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Spezialrestaurant in Mailand : Neue Räume für Trüffelträume

An der Bar von „Tartufi & Friends“: Die Hunde auf den Bildern oben sind Trüffelhunde. Bild: Maria Wiesner

Wer frische Trüffeln liebt, wird seit neuestem auch in Mailand fündig. Ein Restaurant widmet seine gesamte Speisekarte dem Pilz. Wir waren vor Ort.

          Wer frische Trüffeln liebt, musste in Italien bisher ins Piemont oder in die Marken fahren. Seit kurzem können sich Trüffelliebhaber den frischen Pilz auch in Mailand über die Tagliatelle reiben lassen. Am Corso Venezia 18 hat im vergangenen Herbst „Tartufi & Friends“ eröffnet – das erste Restaurant in Mailand, das einfach mal die gesamte Speisekarte der Trüffel widmet.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Schon optisch sticht das Lokal auf dem Corso hervor. Nach den bunten Schaufenstern von Moschino und Missoni und vor den steingrauen Palazzi rankt Wacholder an einer Fassade empor. Zwischen dunkelgrünen Bäumchen strahlt die Trüffelauslage durch die gläserne Eingangstür.

          „Wir wollen erschwinglichen Luxus für jedermann bieten“, sagt Alberto Sermoneta, der Inhaber des Restaurants. Mit Luxus kennt er sich aus. Seine Familie besitzt in Rom verschiedene Geschäfte großer italienischer Modemarken. Als sie vor ein paar Jahren neue Geschäftsfelder suchten, entwickelte Alberto Sermoneta das Gourmet-Konzept.

          Er setzt in seinem Restaurant auf italienische Tradition, lässt sich davon aber nicht einengen. Der erste Bruch sind schon die Öffnungszeiten: von 11 bis 23 Uhr, ohne die traditionelle Pause am Nachmittag. „Wir sind den ganzen Tag über für unsere Gäste da: Business-Lunch am Mittag, Dinner mit Freunden, Aperitif am Abend. Oder die Gäste kommen nur vorbei, um ein Gourmetprodukt für zu Hause mitzunehmen.“

          Man darf wählen: Weiße oder schwarze Trüffeln (wie hier auf dem Bild) sind immer dabei. Bilderstrecke

          Diese Produkte sind es auch, die neugierige Passanten anlocken. Trüffelsalz, Trüffelöl und Trüffelpasteten sind am Eingang aufgereiht. In einer Vitrine steht ein Silbertablett mit den frischen dunklen Trüffeln, die gerade Saison haben. Auch die seltenere weiße Trüffel steht auf der Karte. Die Farben der beiden Trüffelsorten bestimmen das Einrichtungskonzept. Links des Eingangs ist der Bereich für Business-Meetings und ruhige Dinner in gedeckten Farben gehalten. Schwarz-weiß karierte Polster auf den Bänken, eichenfarbene Tischchen. Von der Decke werfen rauchige Spiegel das von weißen Platten durchbrochene Muster des dunklen Bodens zurück.

          Heller und sinnlicher wird es an der Bar rechts des Eingangs: Der Tresen ist aus Baumscheiben, in durchsichtiges Hartwachs eingelassen; die Holztöne finden sich in den cognacfarbenen Lederhockern wieder. Hinter der Bar ist ein vertikaler Garten mit Farnen und Moosen gepflanzt. Und diese schwarz-weißen Aufnahmen von Hunden über der Bar? „Das sind Trüffelhunde“, sagt Sermoneta. „Ohne sie könnten wir gar keine Trüffeln essen.“

          Während er von der Schönheit der Trüffeljagd schwärmt, holt ihn die Hektik des Alltags ein. Das Smartphone klingelt. Während des Gesprächs hat es wiederholt gebrummt und gepiept, dieses Mal muss er drangehen. Zeit für einen Blick auf die Speisekarte. Die Vorspeisen beginnen bei 16 Euro, die Hauptgerichte bei 25 Euro. Hausgemachte Fettuccine, Risotto und Omelett, aber auch Kalbs- und Lammfilet - allesamt wahlweise mit schwarzen oder weißen Trüffeln.

          Später am Abend wird sich zeigen: Die Pasta ist perfekt al dente, die Trüffeln sind großzügig darüber gerieben. Nur das Dessert, Vanilleeis mit Feigen und weißem Trüffelhonig, ist geschmacklich etwas zu vertrüffelt. Anderen Gästen ist die Kombination gerade recht.

          „Wir servieren hier klassische italienische Gerichte“, sagt Sermoneta, als er sein Telefonat beendet hat. „Natürlich mit einem kleinen Twist wie Basilikumsalz oder Shrimps aus Sizilien.“ Alles ist hier italienisch, von den Gerichten über den Wein bis zum Küchenchef. Nicht zu vergessen: die Trüffeln. „Wir kennen unsere Lieferanten persönlich“, sagt Sermoneta. „Die Qualität ist uns sehr wichtig.“ Wie zum Beweis unterbricht ihn ein Mitarbeiter, um die Lieferscheine des Tages zur Prüfung vorzulegen. „Bis zu 45 Kilogramm Trüffeln verbraucht das Küchenteam im Monat, in jedem unserer Restaurants“, sagt Sermoneta - und spielt damit auf das „Tartufi & Friends“ in Rom an, das erste Trüffelrestaurant, das er eröffnet hat. Es liegt am Fuß der spanischen Treppe und zieht nicht nur Einheimische, sondern auch viele Touristen an.

          „Dort kommt es schon mal vor, dass wir 45 Tage im Voraus ausgebucht sind.“ Deshalb habe er in Mailand nach größeren Räumen gesucht. Er fand sie in einem alten Palazzo, der schon Napoleon und Josephine für drei Monate als Residenz gedient hatte.

          Doch Mailand ist nicht genug. Bald soll es auch bei Harrod’s in London „Tartufi & Friends“ geben, ein weiteres Restaurant soll in Dubai eröffnet werden. Am Fenster sind die beiden Orte schon unter dem Titel „Truffel Lounge“ vermerkt. Gibt es überhaupt genug frische Trüffeln aus Italien für den Expansionszug? „So lange man dafür ordentlich zahlen kann“, meint Sermoneta weise, „gibt es auch genug Trüffeln.“

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