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Gastronomie in der Krise : Die weltbesten Köche unter dem Hammer

  • -Aktualisiert am

Gewinner von 2018 : Auch Massimo Bottura beteiligt sich an der Aktion. Bild: EPA

Ein Tag mit der Nummer eins der Welt, ein Gemüsemenü im Privathaus des Drei-Sterne-Kochs, Imkern mit der Spitzenköchin: Mit einer ungewöhnlichen Auktion will das Ranking „World’s 50 Best Restaurants“ der schwer gebeutelten Gastronomiebranche helfen.

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          Wen hätten die Juroren der Liste „World’s 50 Best Restaurants“ in diesem Jahr zur Nummer eins gekürt? Das „Noma“, das Anfang 2018 an seinem neuen Standort in Kopenhagen eröffnet hatte und im Vorjahr noch Platz zwei belegte, war wohl einer der heißesten Tipps für die diesjährige Verleihung. Allein, wir werden es nie erfahren: Die Bestenliste für 2020 wurde gecancelt, die für Juni geplante Gala in Antwerpen auf das kommende Jahr verschoben. „Diese Entscheidung wurde getroffen, als das volle globale Ausmaß der Pandemie offensichtlich wurde. Am 30. März kam dazu eine entsprechende Erklärung vom ,50 Best‘-Headquarter in London“, sagt Lorraine Haist, Academy Chair für Deutschland.

          Reisebeschränkungen und gesundheitliche Bedenken seien ein Grund gewesen, so die Organisation, die hinter dem Ranking „World’s 50 Best Restaurants“ steckt. Vor allem aber wolle man seine Kräfte bündeln, um der schwer gebeutelten Gastronomie-Branche wieder auf die Beine zu verhelfen. Gastronomen weltweit wurden gebeten, ihre Lage mittels Onlinefragebogen zu schildern und nicht zuletzt die „50 Best“ auf schon bestehende lokale Hilfsprogramme für betroffene Mitarbeiter und Partner, wie etwa Gemüsebauern, hinzuweisen.

          „Im Mai oder Juni diese Liste zu präsentieren, wäre tatsächlich wie Nachrichten von einem anderen Stern gewesen“, sagt Christian Grünwald, als Academy Chair für Österreich, die Schweiz, Ungarn und Slowenien zuständig. In unseren Breiten, so Grünwald, möge die Coronavirus-Lage ja derzeit überschaubar sein, aber Länder wie Peru, wo mit dem „Maido“ und dem „Central“ gleich zwei Restaurants Anwärter auf die Top Ten sind, haben massiv mit hohen Infektionsraten und Todeszahlen zu kämpfen. „Der Standby war absolut richtig, eine Zeugnisverteilung braucht gerade keiner in der Gastronomie. Auch der ,Guide Michelin‘ interessiert derzeit kaum jemanden.“  

          Wie wollen nun die Organisatoren des Rankings „World’s 50 Best Restaurants“ der Gastronomie, die auf allen Kontinenten von den Lockdown-Auswirkungen schwer getroffen wurde, auf die Beine helfen? Man hat einen Hilfsfonds gegründet, der von Sponsorengeldern und den Erlösen aus dem Verkauf eines Lockdown-Kochbuchs sowie einer besonderen Auktion gespeist wird: Im Rahmen von „Bid for Recovery“ werden von 3. bis 12. Juli kulinarische Erlebnisse versteigert, die man getrost als hochkarätig bezeichnen darf. Die über 150 Ereignisse wurden von Köchen aus der Bestenliste gestiftet, teilweise finanziell unterstützt von Mineralwasserabfüllern und Spirituosenproduzenten.

          „Sobald es sicher ist“

          Die Erlöse sollen Lokalen aller möglichen Klassen, nicht nur Spitzenrestaurants, zugutekommen; diese können sich bis Ende Juli für einen Anteil aus dem Hilfsfonds bewerben. Man sei gerade dabei, die Kriterien für die Gewährung von Zuschüssen im Detail fertigzustellen, sagt Lorraine Haist. Und Christian Grünwald meint: „Man wird sehen, in welchen Regionen die Gelder am bittersten nötig sind. Ich glaube eher nicht, dass Lokale in Mitteleuropa in den Genuss kommen. Und wenn, dann werden die Erlöse hier vermutlich vor allem sozialen Auffangprogrammen für Mitarbeiter zugutekommen.“ Da beginne es ja schon in Großbritannien mit seinem ziemlich ausgehöhlten Gesundheits- und Sozialsystem.

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