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Reiner Wein : Mal etwas ganz anderes

  • -Aktualisiert am

Weintester mit Lust auf Neues: Stuart Pigott Bild: Rainer Wohlfahrt

Durch Zufall stößt unser Autor auf Facebook auf Weine aus Kasachstan. Als das Paket zur Verkostung ankommt, erinnert die Verpackung jedoch eher an illegale Substanzen.

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          Die konventionelle Vorstellung von der Recherche des Weinkritikers sieht so aus: Er fährt zum Winzer oder bekommt ein Paket mit Probeflaschen vom Winzer zugeschickt (Freiwein statt Freibier!). Das trifft tatsächlich oft so zu, kann aber im 21. Jahrhundert auch ganz anders laufen.

          Den Weinbaustudenten Kai Schubert aus Waiblingen bei Stuttgart habe ich 1992 an der Mosel kennengelernt. Ein Jahrzehnt später besuchte ich ihn auf seinem Weingut "Schubert Wines" in Martinborough/Neuseeland. Von den ersten Weinen war ich bereits angetan, aber die Qualität seiner Pinot-Noir-Rotweine (Spätburgunder) ist seitdem noch deutlich gestiegen. Ein paarmal schlugen sie in Blindverkostungen teure Burgunder. Trotzdem setzen Kai Schubert und seine Frau Marion das Gros ihrer Produktion nicht in den Vereinigten Staaten oder Deutschland ab, sondern auf Märkten wie São Paulo und Moskau. So weit die Geschichte dahinter.

          Verpackt wie eine Sendung Heroin

          Vor ein paar Monaten nun war Kai Schubert in Kasachstan, um diesen neuen Markt zu erschließen. Nebenbei verkostete er einige überraschend gute lokale Weine und postete das auf Facebook. Ich klickte "mag ich" und schickte ihm eine Nachricht mit der Bitte um Probeflaschen. Was er versprach. Als ich ihm meine aktuelle Postanschrift schickte, fiel mir auf, dass ich seine eigenen Weine lange nicht verkostet hatte. Also bat ich auch um diese Proben.

          Zwei Wochen später nahm eine Speditionsfirma in der Nähe des Frankfurter Flughafens Kontakt mit mir auf und fragte nach Informationen, um ein Weinpaket aus Kasachstan zolltechnisch abfertigen zu können. Ein Brief mit dem Hinweis auf meine langjährige Tätigkeit als Weinkolumnist dieser Zeitung genügte glücklicherweise. Fast gleichzeitig traf das Paket von Schubert Wines aus Waiblingen ein. Beim Auspacken der Flaschen des Weinguts Assa Valley Almaty in Kasachstan verblüffte mich die ungewohnte Verpackung, das wirkte eher wie eine Sendung Heroin als eine Sendung Wein! Dagegen waren die Etiketten erstaunlich modern und elegant. Dann standen auch schon die Flaschen und Verkostungsgläser auf dem Tisch.

          Birnenduft und saftige Trauben

          Die drei trockenen Weißweine aus dem Jahrgang 2014 mit Rebsorten-Angaben auf den Etiketten - ein Riesling, ein Rkatsiteli (eine Traube georgischen Ursprungs) und ein Gewürztraminer - wirkten nicht sehr aromatisch, schmeckten aber alle sehr klar und frisch. Deutlich besser war der 2014er "Ak Bastau", eine Cuvée aus den Traubensorten Akserrau (mir komplett unbekannt!), Rkatsiteli, Chardonnay und Riesling. Der Duft nach Birne war sehr überzeugend, und im Geschmack war eine sehr stimmige Harmonie von Frucht mit Substanz und animierender Säure. Das ist schon viel für ein neues Weingut in einem neuen Weinbauland. Noch besser gefielen mir die Rotweine, der 2014er "Lagyl Arba" vorwiegend aus der Saperavi-Traube (noch ein georgischer Import) war saftig und lebendig wie ein sehr guter Beaujolais. Der 2013er "Pino Arbe", ein reinsortiger Pinot Noir, zeigte das typische Kirscharoma der Traube und eine gewisse Eleganz; wiederum sehr gut für einen Anfänger.

          Natürlich habe ich dann auch die Pinot Noirs von den Schuberts verkostet, die zugleich konzentrierter und geschliffener sind, der 2015er Pinot Noir "Block B" ist ein kraftvolles und noch sehr jugendliches Meisterwerk.

          Bekanntlich heißt es: Übung macht den Meister. Auf das nächste Paket aus Kasachstan bin ich jetzt sehr gespannt, und ich habe auch einen Grund, dahin zu reisen.

          Leider sind die Weine vom Weingut Assa Valley Almaty noch nicht in Deutschland erhältlich. Dagegen kann man den 2015er Pinot Noir "Block B" von Schubert Wines für etwa 45 Euro von www.grapeagents.com bekommen.

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