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Wein-Reise : Viele kleine Wunder in der Wüste

  • -Aktualisiert am

Schwierige Bedingungen für Weißweinsorten: Traubenernte im israelischen Kibbuz Tzuba Bild: Getty

Wo die Weinberge von Elektrozäunen umgeben sind und der Winzer die koscheren Fässer nicht berühren darf: Unser Weinexperte hat sich aufgemacht zur Serie „Einmal um die Erdkugel“. Erste Folge: Israel.

          Für sich genommen, wirken die Weinberge hier wie die Weinberge in Bordeaux, nur dass sie in den großen Lichtungen eines Tannenwalds stehen. Die felsige Landschaft erinnert durchaus an Südfrankreich, doch wir befinden uns auf den Yatir-Hügeln, eine Autostunde westlich des Toten Meers, in Israel. Die Bäume, so erzählt eine Mitarbeiterin der Yatir Winery, seien künstlich gepflanzt worden: „Erst nachdem der Wald sich etabliert hatte, wurden ab 1989 die Reben gepflanzt.“ Außerhalb des Waldes sieht es so aus, wie man Israel kennt: So weit der Blick reicht, breitet sich eine steinigstaubige Wüste aus.

          Mir fallen die Elektrozäune um die Weinberge ins Auge, und ich erkundige mich, ob es große Probleme mit Wildfraß der Trauben gibt. „Die Kamele sind die schlimmsten“, erklärt die Winzerin, „aber allgemein liegt das Problem darin, dass diverse Tiere auf der Suche nach Wasser die Bewässerungsschläuche durchbeißen, um ans Wasser zu kommen. Elektrozäune haben den Vorteil, dass sie nicht von den nomadischen Beduinen gestohlen werden. Normale Zäune verkaufen sie nämlich gerne an Eisenhändler.“

          Spätestens jetzt wird klar: Das sind nicht die Alltagsprobleme deutscher Winzer. Aber auch in Israel sind sie zum Glück die Ausnahme; das Gros der rund 5500 Hektar Weinberge ist in weitaus weniger wilden Landschaften zu finden, mit einem deutlich freundlicheren mediterranen Klima.

          Ein Winzer, der seine Fässer nicht berühren darf

          Der Weinbau hier hat immens tiefe Wurzeln, wie die bedeutende Rolle des Weins im jüdischen Hochzeitsritual zeigt. Mit den Muslimen Mitte des siebten Jahrhunderts jedoch verschwand er, von einigen Enklaven in christlichen Klöstern abgesehen; erst mit dem Zionismus erlebte er durch die Einwanderer einen neuen Aufschwung. Der Qualitätsweinbau aber begann erst in den frühen achtziger Jahren. Das bedeutet, dass man in Israel eine neue Welt des Weins erlebt - und das passt ziemlich gut zur innovativen High-Tech-Branche des Landes, wo Ende der neunziger Jahre der USB-Stick erfunden wurde.

          Um Israel und seine Weine halbwegs zu verstehen, muss man immer mal die Perspektive wechseln. Meine Tour bei Yatir begann in den Weinbergen und ging dann im Keller weiter, was selbstverständlich klingt, mich aber mit einem ganz anderen Aspekt des Landes konfrontierte. Winemaker Eran Goldwasser ist Jude, aber wie sehr viele Israelis hält er nicht den Schabbat ein. Wie die meisten Weingüter im Land erzeugt die Yatir Winery ausschließlich koschere Weine und muss sich daher einem strengen Regelwerk unterwerfen.

          Goldwasser darf weder die Weine noch die Fässer oder Tanks berühren, in denen sie lagern. Er gibt vielmehr Anweisungen an fromme jüdische Mitarbeiter, die diese Arbeiten ausführen und ihm Proben zum Prüfen bringen. Als er mir die Kellerei zeigt, begleitet uns ein frommer Maschgichim, ein Aufseher, und auch ich muss aufpassen, nichts zu berühren, da der Wein sonst nicht mehr koscher und somit nicht mehr verkäuflich gewesen wäre.

          Weine ohne Aberglauben

          So spannend oder überraschend manche dieser Aspekte des israelischen Weins sind, darf man selbstverständlich den Wein und seinen Geschmack nicht aus den Augen verlieren, der ebenso spannend und überraschend sein kann, wie der 2010er Petit Verdot von Yatir zeigt. Die geballte Kraft des Weins - wer Gerbstoff im Rotwein nicht mag, sollte die Finger davonlassen! - ist mit einer überraschenden Frische und ausgeprägten Rosmarin- und Salbeinoten verbunden; ein großer, ungeschliffener Rubin.

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