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Hilfsangebote und Lieferdienst : Wie Restaurants in Zeiten von Corona kreativ werden

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Sternerestaurants wie das Berliner „Nobelhart und Schmutzig” oder das „Haus Stemberg” in Velbert bieten gleich ein mehrgängiges Menü an: Sterne-Gastronomie für zu Hause! Während die Gäste im Restaurant an einem Abend gut und gerne zwei bis drei Stunden am Tisch verbringen, soll das Sterne-Erlebnis nun direkt auf dem Küchentisch möglich werden: „Wir bieten den Leuten weiterhin die Möglichkeit, mal eine Stunde abzuschalten – aber jetzt eben bei ihnen daheim. Wir kochen das Essen vor, sie müssen es nur noch aufwärmen, können sich eine Kerze dazu bestellen und bekommen Musikvorschläge”, so Gastronom Billy Wagner von „Nobelhart und Schmutzig”.

Vor Ort kann man keine Speisen mehr essen, aber mitnehmen darf man sie noch wie hier in einem Einkaufszentrum in Sydney.

„Das gibt uns zum einen die Möglichkeit, die Produkte, die wir vorrätig haben, zu verwenden und zum anderen den Kontakt zu unseren Erzeugern, denen zurzeit die Vertriebswege wegbrechen, aufrecht zu erhalten.” Wieder andere Restaurants fokussieren sich auf das Liefern von Biokisten ihrer sorgfältig ausgewählten Produzenten, wie es das „Ernst” in Berlin macht oder das „100/200” in Hamburg – von Gemüse und Obst bis hin zu Milch und Käse gibt es alles Nötige für die Verpflegung zu Hause.

Bei all den Initiativen, die momentan deutschlandweit aus dem Boden sprießen, gilt: #supportyourlocal – denn nur wer bei kleinen Unternehmen aus der näheren Umgebung einkauft, hilft dabei, die lokale Gastronomie-Szene am Leben zu erhalten.

#kochenfürhelden

Aber nicht nur die Gäste können die Restaurants unterstützen; die Restaurants selbst helfen in der Corona-Krise aus. Koch Max Strohe und sein Team vom Berliner Sternerestaurant „Tulus Lutrek” machen es vor: Unlängst haben sie für das Team eines Berliner Krankenhauses Gulasch gekocht. „Nach ein paar Tagen Schließung ist uns die Decke auf den Kopf gefallen”, sagt Strohe. Also haben sie das gemacht, was sie am besten können: „Gerichte kochen, die gesund und nachhaltig sind und satt machen.”

Seit Montag gibt es das Crowdfunding-Projekt auf Startnext: Unter #kochenfürhelden wird Unterstützung gesammelt, um weiterhin für all die Helfer zu kochen, die an vorderster Front gegen Corona kämpfen: von Ärzten und Ärztinnen über Pfleger und Pflegerinnen bis hin zu Supermarktangestellte. Was in diesen Tagen Hoffnung macht? Die Art und Weise, wie sich die Gastro-Branche zusammentut, um sich gegenseitig zu unterstützen – und gemeinsam Forderungen an die Politik zu stellen.

Die Politik muss helfen – und zwar schnell

Denn es braucht vor allem eines: Soforthilfen für die Restaurants. Eine der ersten Petitionen wurde von der Hamburger Gastro-Szene ins Leben gerufen – von Koral Elci von „Kitchen Guerilla", Johannes Riffelmacher von „Salt & Silver" und Patrick Rüther von der „Bullerei". Mehr als 100 Restaurants haben den Brief an die Stadt Hamburg unterzeichnet, mittlerweile schließen sich immer mehr Restaurants auch bundesweit. an. „In solchen Situationen gibt es zwei Gruppen: Entweder hast du Macht und Mittel oder du bist schnell und kreativ! Wir gehören zur Gruppe schnell und kreativ”, sagt Elci. Die Forderungen der Restaurants sind unter anderem die „sofortige und 100-prozentige Kostenübernahme aller Bruttogehälter (Vollzeit und Teilzeit), Fortzahlungen aller ausgefallenen Arbeitsstunden für unsere Minijobber*innen und studentischen Aushilfen, (sowie) Steuernachlässe anstelle von Stundungen und Aufschiebungen.” Je schneller die Politik Entscheidungen trifft, desto besser.

„Wir schreiben aber nicht nur Briefe, sondern schaffen auch Tatsachen.” So hat „Kitchen Guerilla” die „Soli-Küche” gestartet – um Obdachlosen und weiteren bedürftigen Menschen eine warme Mahlzeit in Zeiten der Corona-Krise zu ermöglichen. Zusammen mit weiteren Köchen wie Tim Mälzer hat die Initiative nach dem Berliner Vorbild von Max Strohe und dem „Tulus Lutrek” den Hamburger Ableger von #kochenfürhelden gestartet. Und die Nachfrage wird immer größer: Nachdem auch die Kantinen geschlossen sind, wenden sich immer mehr Corona-Teststationen und Hygieneinstitute an die Restaurants. Von München über Mainz und Frankfurt bis nach Istanbul schließen sich dieser Tage immer mehr Restaurants für den guten Zweck zusammen.

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