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Weingut Michel am Kaiserstuhl : Gut Wein will Weile haben

Robin (l) und Josef Michel vom Weingut Michel in Vogtsburg-Achkarren Bild: Weingut Michel

Der Winzer Josef Michel aus Achkarren am Kaiserstuhl hat es nie eilig gehabt – und ist nun ein schönes Beispiel dafür, wie weit man es mit Geduld und Bedacht bringen kann. Die Kolumne Geschmackssache.

          3 Min.

          Achtzehn Millionen Jahre hat die Natur gebraucht, um den Kaiserstuhl zu formen, um Lava auszuspucken und aufzutürmen, sie erkalten und erodieren zu lassen und dabei Wunderweinberge wie den Achkarrer Schlossberg zu erschaffen, der mit seinen verwitterten Vulkanböden eine der besten Lagen, wenn nicht neben dem Ihringer Winklerberg die beste des Kaiserstuhls ist. Irgendwann vor langer Zeit muss Josef Michel von seinem Weingut auf den gegenüberliegenden Schlossberg geblickt und sich gesagt haben: Wenn die Natur sich das ganze Miozän und Pliozän und Pleistozän und Holozän Zeit gelassen hat, um ihr Werk zu vollenden, habe auch ich keine Eile. So ging er mit Bedacht an die Arbeit und erledigte sie im Vergleich zur Natur dennoch im Expresstempo. Nur fünfunddreißig statt achtzehn Millionen Jahre hat er gebraucht, um Weine wie seinen Weißburgunder vom Achkarrer Schlossberg zu keltern, sein künftiges Großes Gewächs, das dicht und voluminös, aber nicht fett und unförmig ist, das sich jeden Flirt mit der Frucht verbietet und stattdessen mit seinen vulkanischen Pfunden der Würze und Mineralität wuchert.

          Jakob Strobel y Serra

          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Alles fing damit an, dass Josef Michels Eltern Anfang der achtziger Jahre den ungeheuerlichen Schritt wagten, aus der örtlichen Winzergenossenschaft auszutreten und ihr eigenes Weingut zu gründen, der größte denkbare Affront in einem südbadischen Winzerdorf. Sie schickten den Sohn zu einem Weinküfer in die Lehre und übertrugen ihm im Alter von zwanzig Jahren die Verantwortung für den gesamten Keller, während sich der Vater um die viereinhalb Hektar Weinberge kümmerte. Er habe damals weder eine Strategie noch eine Vision gehabt, er sei naiv und blauäugig gewesen, sagt Michel, und als er 1983 seinen ersten Jahrgang abgefüllt habe, sei es einzig darum gegangen, sich im Dorf nicht zu blamieren.

          Die arrivierteren Winzer am Kaiserstuhl, die Salwey, Johner, Bercher, Heger, die zu jener Zeit noch längst nicht die Superstars von heute waren, halfen dem Jungspund nach Kräften, öffneten ihre Keller, teilten ihr Wissen, luden ihn zu Fassproben ein und konnten trotzdem nicht verhindern, dass er alle Fehler machte, die man als Winzernovize nur machen kann, wie er heute freimütig bekennt. Das Wichtigste, das er lernen musste, war eine einfache Wahrheit: „Die Arbeit im Keller ist ja keine Geheimwissenschaft, sondern ein Puzzle, da gibt es nichts zu verstecken oder zu verheimlichen. Je besser der Wein, je höher der Anspruch

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