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Weihnachtsessen weltweit : Vor allem gut und viel in Spanien

  • -Aktualisiert am

Mehr als nur Tapas oder Pinchos: Weihnachtsessen in Spanien Bild: Jan Bazing

Andere Länder, andere Weihnachtssitten: In Spanien fängt das große Weihnachtsessen schon früher an. Und den Brandy gibt es auch dazu.

          Das große Weihnachtsessen beginnt in Spanien mit unablässigen anderen großen Vorweihnachtsessen schon vier Wochen vor Heiligabend. Freunde, Familien, vor allem aber Firmen, Behörden und Vereine bringen ihre Mitarbeiter und Mitglieder zu opulenten Festmahlen zusammen. Und das nur, um sie nach getaner Magenschwerstarbeit noch mit einem Geschenkkorb ziehen zu lassen, gefüllt mit Schinken, Sekt und Konfekt. Weihnachten ist eine ernsthafte Völlerei, weil es die Geschenke traditionell eigentlich erst zu Dreikönig gibt. Diese Gewohnheit ist mit tätiger Hilfe der Kaufhäuser schon so paneuropäisch ausgefranst, dass die Kinder inzwischen zu Recht zweimal nach-einander eine Bescherung erwarten.

          Für das Abendessen an Heiligabend und das Mittagessen am ersten Weihnachtstag gilt die Devise von Hochzeiten und Beerdigungen: Hauptsache gut und viel, so dass niemand hinterher sagen kann, er sei zu kurz gekommen oder bei armen Leuten gewesen. Spanien zeigt sich zum Fest in seiner ganzen regionalen kulinarischen Vielfalt. Die Basken zahlen auf dem Markt jeden Preis für Glasaale (angulas). Die Galicier und Navarrer tun desgleichen für Meeresfrüchte wie die Entenmuscheln (percebes). Die andalusische Freundin erinnert sich, wie zu ihrer Kinderzeit der obligatorische Truthahn, der heutzutage aus der Gefriertruhe kommt, noch mit einem Strick um den Hals unter dem Bett der Eltern gehalten wurde - bis seine Stunde schlug.

          Der Vogel (pavo) kann sich noch immer nationaler Beliebtheit rühmen, zusammen mit dem Lammbraten (cordero) und dem gebratenen Ferkel (cochinillo). Davor gibt es Russischen Salat, Schinken vom Schwarzfußschwein, Kroketten und einen in herzhafte Dreiecke geschnittenen und in erstklassigem Olivenöl getränkten alten Käse aus La Mancha. Danach kommen die Süßigkeiten, die in ihrer Süße davon zeugen, dass Spanien 800 Jahre lang unter muslimischer Herrschaft stand.

          Dabei dominiert der ursprünglich aus Alicante stammende turrón, eine westliche Variante des türkischen Honigs, der hart oder weich auf den Tisch kommt. Die Köstlichkeit aus Mandeln, Eiweiß, Honig, Nougat, Nüssen und immer öfter auch dunkler Schokolade muss indes, wenn nicht vom Teufel, so doch von den Zahnärzten erfunden worden sein. Wenn sie nach Dreikönig ihre Praxen wieder aufmachen, haben sie jedenfalls an dem Zerstörungswerk ihre helle Freude.

          Der katalanische cava (Sekt), der aus separatistischen Gründen auch heuer häufig durch Champagner ersetzt werden dürfte, kommt mit den besten gegenseitigen Wünschen erst ganz zum Schluss. Die andalusische Freundin erinnert sich nebenbei, dass vor der Erfindung der Jugendschutzgesetze die Mutter den Kindern am Weihnachtsmorgen einen Tropfen Brandy zur Einstimmung ans Kinderbett brachte. Und wenn die Männer an Heiligabend davon einen großen Tropfen im Schwenker schwingen, dann denken sie an ihre Auslandsreisen in nördliche Länder, wo derlei von Kellnern aus Fingerhüten eingeschenkt wird, und sagen lachend: „Das ist doch das, was wir hier im Glas zurücklassen.“

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