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Handel mit Spirituosen : Cognac Online

Der Online-Handel mit Spirituosen hat viele Vorteile: Cognac-Trinker kennen ihren Hennessy in der Regel gut und schicken selten etwas zurück. Bild: Reuters

Stéphanie Arnault, die Nichte des LVMH-Chefs, baut für den Konzern den Online-Handel für Spirituosen auf – und verflüssigt alle Zweifel an dem Geschäft.

          Mit einem solchen Namen gibt es kein Entrinnen. Ihr Bruder Ludovic arbeitet bei Dior, ihre Cousine Delphine bei Louis Vuitton, ihre Cousins bei Berluti (Antoine), Rimowa (Alexandre) und Tag Heuer (Frédéric). Also ging auch Stéphanie Arnault den Weg, den ihr die Familiengeschichte vorgezeichnet hatte. Sie leitet im Auftrag der reichsten Familie Frankreichs ein Online-Business in London. „Warum auch nicht?!“

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Denn es liegt nahe. Ihre Mutter Dominique war die einzige Schwester von Bernard Arnault, dem Gründer und Chef des größten Luxuskonzerns der Welt. Als er LVMH aufbaute, leitete Dominique Watine Arnault ein Auktionshaus in Paris. Aber die Verbindung zu den Luxusmarken war immer da. „Schon als Kind durfte ich mit zu den Modenschauen“, sagt Stéphanie Watine Arnault. Ihre Liebe zum Luxus begann also mit Christian Dior – und mit dem gelegentlichen Schluck Champagner, wenn sie schon als Kind den letzten Rest aus dem Glas der Mutter trank.

          Die Fünfunddreißigjährige, die nach Berlin gekommen ist, um Werbung für ihre noch ganz junge Website zu machen, ist sehr erfahren für ihr Alter. Schon mit 22 Jahren stieg sie in den Konzern ein. Sie kommt viel in der Welt herum, spricht perfekt Englisch mit leichtem französischem Akzent, ist verheiratet und arbeitet eigenverantwortlich. Vermutlich hängt ihre frühe Reife auch mit der schmerzhaften Erfahrung zusammen, dass ihre Mutter schon im Jahr 2006 starb.

          Das war auch das Jahr, in dem Stéphanie Arnault bei Marc Jacobs in New York begann, dessen Marke zu großen Teilen zu LVMH gehört und der damals auch noch Chefdesigner von Louis Vuitton war. „Eine tolle Zeit“, sagt sie über die guten Jahre des Designers, der inzwischen geschäftlich in die Krise gerutscht ist. Als Produktmanagerin für Lederwaren entwickelte sie Handtaschen mit und erfuhr viel über die Herstellung.

          Ein bisschen intellektuell

          Dann stieg sie ein Jahr aus, für den MBA-Abschluss an der Elite-Wirtschaftshochschule Insead in Fontainebleau. Danach ging's weiter im Konzern, bei der größten Luxusmarke überhaupt, Louis Vuitton, wo sie im Londoner Geschäft im „Men's Universe“ arbeitete. „Dort habe ich viel gelernt über den Umgang mit Kunden“, sagt sie. So erfuhr sie in einer Art Familien-Trainee-Programm sehr viel über Frauen- und Männerprodukte, Accessoires und Mode, Herstellung und Handel.

          Wein, Rum, Wodka, Cognac, Champagner, Whisky: Stéphanie Arnault bietet in ihrem Online-Shop Clos19 viel an.

          Aber im Reich von Bernard Arnault, in dem die Sonne nicht untergeht, wird mit noch mehr gehandelt. Der heute 69 Jahre alte Unternehmer hatte, als er aus dem Immobiliengeschäft seines Vaters einen internationalen Luxusgiganten schuf, unterwegs nicht nur Unternehmen wie Dior, Lacroix, Celine, Kenzo und Givenchy gekauft. Wie der Name Moët-Hennessy Louis Vuitton verrät, war in der Gründungsphase der Holding nicht nur die alte Taschenmarke, sondern auch der Hersteller von Champagner und Cognac entscheidend – so entscheidend, dass zwar die Abkürzung LVMH lautet, aber in der ausgeschriebenen Variante Moët-Hennessy an erster Stelle steht. Am Gesamtumsatz des Konzerns, der im vergangenen Jahr auf sage und schreibe 42,6 Milliarden Euro gewachsen ist, haben Weine und Spirituosen einen Anteil von zwölf Prozent.

          Warum nicht auf die Champagnerseite des Lebens wechseln? 2013 stieg sie bei Moët-Hennessy Europa ein. Christophe Navarre, bis 2017 Chef des LVMH-Flüssiggeschäfts, hatte ihr das empfohlen: So könne sie gleichzeitig die Marken und die Märkte kennenlernen. Gleich in ihrer ersten Woche erkannte sie Verbesserungspotential. Was wird verkauft? Wer sind die Kunden? Als Antwort auf solche Fragen gab man ihr nur Bilanzen. Da merkte sie, dass man hier viel über die Händler wusste, aber wenig über den Kunden, der den Veuve Clicquot am Ende trinkt.

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