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Gespräch mit Biowein-Expertin : „Man darf die Umwelt nicht für ein Genussmittel verpesten“

  • -Aktualisiert am

Biowinzer haben höhere Produktionskosten, passen aber nur selten die Preise daran an: Bioweinberg im Kaiserstuhl Bild: Picture-Alliance

Katharina Hauck beschäftigt sich mit der Akzeptanz von Biowein in Deutschland. Die ist bislang eher gering, gerade unter jungen Menschen. Woran das liegt und wie sich das ändern lässt, erklärt sie im Interview.

          6 Min.

          Frau Hauck, Sie haben einen Master in Weinmarketing und promovieren über die Akzeptanz von Biowein in Deutschland. Kaufen junge Menschen gerne Biowein?

          Nein. Leider nur wenige.

          Was heißt das in genauen Zahlen?

          Wir haben Gespräche mit 94 Interviewpartnern aus unterschiedlichen Altersgruppen in Berlin, Frankfurt und München geführt. Unter den befragten jüngeren Konsumenten, also im Alter von 20 bis 30 Jahren, kaufen etwa zehn Prozent regelmäßig Biowein. Das sind nicht mehr als bei den Älteren, obwohl die junge Generation sich doch so nachhaltig gibt.

          Warum kauft die jüngere Generation denn keinen nachhaltig produzierten Wein?

          Da gibt es mehrere Gründe. Manche wissen gar nicht, dass es Biowein gibt. Anderen ist nicht klar, was bei Biowein anders ist als bei normalem, also konventionell hergestelltem. Wein wird allgemein als sehr natürliches Produkt angesehen.

          Ist es das denn nicht?

          Wenn man sich vor Augen hält, dass die Weinberge in Deutschland nur 0,7 Prozent der Agrarfläche ausmachen, aber für 20 Prozent der eingesetzten Pestizide stehen, spricht das für sich. Aber kaum jemand weiß das. Ich komme selbst aus der Pfalz, einer Weinregion, und hatte dafür auch keinen Blick. Von der Weinproduktion existiert häufig ein romantisches Bild: Alles wird mit der Hand gemacht, die Trauben kommen in große grüne Bütten, reifen in einem schönen Keller in Holzfässern und so weiter. Mit einem Großteil der Weinproduktion in Deutschland hat dieses verklärte Bild allerdings nichts zu tun.

          Gibt es noch weitere Gründe dafür, dass junge Menschen sich mit biologisch angebautem Wein schwertun?

          Oft ist es eine Frage des Preises. Viele in dieser Altersgruppe sind Studenten oder haben gerade angefangen, ihr eigenes Geld zu verdienen. Die scheuen sich dann, zwei Euro mehr pro Flasche auszugeben. Außerdem erwarten viele von Biowein auch, dass er besser schmeckt. Das ist aber nicht zwingend so, da Geschmack etwas sehr Subjektives ist. Laut der Befragten ist etwa bei Biofleisch der Unterschied eindeutiger. Wenn diese Erwartung nicht erfüllt wird, lassen es viele beim nächsten Mal bleiben. Auch bei den jungen Menschen, die bei anderen Lebensmitteln eher auf ökologische Erzeugung achten, steht Biowein einfach nicht im Fokus.

          Und wer sind die wenigen, die Biowein kaufen?

          Viele von ihnen kaufen regelmäßig in Läden ein, die nur Bioprodukte anbieten – und da landet dann eben auch der Biowein im Einkaufswagen. Das ist dann nicht unbedingt eine bewusste Kaufentscheidung. In einer Gruppe gab es eine Person, die angegeben hat, ausschließlich Bioprodukte zu kaufen. Wir haben im Rahmen unserer Studie dann ein Kaufentscheidungsexperiment durchgeführt: sechs unterschiedliche Flaschen Wein hingestellt, die das Gleiche kosteten, und fünf Minuten Zeit gegeben. Die Testperson hat sich dann ausgerechnet für einen konventionell hergestellten Wein entschieden.

          Wie erklären Sie sich das?

          Beim Weinkauf gibt es für den Verbraucher unglaublich viele Faktoren zu berücksichtigen. In welcher Preisspanne bewege ich mich grundsätzlich, welche Rebsorten mag ich, gibt es bevorzugte Anbaugebiete und Güter? Dazu kommt noch die Attraktivität des Etiketts und der Flaschenform, manchmal eine aufgedruckte sensorische Beschreibung.

          Also eine totale Reizüberflutung.

          Genau. Und zu allem Überfluss befindet sich das Biosiegel oftmals auf der Rückseite der Flasche. Damit tritt dieser Kauffaktor buchstäblich in den Hintergrund.

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