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Fernsehkoch Steffen Henssler : Gib ihm ohne Ende

„Da war so ein Spiel zwischen der Kamera und mir, und ich dachte, jetzt habe ich es gefunden“: Henssler, Sohn eines Sternekochs, beim Fotoshooting. Bild: Edgar Schoepal

Steffen Henssler ist Koch, Entertainer und jemand, der vor allem das Vollgas kennt. Aber ist er auch so, wenn die Kamera aus ist? Ein Besuch in seiner Fernsehshow.

          Die Zutaten werden auf einem Servierwagen ins Studio geschoben: Tomaten, Venusmuscheln, Früchte, Kräuter, Sesampaste. Moderatorin Ruth Moschner erläutert kurz, woraus die Kandidaten ein Gericht bereiten sollen. Steffen Henssler hört gar nicht zu. Er taxiert die Zutaten, während er sich einen Topf schnappt und loslegt.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das, was jetzt kommt, sieht aus, als hätte jemand auf die Schnelllauftaste gedrückt: Tomaten schneiden, Muscheln waschen, Kräuter hacken, Sauce mischen, Topf auf den Herd, Muscheln garen, Salat anrichten, Muscheln drauf, servieren. In acht Minuten hat Henssler einen Tomatensalat mit Venusmuscheln kreiert – und sieht kein bisschen gestresst aus.

          „Grill den Henssler“ ist eine der erfolgreichsten Kochshows im deutschen Fernsehen. Das Kochen ist hier vor allem ein Vehikel für den Wettbewerb. Wer kocht besser? Wer kocht schneller? Wer macht die besten Sprüche? Henssler, der ohne Rezept und Vorbereitung kocht – oder einer der prominenten Kandidaten auf der Gegenseite, die von anderen Starköchen gecoacht wurden? Es ist eine Art kulinarisches „Schlag den Star“, ein Kräftemessen, für das die Sendung im vergangenen November mit dem Publikums-Bambi in der Kategorie „Beste Unterhaltungsshow“ ausgezeichnet wurde.

          Umbaupause in Studio 39 in Köln-Ossendorf. Der zweite Gang bei der Aufzeichnung von „Grill den Henssler“ ist abgeschlossen. Das Dschungel-Sternchen Sophia Wollersheim hat gerade im durchsichtigen schwarzen Kleid mit Verlängerungsfingernägeln Hackfleisch geknetet und Buletten gebraten. Jetzt sind die Kameras aus. Die Kandidaten verziehen sich hinter die Kulissen. Ein Einpeitscher hält das Studiopublikum bei Laune.

          Restaurant des Vaters war die erste Bühne

          Henssler läuft auf der Bühne umher, reibt sich die Hände und wirkt wie jemand, der an der roten Ampel steht und ungeduldig das Gaspedal tritt. Als der Einpeitscher zu „YMCA“ zu tanzen beginnt, pirscht er sich von hinten ran – und tanzt einfach mit. Er streckt die Arme in die Luft, wippt hin und her, dreht sich. Das Publikum jubelt. Henssler strahlt und drückt den Rücken durch. Der Einpeitscher hat es natürlich besser gemacht, aber Henssler punktet mit dem Überraschungsmoment: Ein Spitzenkoch, der tanzt, jemand, der aus der Rolle fällt – das mögen die Leute.

          Die erste Bühne, die Henssler bespielte, war das Hamburger Sternerestaurant seines Vaters. Schon als Kind half er aus, sortierte Leergut, übernahm den Telefondienst oder räumte auf. Als er älter wurde, durfte er die Teller an den Tisch bringen. „Ich mochte immer, wenn es vorne richtig voll war, ich rumrannte und mit den Leuten quatschte“, erzählt er im Gespräch nach der Sendung.

          Nach der Realschule war klar, dass er in die Gastronomie geht – aber nicht als Koch, sondern als Restaurantchef, als einer, „der vorne rumläuft und seine Sprüche macht“. Sein Vater sagte aber: „Wenn du ein guter Restaurantchef werden willst, brauchst du eigentlich das Wissen eines Kochs, weil sich in der Küche alles entscheidet.“ Also machte er eine Kochlehre.

          „Malocht ohne Ende“

          Dort seien dann „gewisse Dinge passiert“, die ihn doch noch zum Kochen brachten. Das lag vor allem an dem Sternekoch Torsten Ambrosius, der damals in „Andresens Gasthof“ in Bargum Küchenchef wurde. Er erkannte offenbar das Potential des jungen Henssler und machte ihn schon im ersten Lehrjahr zu seiner rechten Hand. „Er hat mir viel Verantwortung gegeben“, sagt Henssler, „und auch viel Lack, keiner in der Küche hat mehr Feuer gekriegt als ich. Ich habe da malocht ohne Ende. Das hat mich zu dem gemacht, was ich bin.“

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