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Zehn Monate haltbar : Hype um neue Apfelsorte

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Um diese Äpfel ist ein Hype ausgebrochen: „Cosmic Crisp“ Bild: dpa

In den Vereinigten Staaten ist ein Apfel in aller Munde – zumindest theoretisch. Denn noch gibt es ihn nur selten zu kaufen. Landwirte haben aber bereits zwölf Millionen Bäume der Sorte „Cosmic Crisp“ gepflanzt. Was macht die Sorte so besonders?

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          In New York ist es einfacher, vergoldete Schokolade oder Kaviar auf Bagels zu finden, als diesen Apfel. „Cosmic Crisp“ heißt er und hat in den Vereinigten Staaten einen beispiellosen Hype ausgelöst. Die tiefrote Kreuzung aus den Sorten „Enterprise“ und „Honeycrisp“ hat – seinen Erfindern zufolge – wirklich alles, was man sich von einem Apfel wünschen kann.

          Er soll süß schmecken, knackig sein, sich bis zu zehn Monate halten und selbst dann kaum braun werden, wenn man ihn aufschneidet, so viel hat uns die Marketing-Maschinerie schon vermittelt. Jetzt ist er auf dem amerikanischen Markt angekommen – auch wenn bislang kaum ein Supermarkt die begehrte und etwas teurere Ware führt.

          Die erste Ernte, die seit Dezember in den Vereinigten Staaten ausgeliefert wird, besteht aus bescheidenen 450.000 Kisten zu je 18,5 Kilogramm Äpfeln – doch die Zahl soll sich bis 2026 vervierzigfachen. Denn während die ersten Bäume wegen der großen Nachfrage noch verlost werden mussten, wurde schnell nachgelegt: Bis jetzt pflanzten Bauern im Anbaugebiet im Bundesstaat Washington bereits mehr als zwölf Millionen Bäume – ein klares Zeichen, wie sicher sich die Industrie der Sorte ist.

          Die Geschichte des „Cosmic Crisp“ – der wissenschaftliche Name lautet „WA 38“ – begann dabei schon vor 22 Jahren. 1997 begann Züchter Bruce Barritt von der Washington State University, den tiefroten „Enterprise“ und den etwas helleren und sehr beliebten „Honeycrisp“ miteinander zu kreuzen, Gentechnik war nicht im Spiel.

          Mehrere Selektionsphasen später wurde der neue Apfel getestet und entpuppte sich als Prachtexemplar: Er war groß, rot und rund, schmeckte gut und hatte einige Vorteile, die auch für Verkäufer und Produzenten wichtig sind.

          Der „Cosmic Crisp“ hat ein langes Erntefenster und kann auch bei Arbeitskräftemangel ohne großen Schwund gepflückt werden. Zudem hat der Apfel einen langsameren Alterungsprozess und soll auch bei längerer Lagerung knackig bleiben sowie robust gegen Druck sein, so dass seltener braune Stellen entstehen. Gerade für ein großes Land wie die Vereinigten Staaten mit langen Transportwegen sind das große Vorteile.

          Und wann kommt der Hype in der Bundesrepublik an? Die Deutschen sind absolute Apfelliebhaber: Von keiner Frucht wird der Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse (BVEO) zufolge mehr gegessen. 2018 aß jeder Bundesbürger demnach im Schnitt 18,1 Kilo. Das ist ein Vielfaches vom US-Verbrauch. Hoch im Kurs standen dabei die Sorten Elstar (17 Prozent Marktanteil), Braeburn (15,5 Prozent), Jonagold (13 Prozent) und Gala (7 Prozent).

          „Vielleicht ist der „Cosmic Crisp“ irgendwann mal ein interessantes Produkt für deutsche Bauern. Derzeit ist er es aber nicht“, so die BVEO. Das liege vor allem daran, dass die Washington State University die Rechte an der Sorte hält und in Europa nur ein Lizenznehmer in Südtirol „Cosmic Crisp“ anbauen und vertreiben darf. Deshalb können Apfelliebhaber aber trotzdem damit rechnen, dass die neue Sorte in den kommenden Jahren auch in Deutschland im Regal liegt – ansonsten kann man aber natürlich auch nach Amerika fliegen und hoffen, dass noch welche übrig sind.

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