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Weingut Robert Schätzle : Das Leben ist kein Labor

Schlossherr: Robert Schätzle
Schlossherr: Robert Schätzle : Bild: Weingut Robert Schätzle

Die Rosenzeit bringt Gewächse hervor, die in Fass und Flasche eine vollkommene innere Ruhe gefunden zu haben scheinen – Weine aus Ersten Lagen wie den Mauerberger Riesling von 2016, der alles jugendliche Ungestüm hinter sich gelassen hat, jetzt Säure und Frucht altersweise ausbalanciert und niemandem mehr mit präpotentem Aromenbrustgetrommel beweisen muss, was für ein toller Kerl er ist; oder den Pinot Noir vom Heiligenstein des Jahrgangs 2015, der mit der Zeit rund und geschmeidig geworden ist, ohne seine Frische und Spannung zu verlieren, der keine Ecken und Kanten mehr hat, ohne darüber langweilig zu werden, sondern Leichtigkeit und Tiefgründigkeit mühelos miteinander verbindet.

Die reine Seele des Weins

Während seines Studiums in Bordeaux hat Robert Schätzle, dessen champagnereske Schaumweine keinen Zweifel an seiner tiefen Frankophilie lassen, das Alpha und Omega des französischen Weinbaus verinnerlicht: Terroir ist alles, und nichts gibt er auf Taschenspielertricks im Keller mit Enzymen oder Antioxidantien, die der gelernte Biotechnologe in jeder Verästelung kennt. Auch Erstbelegungen in seinen burgundischen Barriques meidet er wie der Teufel das Weihwasser, weil dann die Zeyt ganz gewiss keine Rosen bringt: „Unverdautes Holz macht mich melancholisch“, sagt Schätzle, der lieber glockenklare, morgentaufrische, seelenruhig heitere Weine wie den Riesling RS Ortswein keltert oder den minimal voluminöseren, aber nicht im Geringsten zur Fettleibigkeit neigenden Weißburgunder RS. Dass er auch auf die Pauke hauen kann, zeigt er mit dem rauchigen, fast dunkel dräuenden Riesling Katzenellenbogen oder dem muskulösen Riesling aus Alten Reben, der jeden Wettstreit mit einer Foie Gras aufnehmen könnte.

Es sind nicht die typischen deutschen Rieslinge, die Schätzle aus seinen Monopolluxuslagen holt. Sie lassen sich nicht von der Säure und schon gar nicht von der Frucht dominieren, kokettieren lieber mit ihrer Salzigkeit und Mineralität und werden trotz aller aromatischen Intensität nie fett, plump oder pappig. Das gilt vor allem für die Großen Gewächse wie den Mauerberger Riesling von 2016 oder seinen ein Jahr jüngeren Bruder vom Goldenen Loch, die dicht, aber nicht dick, geradlinig, aber nicht eindimensional sind und eines Tages wahrscheinlich nach nichts als der reinen Seele des Rieslings schmecken werden – nach Leben, nicht nach Labor.

Weingut Robert Schätzle Schloss Neuweier, Mauerbergstraße 21, 76534 Baden-Baden, Telefon: 0 72 23/9 66 70, www.schloss-neuweier.de.

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