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„Worst of Chefkoch“ : Das Auge isst hier besser nicht mit

  • -Aktualisiert am

Das Hauptgericht ist serviert: „Gefüllte Schildkröte aus dem Ofen“ Bild: Sami Skalli

Blogger haben das „Schlimmste aus der kulinarischen Hölle von chefkoch.de“ gesammelt. Was passiert, wenn man die ästhetisch fragwürdigen Gerichte kocht – und seinen Freunden serviert?

          7 Min.

          Vorsichtig streiche ich mit dem Löffel über die Vanillecreme auf dem Teller. Oben soll die Masse dick und rund sein, unten einen schmalen Zipfel bilden. Wie ein Tropfen – ein Ying zu dem Yang aus Schokocreme. Ich blicke auf die Uhr. Die ersten Gäste klingeln sicher gleich. Ich wende mich wieder meiner Aufgabe zu. Etwas von der hellen Creme landet auf der dunklen. Mist! Kurz will ich den Pudding in den Müll werfen und das Essen absagen. Wobei – ist doch eigentlich egal.

          Die Gerichte für dieses Dinner müssen weder perfekt aussehen noch hübsch angerichtet sein. Im Gegenteil: je hässlicher, desto besser. Meine Gäste ahnen davon allerdings nichts. Ich will testen, wie sie auf das Menü reagieren. Ist ihnen die Ästhetik wichtiger als der Geschmack?

          Gegenpol zu Instagram

          Die Rezepte, die ich zubereite, stammen vom Tumblr-Blog „Worst of Chefkoch“. Seit dem vergangenen Sommer sammeln Lukas Diestel und Jonathan Löffelbein hier das „Schlimmste aus der kulinarischen Hölle von chefkoch.de“. Das Ganze garnieren sie mit Gedichten und Parodien. Ihr Kommentar zu „Ralfs Ying-Yang- Creme“: „Um Freude empfinden zu können, braucht es die Trauer. Um die Gesundheit schätzen zu können, braucht es die Krankheit. Um zu wissen, was ein gutes Rezept ist, braucht es dumme Rezepte. Oder?“

          Die beiden Studenten wollen einen Gegenpol zur Instagram-Welt bilden, in der Essen vor allem fotogen sein muss. Im Restaurant sehe ich immer wieder Menschen, die ihr Essen ablichten. Wie es schmeckt? Zweitrangig. Statt im Mund landet das Gericht zunächst einmal im Netz.

          Auch Oma macht mit

          Zwei von drei Menschen in Deutschland haben schon einmal ihr Essen fotografiert. Die meisten schicken das Bild anschließend an Freunde, einige posten es öffentlich in sozialen Netzwerken. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Yougov 2016 durchge-führt hat.

          Der Hashtag #foodporn taucht auf Instagram in mehr als 150 Millionen Beiträgen auf – das sind mehr als doppelt so viele wie für die Hashtags #car und #cars zusammen. Das Essen scheint das neue Statussymbol zu sein.

          Ich sehe Bilder von Milkshakes, aus denen Sahne, Streusel und Pralinen quellen (#freakshake), aber auch Blattsalate aus der Plastikbox. Die Oma einer Freundin hat seit kurzem zwei Knödel als Profilbild auf Whatsapp: Sie liegen auf einem Porzellanteller, der mit Blumen verziert ist.

          Die richtige App ist entscheidend

          Mit den richtigen Foto-Apps ließen sich auch die Knödel schnell in ein Menü vom Sternekoch verwandeln – zumindest äußerlich. Das Programm „Foodie“ etwa bietet 39 Fotofilter: von „Mmh“ bis „Knusprig“. Einfach auswählen, abdrücken, schon ist das Essen „instagrammable“.

          Im Netz gibt es inzwischen auch Ranglisten mit Restaurants, die sich besonders für schöne Fotos eignen. Licht, Möbel, Zutaten – hier soll alles stimmen. Wie sehr meine Freunde durch solche Bilder geprägt sind, will ich mit meinem hässlichen Dinner herausfinden.

          Was sich auf chefkoch.de alles findet? Zum Beispiel Paprika-Krake im Dip Bilderstrecke

          Auf dem Speiseplan stehen unter anderem: „Krake im Dip“, „Gefüllte Schildkröte“ und „Gebratene Mon-Chéri-Banane“. Alles Gerichte, die so auf chefkoch.de zu finden sind – und auf „Worst of Chefkoch“.

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