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Gastronomie an Bord der Aida : Nie ohne Reis und Knäckebrot

  • -Aktualisiert am

Einfach schnell mal einkaufen gehen: Das klappt auf der AIDAperla nicht. Bild: Picture-Alliance

Kreuzfahrtschiffe sind schwimmende Städte. Wie soll man nur all die Gäste satt bekommen?

          Kirsten Preil schiebt die schwere Tür des Proviantraums auf Deck 3 auf. Es ist einer von vielen an Bord. An der einen Seite stapeln sich Hunderte Säcke Kartoffeln und Berge von frischem Gemüse und Obst. An der anderen türmen sich Milchtüten und Mehlpackungen bis zur Decke. „Das sollte bis Rotterdam reichen“, sagt die Küchenchefin des Gourmet-Bordrestaurants „Rossini“ zufrieden. Gerade befindet sich das Kreuzfahrtschiff in Barcelona. Bis es in den Niederlanden anlegt, werden 13 Tage vergehen.

          Mit bis zu 4400 Passagieren und 980 Crew-Mitgliedern ist die „AIDAperla“ eine schwimmende Kleinstadt. Dem entspricht der durchschnittliche Lebensmitteldurchsatz an Bord: 12 Tonnen Fleisch, 6 Tonnen Fisch, 900 Kilogramm Butter, 700 Liter Sahne, 4 Tonnen Mehl und gut 2000 Liter Eiscreme werden pro Woche verzehrt – und 5000 Hummer. Der Proviantbereich des Schiffes funktioniert in dieser Zeit wie ein Großmarkt. Die Küchenchefs, die für die zwölf Restaurants und drei Snackbars an Bord verantwortlich sind, melden die von ihnen benötigten Zutaten spätestens am Vorabend an den Proviantmanager. Der verbucht die Waren ordnungsgemäß als „verbraucht“ und lässt sie auf die jeweiligen Decks liefern.

          An Bord sind Planung und Weitblick nötig

          Und wenn in der Küche einmal die Zwiebeln ausgehen, genügt ganz wie zu Hause ein Gang aus der Küche in den Keller, der hier „Deck 3“ heißt? „Ungern“, sagt Kirsten Preil und schmunzelt. An Bord habe alles seine Ordnung, und der Proviantmanager pflege die Vorratslisten so akribisch wie ein Unternehmensbuchhalter die Steuerunterlagen. Wenn sich jeder Koch einfach holt, was er gerade braucht, droht Chaos – und den anspruchsvollen Kreuzfahrtgästen irgendwann eine Lücke auf dem Buffet.

          Damit es dazu nicht kommt, wird alles korrekt verbucht. Und was fehlt – von der Butter bis zum Kochtopf –, wird bestellt, und zwar im Hamburger Aida-Zentrallager. Von dort aus machen sich täglich Lieferungen für sämtliche Schiffe der Flotte auf den Weg – ganz gleich, wo auf der Welt die gerade unterwegs sind.

          Rund um die Uhr blubbert es in der riesigen Schiffsküche: Damit alle Gäste satt werden, braucht es auf der AIDAperla 12 Tonnen Fleisch, 6 Tonnen Fisch, 900 Kilogramm Butter, 700 Liter Sahne, 4 Tonnen Mehl und gut 2000 Liter Eiscreme pro Woche.

          Das inzwischen vielfach übliche Prinzip „heute bestellt, morgen geliefert“ gilt an Bord somit nicht, und das macht viel Planung und Weitblick nötig. Wer als Aida-Küchenchef auf einer Karibikroute erst Mitte Oktober an die Gänse und die Zimtstangen für das Weihnachtsessen denken würde, hätte seinen Beruf verfehlt. Es gelte, immer einen dicken Puffer zu haben und am besten gleich drei Varianten des berühmten Plan B, sagt Alexander Massenkeil. Der 50-Jährige führte früher ein eigenes Restaurant in Rheinland-Pfalz. Vor 14 Jahren fuhr er dann erstmals zur See – und ist dabei geblieben. Heute leitet er als Küchenchef die komplette Gastronomie an Bord der „AIDAperla“.

          Es gibt immer ein Problem, das gelöst werden muss

          Szenarien, in denen ein Plan B zum Einsatz kommt, kann es auf dem Meer so einige geben. Zum Beispiel, wenn das Schiff einmal wetterbedingt mehrere Tage lang keinen Hafen anlaufen und neuen Proviant aufnehmen kann. Auch für diesen Fall gibt es immer genügend Lebensmittel an Bord. Die Schiffsgastronomie arbeitet dann weiter, ohne dass die Gäste einen Qualitätsverlust bemerken, versichert Massenkeil. Dann piepst mal wieder sein Telefon. „Chefkoch!“, meldet er sich knapp, hört einen Moment lang zu und beendet das Gespräch: „Ich komme.“ In einem der zwölf Bordrestaurants gibt es immer ein Problem, das gelöst werden muss. Zeit, um selbst zu kochen, hat Massenkeil schon lange nicht mehr.

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