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Studie legt nahe : Kiffer knabbern mehr

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Zwei Frauen rauchen bei einer Protestaktion für legalen Cannabis-Konsum im Görlitzer Park einen Joint Bild: dpa

Eine neue Studie zeigt: In amerikanischen Staaten, in denen Cannabis als Genussmittel legal ist, steigt der Snack-Konsum auch stärker an. Es könnte durchaus einen Zusammenhang geben.

          „Oh, Erdnüsse!“ „Hier: Muffins.“ „Pizza, ja Mann, guck mal hier!“ „Schoko-Cookies, voll günstig.“ So übertrafen sich zwei junge Männer mit unstetem Bartwuchs und glasigem Blick in ihrer Begeisterung für das Edeka-Sortiment in einem Werbespot von 2012. Auch wenn die klischeehafte Darstellung der Protagonisten mit Zottelhaaren und Deppen-Mütze in der damals viel diskutierten Werbung aus dem Hause Jung von Matt wohl deutlich überzeichnet war, erweist sich der insinuierte Zusammenhang zwischen Kiffen und Knabbern offenbar als wahr und könnte über die Werbewirkung hinaus ein nicht zu unterschätzendes wirtschaftliches Potential haben.

          Eine neue Studie des Marktforschungsinstituts Nielsen zeigt steigende Umsatzzahlen für Snack-Hersteller in den Vereinigten Staaten. Bei Süßigkeiten ist ein Anstieg von knapp zwei Prozent im Laufe der letzten zwölf Monate verzeichnet, der Umsatz salziger Knabbereien wuchs sogar um mehr als sechs Prozent. So weit, so wenig überraschend, die ungesunde Ernährungsweise der Nordamerikaner, mit Ausnahme vielleicht der manischen Fitnessapologeten in Los Angeles und New York, ist weithin bekannt und diskutiert.

          Interessant ist aber ein Detail der Untersuchung: In den zehn Staaten, in denen Cannabis auch als Genussmittel legal konsumiert werden darf, stieg auch der Snack-Konsum stärker an. Durchschnittlich wuchs die Menge der Chips, Schokoriegel, Gummibärchen und Kekse in den Einkaufswägen dieser Staaten um 1,2 Prozentpunkte mehr als in den übrigen Staaten.

          In dem alten Edeka-Werbevideo ist die so erwartbare wie wirkungsvolle Pointe die Frage der Kassiererin nach „Tüte“ und „Bon“  am Ende des Fließbands. Für gewöhnlich stehen Joint und Bong allerdings am Anfang der Fressattacke. Eine mögliche Erklärung für diesen Effekt hatte bereits 2015 eine Studie mit Mäusen der Yale University geliefert. Demnach verändert die Droge den Sättigungsmechanismus des Gehirns. Anstatt das tatsächliche Völlegefühl zu induzieren, werden weiter Botenstoffe ausgesendet, die Appetit anregen – obwohl der Körper eigentlich keine Nahrung mehr braucht.

          Sollten Cannabis-Produkte in Deutschland legalisiert werden, hat Edeka also sicherlich eine lukrative Zielgruppe angesprochen. Snack-Hersteller in Amerika können sich schon jetzt freuen: Im Jahr 2020 soll in Illinois als elftem Staat der Genuss von Marihuana erlaubt werden. Bis auf Idaho, Nebraska und South Dakota ist es außerdem in allen Staaten als Arzneimittel zugelassen, wenn auch teilweise mit reduziertem THC-Gehalt. Als Mittel zum Abnehmen ist es wohl jedenfalls nicht zu empfehlen.

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