufen dürfte, weil die Wahl des richtigen Korkenziehers unter Weinliebhabern nichts weniger als eine Glaubensfrage ist.

          Korken benutzten die Menschen schon in der Antike als Verschluss für ihre Weinamphoren. Einen Korkenzieher brauchten sie aber nicht, weil sie die Pfropfen mit der bloßen Hand entfernen konnten. Dom Pérignon, einer der Ahnherren des Champagners, verwendete im siebzehnten Jahrhundert als Erster Naturkorken statt Holzstopfen, um seine Schaumweine hermetisch zu verschließen. Auf einen Korkenzieher konnte allerdings auch er verzichten, weil der Überdruck in der Flasche die Korken von allein herausschießen ließ. Ganz anders sah das bei der feinen Gesellschaft aus, die im achtzehnten Jahrhundert ihren Wein aus Glasflaschen statt Fass oder Schlauch zu trinken wünschte. Für sie wurden die ersten Korkenzieher nach dem Vorbild der Spindelbohrer entwickelt, mit denen die Soldaten die Läufe ihrer Musketen von Pulverresten und Projektilen reinigten.

          Im Jahr 1795 meldete Samuel Henshall, ein Pfarrer aus Oxford, das erste Korkenzieherpatent der Geschichte an, dem Tausende folgen sollten. Und da Korkenzieher für manche Menschen nicht nur Gebrauchsgegenstände, sondern Leidenschaft und Lebenssinn sind, gibt es heute einen Fachbegriff für das Korkenziehersammeln – die Pomelkophilie, abgeleitet von den griechischen Wörtern „poma“ für Stöpsel und „elken“ für ziehen –, eingetragene Vereine der Korkenzieherfreunde und etliche Korkenziehermuseen etwa in Barolo, am Kaiserstuhl oder im provençalischen Städtchen Ménerbes.

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