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Japanische Teezeremonie : „Der Teeweg macht gelassen“

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So ähnlich sieht es auch heute noch aus: Frauen in Japan halten vor etwa 100 Jahren Teezeremonie. Bild: Ullstein

In Japan hat die aufwändige Teezeremonie seit Jahrhunderten Tradition. Mineko Sasaki-Stange ist Teemeisterin. Für sie ist der Teeweg eine Lebenseinstellung und Achtsamkeitsübung – der gerne viel Zeit kosten darf.

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          Frau Sasaki-Stange, wie wird man Teemeisterin?

          Der Weg zum Teemeister ist sehr lang. Wie bei einer Priesterausbildung muss man alles lernen, was zum Leben dazugehört. Man muss sich bewusst auf den Chado, den Teeweg, begeben, und von einer Teeschule akzeptiert werden. Man fängt als Nyumon an, als Neuling, und muss viele Stufen durchlaufen und Zertifikate erwerben. Jede der etwa 30 Teeschulen hat andere Regeln, aber meist dauert eine solche Ausbildung etwa zehn Jahre, wenn man sie intensiv verfolgt. Ich gehöre zur Urasenke-Teeschule in Kyoto, die im 16. Jahrhundert von Rikyü Sõeki gegründet wurde und 124 Zweigstellen in 74 Ländern hat.

          Wie sieht eine japanische Teezeremonie aus?

          Eine Teezusammenkunft, hier oft Teezeremonie genannt, besteht aus vier Teilen und folgt strengen Regeln. Zuerst begeben sich die Gäste in den Machiai, den Wartebereich, und bekommen heißes Wasser. Dann kommt die Gastgeberin, um sie begrüßen. Die Gäste waschen sich Hände und Mund und müssen durch den Nijiriguchi, einen kleinen Eingang von 70 mal 70 Zentimetern, in den Teeraum kriechen. Das ist ein Ritual, um alles von sich abzustreifen und sich auf das zu konzentrieren, was im Teeraum passiert. Im Teeraum ist eine Nische mit Sprichwörtern, vor der man sich verbeugt. Bei mir steht zum Beispiel „Ichi-go, ichi-ye“: „Jede Begegnung passiert nur einmal im Leben.“ Dann legen die Gäste als Zeichen des Respekts einen Fächer vor ihre Knie. Es ist eine intime Zusammenkunft. Es dürfen nicht mehr als fünf Gäste sein, die von der Gastgeberin und ihrer Assistentin und bis zu sieben Personen im Hinterraum umsorgt werden.

          Das klingt nach einem sehr aufwendigen Ritual.

          Ja, es ist kompliziert, weil man alles lernen muss, was zum Leben dazu gehört. Der Teeweg ist eine Meditation für das Leben. Die vier Grundprinzipien sind „Wa Kei Sei Jaku“, Harmonie, Respekt, Reinheit und Ruhe. Eine Teezusammenkunft kann vier Stunden dauern, und es gibt strenge Regeln. Die Gäste müssen aufmerksam sein, und der erste Gast muss genauso gut sein wie der Gastgeber, der zweite Gast und der letzte Gast, der die Runde schließt, ebenfalls. Der dritte und der vierte Gast können es den ersten Gästen nachmachen. Man muss sich vorher mit dem Ablauf vertraut machen und sich respektvoll verhalten und kleiden, im Idealfall im Kimono.

          Mineko Sasaki-Stange ist Teemeisterin, Präsidentin der Urasenke-Schule in Hamburg und der Urasenke Association Berlin. Jeden Monat macht sie Teevorführungen im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg. Die Teevorführungen im Museum für Asiatische Kunst in Berlin pausieren wegen des Umzugs ins Humboldt-Forum.
          Mineko Sasaki-Stange ist Teemeisterin, Präsidentin der Urasenke-Schule in Hamburg und der Urasenke Association Berlin. Jeden Monat macht sie Teevorführungen im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg. Die Teevorführungen im Museum für Asiatische Kunst in Berlin pausieren wegen des Umzugs ins Humboldt-Forum. : Bild: Mineko Sasaki-Stange

          Wie geht es nach der Begrüßung weiter?

          Die Gäste sind erst alleine im Raum und bekommen Essen zum Aufwärmen. Etwas von den Bergen und etwas aus dem Meer, aber von allem nur ein bisschen: Reis, Suppe, roher Fisch, Sake, gegrilltes Gemüse, gegrillten Fisch. Alles so schön zubereitet, dass es eigentlich viel zu schade zum Verspeisen ist. Man nennt diesen Teil Kaiseki, nach der Brusttasche, die Mönche in alten Zeiten trugen, um sich im Winter zu wärmen. Nach dem Essen lassen alle gemeinsam die Stäbchen fallen - das ist das Zeichen, dass jetzt die Gastgeberin kommt. Sie serviert Süßigkeiten aus Adzuki-Bohnen und Reis und macht eine Holzkohlezeremonie, um auf die Teevorführung vorzubereiten.

          Und dann?

          Nach dem Aufwärmen kommt der wichtigste Teil: Die Gäste verlassen nochmal den Teeraum und waschen im Wartebereich Hände und Mund. Währenddessen wird der Teeraum hergerichtet. Wenn der Gong sieben Mal schlägt, kommen sie wieder für die Verköstigung von Koi-Cha, dem dicken Tee, der in einer handgemachten Keramikschale mit Matcha-Pulver und einem Bambus-Besen aufgeschlagen wird. Alle Gäste trinken aus einer Schale, und man muss Rücksicht nehmen, damit auch der letzte Gast noch etwas davon hat. Nach dem Koicha gibt es eine Holzkohlezeremonie und Trockenkekse. Dann kommt der dünne Tee, zum Beispiel ein Sencha, bei dem jeder Gast seine eigene Schale bekommt. Dabei ist jedes Detail wichtig, auch die schöne Keramik und das Anrichten.

          Warum soll man sich so viel Zeit für das Ritual nehmen?

          Der Teeweg ist eine Lebenseinstellung. Er macht gelassen. Man lernt dadurch, auch schwierigste Situationen im Leben mit Würde anzunehmen. Man lernt, bewusst im Moment zu sein und auf jeden Schritt zu achten.

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          Gibt es auch einfachere Varianten der Teezusammenkunft?

          Bei den Teevorführungen im Kunstgewerbemuseum machen wir nur einen Teil der Teezusammenkunft mit dünnem Tee und Gebäck. Und als Teemeisterin mache ich auch Hausbesuche auf Anfrage.

          Können Sie überhaupt noch Beuteltee trinken?

          Klar, wenn ich keine Zeit habe! Ich trinke auch Kaffee. Das kommt aus meiner Zeit, als ich bei PanAm arbeitete. Aber an einem Tag entweder nur Tee oder nur Kaffee.

          Wo kaufen Sie Ihren Tee, und was sind Ihre Lieblingstees?

          Ich kaufe meine Tees fast alle in Japan. Meine Lieblingstees sind zur Zeit „Shoka no Mukashi“ vom Teeladen Koyamaen und „Ten“ vom Bio-Teeladen Aiy, beide sind Koicha (dickerer Tee), und bei Usucha (dünnerer Tee) „Aoarashi“ von Koyamaen und „Horai“ von Aiya.

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