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Kolumne Geschmackssache : Barock ist für die Kirche, nicht für die Flasche

  • -Aktualisiert am

Die Regentschaft ist Handarbeit: Weingutbesitzerin Theresa Breuer auf ihrem Familienbetrieb Bild: Wonge Bergmann

Theresa Breuer ist erst dreiunddreißig und gehört schon zu den Großen ihres Metiers. Denn sie sucht so kompromisslos wie kaum jemand sonst die reine Seele des Rheingauer Rieslings.

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          Es ist kein Schaden, wenn Frauen früh an die Macht kommen. Königin Elisabeth II. zählte 26 Jahre, als sie den Thron Großbritanniens bestieg, auf dem sie noch immer wie verwachsen und scheinbar in alle Ewigkeit sitzt. Ihre Vorgängerin Queen Victoria war sogar erst achtzehn, wurde dann vierundsechzig Jahre lang innig geliebt und brachte es nebenbei auch noch zur Kaiserin von Indien. Und Maria Theresia schaffte es mit 23 ganz nach oben, um in den folgenden vier Jahrzehnten Felix Austria das Glück der weisen Regentschaft zu schenken. Theresa Breuer reiht sich nahtlos in diese Ahnenreihe ein, denn sie übernahm mit jugendlichen zwanzig die Macht im Reiche Breuer und hat in den vergangenen dreizehn Jahren dessen Ruhm und Glanz nach Kräften gemehrt – auch wenn sie weder über Staat noch Volk, sondern nur über Reben und Fässer herrscht. Doch das ist mindestens so ehrenwert wie der Monarchenberuf.

          Fünfunddreißig Hektar bester Lagen in Rüdesheim und Rauenthal bewirtschaftet Theresa Breuer, keltert daraus 260.000 Flaschen pro Jahr, exportiert zwei Drittel der Produktion in achtundzwanzig Länder und kann ihre Grand Crus nur per Subskription verkaufen, weil sie ihr sonst von Weinliebhabern aller Herren Länder aus den Händen gerissen würden. Dabei ist das Angebot des Weinguts Georg Breuer, das den Namen von Theresas Großvater trägt, von minimalistischer Überschaubarkeit: Nur neun Rieslinge werden abgefüllt, dazu jeweils zwei Grau- und Spätburgunder und ein wenig Sekt. Dieser Purismus ist kein modisches Programm, sondern das Erbgut der Familie Breuer, und er spiegelt sich auch in der neuen Vinothek im Herzen von Rüdesheim wider, einem strengen Bau aus nacktem und poliertem Beton, sparsam dekoriert mit zeitgenössischer Kunst und einem monumentalen Lageplan der Breuerschen Weinberge – klarer könnte die Botschaft nicht sein: Hier konzentriert man sich auf Wein und auf sonst nichts.

          Die Winzerin selbst ist allerdings das komplette Gegenteil des Ambientes, weder ein autistischer Kellergeist noch ein asketischer Partyschreck, sondern eine lebenslustige Frau, die mit unermüdlichem Enthusiasmus von ihren Weinen erzählt, mit unerschöpflicher Begeisterung von ihren Lagen schwärmt und mit größter Selbstverständlichkeit nach Abschluss der Ernte alle Helfer zu einer großen Feier inklusive Kostümierung und Traktorparade einlädt. Sie selbst feiert am lautesten mit, lässt allerdings nie Zweifel daran, dass sie die Chefin des Ganzen ist, auch wenn das Gros des Personals sie an Lebensjahren oft weit übertrifft.

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