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Fastfood aus dem Automaten : Fettiges für die frühen Morgenstunden

  • -Aktualisiert am

Für Touristen eine spannende Angelegenheit: zwei junge Frauen in einem Febo in Amsterdam Bild: mauritius images / Marek Slusarc

Münzen einwerfen, Knopf drücken, schon schnappt das Fach auf und gibt den Griff auf einen Snack frei. Die Fastfood-Kette Febo ist bei den Niederländern nicht geachtet, wird aber rege genutzt.

          6 Min.

          Amsterdam Stadtmitte. Am Rembrandtplein mit dem Denkmal des berühmten Malers, unweit vom Blumenmarkt, reihen sich Restaurants, Bars und Cafés aneinander. Die meisten haben Speisenkarten draußen ausgelegt, eine Gruppe Männer in aufeinander abgestimmten blaugestreiften T-Shirts beugt sich über die Karte des argentinischen Steakhauses. Diskutiert wird auf Französisch. Gegenüber bei Febo geht es schneller. Dort hält sich niemand mit Lesen auf, denn aufgrund der Glasfächer ist ohnehin klar, welche Speisen gerade angeboten werden. Schon von weitem sind Cheeseburger und Frikandeln (frittierte Fleischrollen aus Hackfleisch) zu erkennen. Dabei ist jede vertikale Glasfach-Reihe von oben nach unten mit dem gleichen Snack gefüllt. Nur für Orts- und Systemfremde stehen die Bezeichnungen auf Niederländisch und Englisch auf einem Display über den jeweiligen Reihen: „Kaassoufflé“ – Cheese soufflé. „Kipburger“ – Chickenburger. „Bamikroket“ – Fleisch-Gemüse-Kroketten.

          Trotzdem steht ein älteres Ehepaar mit Tagesrucksack und Regenschirm mit Amsterdam-Logo etwas unschlüssig vor den Glasfächern, die die gesamte linke Wand des Imbisses ausfüllen, der sowieso überall gleich aussieht, weil das Konzept und das Design der Läden vereinheitlicht sind. Zwölf Spalten und acht Reihen mit Fastfood-Fächern, mit einer Klappe aus Glas nach vorn zu den Kunden und nach hinten zur Küche. Neonschrift in Rot, Grün und Gelb. Heller Fußboden, helle Holzverkleidung am Tresen, an den Wänden Poster von cremig-weißem Softeis und künstlich-pink Milchshakes.

          Frittiertes Fleisch: Auswahl eines Febo-Automaten
          Frittiertes Fleisch: Auswahl eines Febo-Automaten : Bild: Prisma Bildagentur

          Bei den Bami-Kroketten, einem Import aus den ehemaligen Kolonien – wobei das ursprüngliche Gericht Bami, ein Mix aus Reisnudeln und Gemüse mit Fleisch, in der typisch niederländischen Manier handlich zu einer Rolle zusammenfrittiert wird –, führt ein junges, asiatisches Paar eine anregte Diskussion. Zeigt immer wieder in die Auslage. Daneben hat sich eine deutsche Gruppe, Mutter, Vater, Kind und Großeltern, im Halbkreis um die Käsesoufflés versammelt. Eine der Frauen fährt erschrocken zusammen, als draußen die Straßenbahn mit einem lauten Gong einen Touristen von den Schienen scheucht, der gerade eine Aufnahme von den alten Häuserfassaden der Fußgängerzone machen wollte.

          Mit einer Bankkarte kontaktlos bezahlen

          Sie holen Scheine aus ihren Portemonnaies hervor. Fünfer, Zehner. Aber ohne Münzen läuft hier gar nichts, denn die Produkte sind billig. Eine Krokette kostet 1,60 Euro, 100 Gramm Pommes gibt es für 1,70 Euro, einen Burger gerade einmal für 2,50 Euro. Bezahlt werden muss passend, denn die Automaten wechseln nicht. Erfahrenere Kunden weisen in die richtige Richtung zur Münzmaschine für Kleingeld.

          Eine Krokette soll es sein. Der kleine blonde Sohn hat sich bisher die Nase an den Vitrinen plattgedrückt. Nun wird er hochgehoben. Sein Vater wirft die Münzen ein und weist dem Kind den Knopf, auf den es drücken soll. Aber der Kleine bewegt sich nicht, macht nur große Augen. So drückt also die Mutter die Taste und zieht die Krokette an der typisch rot-weißen Febo-Pappschale aus der Warmhaltebox. Sie wechselt die unerwartet heiße Krokette von einer Hand auf die andere, legt sie schließlich auf einem der Bartische ab. Alle beugen sich darüber, beäugen die Kruste, die für die Bezeichnung goldgelb etwas zu dunkel geraten ist. Schließlich ist es Opa, der zuerst abbeißt und schmerzhaft das Gesicht verzieht. Auch der Inhalt ist heißer als erwartet. Er legt die Krokette zurück auf den Pappteller, wieder schauen alle, aber nun auf den Inhalt. Eine dampfende bräunliche Masse aus gestampften Kartoffeln und Rindergehacktem. Die Frauen kosten zaghaft, der Kleine weigert sich, und schließlich muss Papa den Rest aufessen.

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