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Darjeeling : Ein Sturz erweckte den Tee-Magier

  • -Aktualisiert am

Swaraj Kumar Banerjee kontrolliert jeden Morgen persönlich die Qualität seines Tees. Bild: Quynh Tran

Swaraj Kumar Banerjee baut seine Pflanzen in Darjeeling biodynamisch an. Der letzte Spross der Tee-Aristokratie beschwört die spirituelle Wirkung des Aufgussgetränks.

          Der Monsun ist spät dran. Noch immer prasseln auf dem Weg nach Darjeeling schwere Regentropfen vom Himmel herab. Auf den Pfaden, die sich an den Südhängen des Himalajas hinaufwinden, kommt man an Bambus- und Zypressenwäldern vorbei, bis man die satten grünen Teegärten erreicht, die von Dunstschwaden und Wolken durchzogen sind, als wären sie verzaubert.

          Die Stadt Darjeeling, auf mehr als 2000 Metern Höhe gelegen, ist das Zentrum der Region. Von hier sieht man einen der wohl schönsten Sonnenaufgänge der Welt über dem Kangchendzönga, dem dritthöchsten Berg der Welt. Nirgends in Indien ist die Kolonialgeschichte so präsent wie hier. Viktorianische Gebäude, errichtet von Briten, die hier Zuflucht vor der Hitze Kalkuttas suchten, säumen die Straßen. Sie tragen noch die Namen von damals, so wie das Loreto Convent, in dem die Schauspielerin Vivien Leigh erzogen wurde und Mutter Teresa Novizin war.

          Afternoon-Tea und englisches Gebäck

          Und so wie die Teegärten Margarete's Hope oder Glenburn Tea Estate. Auch wenn die Tee-Aristokratie fast ganz von internationalen Unternehmen verdrängt wurde: In Hotels wie dem Windamere ist die Zeit stehengeblieben und die Moderne ausgesperrt.

          Eine Fabrikarbeiterin sortiert den Tee in der Fabrik.

          Noch immer servieren Maids in schwarzen Kleidern und weißen Schürzen Afternoon Tea und englisches Gebäck - in Kaminzimmern, die mit Orientteppichen und geblümten Polstermöbeln ausgestattet sind. Und noch immer kommt der bernsteinfarbene Tee mit seinem leichten, blumigen Geschmack von den Teegärten Darjeelings, die ihm seinen Namen geben und die Region in aller Welt bekannt gemacht haben.

          Nach Europa im 16. Jahrhundert

          Dabei ist seine Geschichte recht jung. Erste historische Nennungen von Tee lassen sich in die Zeit der Shang-Dynastie (1600 bis 1046 vor Christus) zurückverfolgen. Jahrhunderte später breitete sich der zunächst als Heilmittel bekannte Aufguss von Südchina in das heutige Japan, Korea und Vietnam aus.

          Nach Europa kam die Kunde über portugiesische Händler und Missionare im 16. Jahrhundert. 1610 importierte die niederländische Ostindien-Kompanie als erste regelmäßig Tee nach Europa. Von dort wiederum kam der Tee durch die britische Ostindien-Kompanie, die das Teemonopol Chinas brechen wollte, erst Anfang des 19. Jahrhunderts nach Indien.

          Darjeeling-Tee war ein Glückstreffer

          Zunächst wurde er im südlichen Assam angebaut, nachdem dort 1832 die Camellia Assamica entdeckt wurde, eine wilde Pflanze, die mit der ursprünglichen chinesischen Teepflanze Camellia Sinensis verwandt ist und für AssamTee kultiviert wurde. 1841 brachte schließlich Arthur Campbell, der als Arzt eigentlich die Sanatorien in der damaligen kolonialen Sommerfrische betreute, Samen der chinesischen Teepflanze nach Darjeeling und pflanzte sie auf experimenteller Basis an.

          Das Experiment war ein Glückstreffer: Der chinesische Tee gedieh prächtig. Damit begann die Geschichte des "Champagners unter den Tees", wie Darjeeling hier bezeichnet wird.

          Geschichten-Erzähler und Tee-Kontrolleur

          Für die Kommerzialisierung des Teeanbaus in der vorher kaum besiedelten Region wurden Nepalesen, Sikkimesen und Tibeter aus angrenzenden Ländern herangeholt - bis heute haben sie ihre ganz eigene Identität. Immer wieder sind grün-weiß-gelbe Flaggen zu sehen, die für ein unabhängiges Gorkhaland stehen, das viele hier fordern.

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