https://www.faz.net/-hrx-9m87q

Vegane Mensa eröffnet : „Wir wollen nicht missionieren“

  • -Aktualisiert am

Fans von Tofubratlingen und Sojabolognese kommen an der TU Berlin auf ihre Kosten. Bild: dpa

Der Veganismus ist auf dem Vormarsch: Berlin bekommt seine erste rein pflanzliche Mensa. Die Sprecherin des Studierendenwerks distanziert sich von ideologischen Motiven und erklärt die Eröffnung ganz pragmatisch.

          An der Technischen Universität Berlin hat heute die erste rein vegane Mensa der Stadt den Betrieb aufgenommen. Die rein pflanzliche Schwester der vegetarischen „Veggie 1.0“, die 2010 als erste fleischlose Kantine Deutschlands eröffnet wurde, kommt ganz ohne tierische Produkte aus. Ein 12-köpfiges Team inklusive einer ausschließlich vegan kochenden Mitarbeiterin serviert seit heute Zucchinicremesuppe, Spaghetti mit Getreidebolognese oder Mango-Kokos-Muffins. „In einer Studie, die wir an den Hochschulen in Berlin durchführen, geben 13 Prozent unserer Studierenden an, vegan zu leben“, sagt die Sprecherin des Studierendenwerks Jana Judisch und ergänzt: „Der Bedarf war einfach da.“

          Dass Veganer durchaus auch über sich selbst lachen können, beweisen die Namensvorschläge, die Studierende im Vorfeld eingereicht hatten. Zur Wahl standen kreative Beiträge wie „Kill Dill“ oder „Da haben wir den Salat“. Recht unspektakulär und pragmatisch kommt dagegen der endgültige Name daher: „Veggie 2.0 – die tiefgrüne Mensa“. Überzeugen dürfte da eher der verhältnismäßig kleine Preis. Ein Hauptgericht bekommen Studierende für unter zwei Euro. Die Studi-Preise werden wie bei allen Studentenwerken bezuschusst. Aber auch Hochschul-Mitarbeiter und Externe zahlen nur vier bis fünf Euro für ein Essen. „Diese Preise sind kostendeckend. Wir sind Großversorger mit 57 Einrichtungen und rund 33.000 Gästen am Tag. Da macht es die Masse“, so Judisch.  Angesichts der zum Teil relativ hohen Preise für Fleischersatz kommen Veganer und Flexitarier hier günstig weg.

          Erst 2018 wurde die „Veggie 1.0“ des Berliner Studierendenwerks von der Tierrechtsorganisation „Peta“ als vegan-freundlichste Mensa ausgezeichnet. Tatsächlich sind 56 Prozent des Gesamtspeiseplans des Berliner Studierendenwerks bereits fleischfrei. Die Universitäten müssen auf die Entwicklung reagieren, der Anteil der Vegetarier und Veganer ist in der Altersgruppe der 18-bis 29-Jährigen laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts am höchsten. „Wenn die Studierenden uns auffordern, einen Veggie Day zu etablieren, antworte ich Ihnen, dass wir jeden Tag Veggie Day haben. Freiwillig und nicht verpflichtend. Wir wollen nicht missionieren“, erklärt die Sprecherin. Kritik von Fleischfans habe es im Vorfeld nicht gegeben. „Wissen Sie, welche Beschwerde mich am häufigsten erreicht: Warum nicht an meinem Campus?“

          Mit ihrer neuen Mensa folgt das Studierendenwerk der Hauptstadt einem Trend, der seit Jahren immer mehr Anhänger findet. Rund acht Millionen Deutsche verzichten auf Fleisch und Fisch, 1,3 Millionen konsumieren gar keine tierischen Produkte. Die Industrie hat das Potential des fleischfreien Marktes längst erkannt. 2018 wurden mit veganen und vegetarischen Produkten 960 Millionen Euro umgesetzt – ein Rekordhoch. Deutschland nimmt hier eine Vorreiterstellung ein. In keinem anderen europäischen Land werden so viele pflanzliche Produktinnovationen auf den Markt gebracht. Jana Judisch und ihre Mitarbeiter hoffen auf mindestens 500 Gäste am Tag. „Das ist unser Kampfziel, damit der Umsatz nicht einbricht. Wenn es mehr werden, umso besser!“ Überzeugte Fleischfans müssen nun aber nicht fürchten, an Berlins Universitäten nicht mehr satt zu werden. Im gleichen Gebäude gibt es eine weitaus größere Mensa, die auf ein traditionell gemischtes Angebot setzt – Würstchen und Schnitzel inklusive.

          Weitere Themen

          Never out of style Video-Seite öffnen

          Rueda-Schwestern : Never out of style

          Sie machen Mode, sie verkaufen Mode, sie tragen Mode: Die Rueda-Schwestern aus New York sind immer up to date. Die Fotografin Elise Jacob hat die ungewöhnlichen Damen lange begleitet.

          Alte Familienbande wiederaufleben lassen

          Ausstellung von Andreas Mühe : Alte Familienbande wiederaufleben lassen

          Kaum eine Familie steht sinnbildlich für die deutsche Geschichte wie seine: der Künstler Andreas Mühe, Sohn des verstorbenen Schauspielers Ulrich Mühe, lässt in seiner bislang persönlichsten Arbeit verstorbene Familienmitglieder wieder lebendig werden.

          So schmeckt die Zukunft! Video-Seite öffnen

          Die Küche Westafrikas : So schmeckt die Zukunft!

          Mit einem Stück Kochbanane ein komplettes Menü revolutionieren? Beflügelt durch Migration und Vernetzung entdeckt die Welt die Aromen Westafrikas. In London inspiriert das Restaurant „Ikoyi“ mit Spitzenküche aus der Region.

          Topmeldungen

          Streit um Grenzmauer : Trump diffamiert Richter

          Präsident Donald Trump ärgert sich, weil ein Bundesrichter einen Teil der Mittel für Grenzanlagen blockiert hat. Der Richter sei ein „Aktivist“. Trump hat mittlerweile mit sieben Klagen gegen seine Mauer zu Mexiko zu kämpfen.
          Wahlkampfhilfe aus Thüringen: Ministerpräsident Bodo Ramelow greift Kristina Vogt, Spitzenkandidatin der Linken in Bremen, bei einem Wahlkampftermin im kleinen Stadtstaat unter die Arme.

          Die Linke in Bremen : Fundamentalopposition war einmal

          In Bremen wird gewählt, und die Linkspartei könnte hier erstmals im Westen an einer Regierung beteiligt werden. Dafür gibt sich die Partei staatstragend – doch wie hält sie es mit der Haushaltskonsolidierung in der verschuldeten Hansestadt?

          Double mit dem FC Bayern : Der Stolz des Niko Kovac

          Er musste sich die Anerkennung als Bayern-Trainer mühsam erkämpfen. Nun ist Niko Kovac am Ende seiner ersten Saison Meister und Pokalsieger. In Berlin äußert sich Karl-Heinz Rummenigge zum Münchner Dauerthema Kovac.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.