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Wahlkampf in Amerika : Ich esse, wie du isst

Immer essen, aber nur nicht dick werden: Hillary Clinton mit Eiscreme in New York Bild: SAM HODGSON/The New York Times/R

Pizza, Pasta, Schwein am Stiel: Warum Ernährung im amerikanischen Wahlkampf so wichtig ist und eine Gabel schnell Wählerstimmen kosten kann.

          Wen hat dieser Donald Trump im Verlauf dieses Wahlkampfes nicht schon alles geschmäht und verunglimpft: Einzelpersonen, gesellschaftliche Gruppen, ja, ganze Länder. Die „New York Times“ macht sich seit geraumer Zeit den Spaß, „die komplette Liste der Personen, Orte und Dinge“ zusammenzutragen, die er allein über Twitter schon beleidigt hat.

          Bertram Eisenhauer

          Verantwortlich für das Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aktueller Stand vom Mittwoch: insgesamt 223 Opfer, von seinen Mitbewerbern um die Präsidentschaftskandidatur (Jeb Bush: „eine bedauernswerte Figur“; Ted Cruz: „ein Verlierer“; Marco Rubio: „ein Witz!“) über CNN („einfach dumm“) und negative Fernsehspots über ihn („totaler Betrug“) bis zu seiner mutmaßlichen Gegenkandidatin („Wenn Hillary Clinton ihren Mann nicht zufriedenstellen kann, wieso glaubt sie dann, sie könnte Amerika zufriedenstellen?“). Über Mexiko hatte Trump gleich zu Beginn seiner Kampagne gesagt, der südliche Nachbar schicke seine „Mörder und Vergewaltiger“ in die Vereinigten Staaten – sowie, „nehme ich an, ein paar anständige Leute“.

          Essen bei der Pressekonferenz

          Einen besonders anschaulichen Dis hatte der Milliardär, dem die Kandidatur seiner schockierten Partei inzwischen kaum mehr zu nehmen ist, für seinen Konkurrenten John Kasich übrig, den Gouverneur von Ohio. Insgesamt nahm er diesen zwar nicht so oft ins Visier wie Cruz oder Rubio; zu gering waren Kasichs Chancen.

          Mitte April aber, gut zwei Wochen bevor Trump die Kandidatur de facto eroberte, gab es da etwas, das er einfach loswerden musste über Kasich, und da Trump ein Mensch ohne Impulskontrolle ist, teilte er seine Beobachtung mit seinen Fans. Ob sie Kasich im Fernsehen gesehen hätten, fragte er bei einem Auftritt. Kasich nämlich habe die Angewohnheit, Pressekonferenzen zu halten, während er gleichzeitig esse. „Ich habe noch nie“, so Trump, „einen Menschen auf so widerliche Weise essen sehen.“ Lacher und Jubel im Publikum.

          Trump konnte noch nachlegen. Seinen Sohn Barron, 10, überhaupt seinen ganzen Nachwuchs habe er immer ermahnt: „Kinder, kleine, kleine Bissen!“ Kasich dagegen: „Dieser Kerl nimmt einen Pfannkuchen und schiebt ihn sich in den Mund. Widerlich. Wollen Sie so einen als Präsidenten?“ Noch mehr Jubel.

          Ich zeige dir, was ich esse

          Nun hatte Trump einerseits nicht ganz unrecht. Kasich befand sich gerade, nur wenige Tage vor der Vorwahl im Bundesstaat New York, auf dem, was die Medien eine „eating tour“ nannten – eine Tour durch alle fünf Boroughs, bei welcher der Kandidat in Restaurants, Diners und Delis tapfer, aber nicht immer elegant lokale Spezialitäten mampfte: in Queens Riesenportionen von Pasta (seinem erklärten Lieblingsessen), an der Upper East Side koschere jüdische Gerichte – Nudelsuppe mit „Kreplach“, den traditionellen jüdischen Teigtaschen, und Apfelstrudel. Ein Pastrami-Sandwich lehnte er ab: „Ich kann nicht mehr.“ It wasn’t pretty.

          Ernährt sich „wie ein Teenager“: Donald Trump mit Schweinskotelett am Stiel in Iowa

          Andererseits ist es das, was Präsidentschaftskandidaten im Wahlkampf so machen: Sie essen. Nicht nur, selbstredend, aber auch. Durch das Essen versuchen sie eine Art lebenskulturellen Gleichklang mit den Wählern zu erzeugen: Ich zeige dir, was ich esse, damit du weißt, wer ich bin. Ich esse, wie du isst.

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