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Riesling : Ein Wein erobert die Welt

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In der Weinwelt auffallend und wunderbar eigenständig: Riesling Bild: dpa

Der Riesling ist ein Phänomen: Er schmeckt einzigartig – und steht doch im Schatten anderer Weißweine. Unser Wein-Guru Stuart Pigott über den globalen Siegeszug der typisch deutschen Rebsorte.

          Es gibt nicht nur einen Zeitgeist, sondern auch einen Wein, der ihm entspricht, und Riesling ist der Weißwein unserer Zeit. Einer der wichtigsten Gründe dafür lautet, dass ihn die Pfennigfuchser und die Marketing-Abteilungen der großen Firmen im Gegensatz zu so vielen anderen Weinen und so vielen anderen Dingen in unserer globalisierten (und somit vereinheitlichten) Welt weitgehend in Ruhe gelassen haben. In einer Weinwelt, die von Rauch und Schall beherrscht wird, in der Geschmacksstandardisierung die Norm ist, bleibt Riesling auffallend und wunderbar eigenständig.

          Doch Moment mal – ich höre da ein paar Einwände: „Riesling ist meistens deutsch und immer süß, das kann nie Mainstream werden.“

          „Was ist mit Chardonnay? Ist der nicht viel bedeutender als Riesling?“

          „Was ist mit den großen weißen Burgundern und den hervorragenden Chardonnays aus Italien, Kalifornien und so?“

          „Hey, Sauvignon Blanc und Pinot Grigio sind total in – irren sich all die Fans dieser Weine?“

          „Was soll das überhaupt für eine Behauptung sein, Riesling sei besser als alle anderen Weine?“

          Viele ältere Weintrinker betrachten Riesling wegen der germanischen Ursprünge dieser Rebsorte weiterhin mit Skepsis. Ihnen ist nicht bewusst (oder sie übersehen es geflissentlich), dass Riesling an vielen Orten über den gesamten Erdball verstreut wächst, und sie beharren darauf, dass dieser Wein aus der falschen Ecke der Weinkultur kommt.

          Viele von ihnen haben nach wie vor die irrige Vorstellung, Riesling sei grundsätzlich süß, nur weil er das während der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts im Allgemeinen war. Heutzutage ist Riesling entweder richtig trocken oder zumindest trocken genug, um einen Platz am Esstisch zu verdienen. In der Tat sind Rieslinge ausgesprochen gute Essensbegleiter.

          Nur ein Prozent der Welt-Weinproduktion

          In den vergangenen Jahren erfreuen sich diese Weine unter neuen jungen und offenen älteren Weintrinkern immer größerer Beliebtheit. Sie sind dafür verantwortlich, dass Riesling in fünf aufeinanderfolgenden Jahren die Rebsorte war, die im amerikanischen Markt am meisten Wachstum verbuchen konnte und in vielen anderen Märkten auf der ganzen Welt im Aufsteigen begriffen ist. Heute sorgt Riesling regelmäßig für Begeisterung bei Millionen von Menschen, die genau diese Weine als zeitgemäß empfinden.

          Unser Weinexperte: Stuart Pigott

          Obgleich Riesling weltweit angebaut wird, stellt er nur etwa ein Prozent der Welt-Weinproduktion dar. Doch wenn Größe eine Rolle spielt, dann muss man auch Chardonnay vergessen und sich stattdessen mit der weißen Sorte Airén beschäftigen. Sie wird auf etwa 30 Prozent aller Weinberge kultiviert, das ist mehr als das Doppelte vom Chardonnay, doch wann haben wir das letzte Mal einen großartigen Airén getrunken? Wahrscheinlich ist uns noch nie einer begegnet, weil er ausschließlich in Spanien angebaut wird, der Name höchst selten auf dem Etikett auftaucht und die Weine ziemlich einfach ausfallen.

          Jeder Wein wird „easy to drink“

          Ich habe nicht das Geringste gegen eleganten Chardonnay, ob er nun aus dem Burgund, Kalifornien oder von irgendwo anders kommt, aber die richtig guten neigen dazu, selten und teuer zu sein. Auf der anderen Seite habe ich sehr wohl etwas gegen das, was ich „chardonnayhaltige Getränke“ nenne, nämlich Weine, die vor allem nach den in die Tanks gehängten Eichenchips schmecken, nach Toast und Vanille.

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