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Vegane Mensa eröffnet : „Wir wollen nicht missionieren“

  • -Aktualisiert am

Fans von Tofubratlingen und Sojabolognese kommen an der TU Berlin auf ihre Kosten. Bild: dpa

Der Veganismus ist auf dem Vormarsch: Berlin bekommt seine erste rein pflanzliche Mensa. Die Sprecherin des Studierendenwerks distanziert sich von ideologischen Motiven und erklärt die Eröffnung ganz pragmatisch.

          An der Technischen Universität Berlin hat heute die erste rein vegane Mensa der Stadt den Betrieb aufgenommen. Die rein pflanzliche Schwester der vegetarischen „Veggie 1.0“, die 2010 als erste fleischlose Kantine Deutschlands eröffnet wurde, kommt ganz ohne tierische Produkte aus. Ein 12-köpfiges Team inklusive einer ausschließlich vegan kochenden Mitarbeiterin serviert seit heute Zucchinicremesuppe, Spaghetti mit Getreidebolognese oder Mango-Kokos-Muffins. „In einer Studie, die wir an den Hochschulen in Berlin durchführen, geben 13 Prozent unserer Studierenden an, vegan zu leben“, sagt die Sprecherin des Studierendenwerks Jana Judisch und ergänzt: „Der Bedarf war einfach da.“

          Dass Veganer durchaus auch über sich selbst lachen können, beweisen die Namensvorschläge, die Studierende im Vorfeld eingereicht hatten. Zur Wahl standen kreative Beiträge wie „Kill Dill“ oder „Da haben wir den Salat“. Recht unspektakulär und pragmatisch kommt dagegen der endgültige Name daher: „Veggie 2.0 – die tiefgrüne Mensa“. Überzeugen dürfte da eher der verhältnismäßig kleine Preis. Ein Hauptgericht bekommen Studierende für unter zwei Euro. Die Studi-Preise werden wie bei allen Studentenwerken bezuschusst. Aber auch Hochschul-Mitarbeiter und Externe zahlen nur vier bis fünf Euro für ein Essen. „Diese Preise sind kostendeckend. Wir sind Großversorger mit 57 Einrichtungen und rund 33.000 Gästen am Tag. Da macht es die Masse“, so Judisch.  Angesichts der zum Teil relativ hohen Preise für Fleischersatz kommen Veganer und Flexitarier hier günstig weg.

          Erst 2018 wurde die „Veggie 1.0“ des Berliner Studierendenwerks von der Tierrechtsorganisation „Peta“ als vegan-freundlichste Mensa ausgezeichnet. Tatsächlich sind 56 Prozent des Gesamtspeiseplans des Berliner Studierendenwerks bereits fleischfrei. Die Universitäten müssen auf die Entwicklung reagieren, der Anteil der Vegetarier und Veganer ist in der Altersgruppe der 18-bis 29-Jährigen laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts am höchsten. „Wenn die Studierenden uns auffordern, einen Veggie Day zu etablieren, antworte ich Ihnen, dass wir jeden Tag Veggie Day haben. Freiwillig und nicht verpflichtend. Wir wollen nicht missionieren“, erklärt die Sprecherin. Kritik von Fleischfans habe es im Vorfeld nicht gegeben. „Wissen Sie, welche Beschwerde mich am häufigsten erreicht: Warum nicht an meinem Campus?“

          Mit ihrer neuen Mensa folgt das Studierendenwerk der Hauptstadt einem Trend, der seit Jahren immer mehr Anhänger findet. Rund acht Millionen Deutsche verzichten auf Fleisch und Fisch, 1,3 Millionen konsumieren gar keine tierischen Produkte. Die Industrie hat das Potential des fleischfreien Marktes längst erkannt. 2018 wurden mit veganen und vegetarischen Produkten 960 Millionen Euro umgesetzt – ein Rekordhoch. Deutschland nimmt hier eine Vorreiterstellung ein. In keinem anderen europäischen Land werden so viele pflanzliche Produktinnovationen auf den Markt gebracht. Jana Judisch und ihre Mitarbeiter hoffen auf mindestens 500 Gäste am Tag. „Das ist unser Kampfziel, damit der Umsatz nicht einbricht. Wenn es mehr werden, umso besser!“ Überzeugte Fleischfans müssen nun aber nicht fürchten, an Berlins Universitäten nicht mehr satt zu werden. Im gleichen Gebäude gibt es eine weitaus größere Mensa, die auf ein traditionell gemischtes Angebot setzt – Würstchen und Schnitzel inklusive.

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